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Das Unwort vom "Döner-Mord"

Darmstadt. Mit Blick auf den viel kritisierten Gebrauch des Ausdrucks "Döner-Morde" fordert die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich mehr Sorgfalt bei der Wahl von Begriffen. Sie warnt davor, voreilig zu vereinfachenden Formulierungen zu greifen

Darmstadt. Mit Blick auf den viel kritisierten Gebrauch des Ausdrucks "Döner-Morde" fordert die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich mehr Sorgfalt bei der Wahl von Begriffen. Sie warnt davor, voreilig zu vereinfachenden Formulierungen zu greifen. "Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit, wenn Sprache im öffentlichen Kontext verwendet wird", sagte die Sprecherin der Jury "Unwort des Jahres". Eine unbedachte Bezeichnung könne rasch zu einer falschen Vorstellung von der Realität führen. "Der Begriff 'Döner-Mord' ist verharmlosend." Das Schlagwort wurde häufig für die Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer zwischen 2000 und 2006 verwendet.Der Begriff gehe am Kern des Themas vorbei. "Ich halte ihn nicht für eine besonders gelungene Wortbildung", sagte die 43 Jahre alte Professorin am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt. "Er klingt eher nach abgefahrenen Serien-Killern, aber nicht nach rechtsradikalem Terrorismus."


Der Ausdruck sei schon des öfteren als "Unwort des Jahres 2011" vorgeschlagen worden, sagte Janich. "'Döner-Morde' ist ein heißer Kandidat - wie 'Rettungsschirm', 'Restrisiko' oder 'partielle Kernschmelze'." Das Ergebnis der Auswahl des "Unwortes" wird am 17. Januar 2012 verkündet. Zu den sechs Köpfen der Jury zähle ein wechselndes Mitglied, dieses Mal der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. dpa