Cyberchondrie: Dr. Google macht Angst

Phänomen Cyberchondrie : Dr. Google macht Angst

Es gibt „Krankheiten“, die verschwinden im Handumdrehen durch einen Besuch beim Arzt. Es braucht kein Rezept dafür, keine Behandlung – ein Gespräch genügt. Gute Mediziner können das. Es gibt allerdings auch Krankheiten, die „entstehen“ erst dadurch, dass man sich nach ihnen erkundigt – diesen Effekt kann Dr. Google auslösen.

Das Internet hat die fatale Tendenz, die Angst vor Krankheiten zu verstärken. Dafür hat sich die Bezeichnung Cyberchondrie eingebürgert. Psychologen der Uni Köln haben diesen Effekt nun erstmals genau untersucht. Sie kommen zum Ergebnis, dass schon eine kurze Internetsuche nach einem Krankheitssymptom die Sorge, tatsächlich erkrankt zu sein, deutlich steigern kann, berichtet eine Arbeitsgruppe um Professor Alexander Gerlach vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Uni Köln.

Die Kölner Psychologen ließen 80 junge Erwachsene im Alter von durchschnittlich 23 Jahren in einem Laborversuch persönliche Symptome im Internet suchen. Die Teilnehmer des Tests hätten dabei nach weit verbreiteten Themen, wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Tinnitus oder Magen-Darm-Problemen gegoogelt, erklärt der Kölner Wissenschaftler. Und die meisten hätten vor allem renommierte Webadressen angesteuert. Nach diesem kurzen Ausflug ins Internet, der nur fünf Minuten dauerte, befragten die Wissenschaftler ihre Testpersonen. Und die „gaben direkt nach der Suche an, sich nun mehr Sorgen über ihre Gesundheit und die Krankheitssymptome zu machen“. Dieser Effekt sei überraschend deutlich gewesen, erklärt der Kölner Wissenschaftler. Besonders ausgeprägt sei er bei Menschen, wer sich bereits vor dem Test um ihre Gesundheit sorgten. Es habe kaum ein Unterschied bestanden, wo die Testpersonen im Internet gesucht hatten, erklärt die Uni Köln. „Auch bei Webseiten mit zurückhaltenden, moderaten Auskünften zu Symptomen steigerte sich das Unwohlsein.“

Das Internet ist als Ratgeber bei Gesundheitsthemen mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Jeder zweite Deutsche sucht zumindest einmal im Monat im Netz nach Gesundheitsinformationen, jeder Siebte sogar mindestens einmal pro Woche. Die am häufigsten genutzten Informationsquellen sind Online-Lexika, danach kommen Seiten von Krankenkassen und bekannte Gesundheitsportale. Etwa die Hälfte der Internetnutzer sagt, sie sei zufrieden mit den Ratschlägen aus dem Internet, zeigt eine Bertelsmann-Umfrage aus dem Jahr 2018. Allerdings verschweigt jeder Dritte bei einem Arztbesuch die Tatsache, dass er vorher im Netz nach Informationen gesucht hat.

Der Kölner Arbeitsgruppe hat eine Spezialambulanz für Krankheitsangst eingerichtet. Sie informiert dort über Forschungsergebnisse zu diesem Thema. Auch die Bertelsmann-Stiftung hat eine Seite zur Digitalisierung im Gesundheitswesen eingerichtet.

www.Krankheitsangst.koeln, www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/der-digitale-patient/