„Blutkohle für Deutschland“

„Blutkohle für Deutschland“

Weil Deutschland aus der Kohleförderung aussteigt, muss es sich am Weltmarkt versorgen. Eine Diskussionsrunde bei der Arbeitskammer beleuchtete die Zustände im Kohleland Kolumbien.

"Am Ende kommt Blutkohle nach Deutschland rein." Diese düstere Prophezeiung aus früherer Zeit sieht Dietmar Geuskens, Bezirksleiter Saar der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), inzwischen zu Teilen erfüllt. Weltweit werde Schindluder mit der Natur und den Menschen getrieben, um das "schwarze Gold" möglichst billig zu fördern. Dies treffe vor allem auf Kolumbien zu. Das südamerikanische Land ist nach den USA der zweitgrößte Kohleexporteur nach Deutschland. Aber auch das fatale Bergbau-Unglück vor wenigen Wochen im türkischen Soma mit 300 Toten sei nur möglich gewesen, weil die Bergwerksgesellschaft den Kohlepreis von 130 auf 23,80 Dollar gedrückt habe, kritisierte er.

Geuskens war Referent einer Diskussionsrunde, die sich mit dem Thema "Woher kommt die Kohle heute?" befasste. Veranstaltet wurde sie vom Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland (NES), der Arbeitskammer und der IGB CE. Anlass war der Ausstieg des Saarlandes aus dem Steinkohle-Bergbau vor genau zwei Jahren.

Werner Huffer-Kilian vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) prangerte die zahlreichen Umweltverschmutzungen an, die mit der Kohleförderung in Kolumbien verbunden sind. Für jede Tonne Kohle , die im kolumbianischen Tagebau gefördert wird, "müssen neun Tonnen Abraum aufgehäuft werden". Dies zerstöre weite Teile des Landes und verschmutze die Flüsse. Für Deutschland fordert er, "dass keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut werden". "Wir müssen die Energiewende schneller vorantreiben, um unabhängiger von Kohle-Importen zu werden."

Rubén Morrón Guerrero, Bergarbeiter und Gewerkschaftsführer aus Kolumbien , erzählte davon, dass er wegen seiner Tätigkeit in der Arbeitnehmerorganisation Sintramienergetica nicht nur von heute auf morgen seinen Arbeitsplatz verlor. Er müsse seit Jahren auch um sein Leben fürchten. Dennoch will er die Missstände im kolumbianischen Kohlebergbau weiter anprangern. In einer einzigen Mine habe es binnen 20 Jahren mehr als 4100 schwerwiegende Unfälle gegeben.

Das NES ist ein Netzwerk, das sich der Entwicklungspolitik verschrieben hat. Sie will in den nächsten Monaten weitere Themen aufgreifen, die sich mit der "globalen Verantwortung von Gewerkschaften auseinandersetzen", erläuterte NES-Geschäftsführer Harald Kreutzer.