ZF plant weniger Neueinstellungen an der Saar

ZF plant weniger Neueinstellungen an der Saar

Anders als in den Vorjahren will der Getriebehersteller ZF in Saarbrücken künftig weniger neue Leute einstellen. Die Belegschaft müsse stattdessen ihre Produktivität erhöhen. Im Gegenzug stellt Konzernchef Stefan Sommer weitere Aufgaben für das Werk in Aussicht.

Der Getriebehersteller ZF wird 2015 hundert Jahre alt. Diesen Anlass feiert das Unternehmen in Saarbrücken am 11. Juli mit einem Familienfest im Deutsch-Französischen Garten und erwarteten 30 000 Gästen. Das gab ZF gestern auf der Jahresabschluss-Pressekonferenz bekannt.

Anders als bisher will das Unternehmen künftig deutlich weniger Mitarbeiter in Saarbrücken einstellen, sagte Sommer. Die Belegschaft müsse noch produktiver werden und noch energischer um künftiges Wachstum kämpfen. So soll die Zahl der Neueinstellungen 2015 nur noch bei rund 100 liegen. Insgesamt beschäftigt ZF derzeit an der Saar 9700 Mitarbeiter, darin enthalten sind auch 1000 Entwickler, die in Friedrichshafen arbeiten, aber organisatorisch und finanziell unter die Verantwortung von ZF Saarbrücken fallen. Zudem will ZF aus Kostengründen die Beziehungen zu Lieferanten auf den Prüfstand stellen. Neue Lieferanten könnten eine Chance bekommen, wenn sie mit ihrem Produkt überzeugen und billiger sind als Konkurrenten.

Für 2015 hat Konzernchef Stefan Sommer zahlreiche Ziele am inzwischen weltweit größte ZF-Standort Saarbrücken . So ist eine Steigerung der produzierten Automatik-Getriebe von heute 2,4 Millionen auf 2,5 Millionen geplant. Gleichzeitig investiert ZF 210 Millionen Euro, davon 18 Millionen in ein neues Verwaltungsgebäude gegenüber dem Haupteingang sowie weiteres Geld in ein vierstöckiges Parkhaus.

Zudem kommt 2015 ein 8-Gang-Automatik-Getriebe für Hybrid-Fahrzeuge auf den Markt, das an der Saar gebaut wird. Seit August 2014 kommt von hier die zweite Generation von 8-Gang-Automatik-Getrieben, die drei Prozent Kraftstoff einsparen sollen und zunächst in die 5-er Reihe von BMW eingebaut werden. Weitere Hersteller von Premium-Fahrzeugen zeigten Interesse.

Für das ZF-Werk Gray Count im US-Bundesstaat South Carolina liefert Saarbrücken 400 000 Steuerungskomponenten, die in 9-Gang-Getriebe eingebaut werden. 2015 sollen es noch mehr werden. Da Saarbrücken weltweit Leitwerk für neue Schlüsseltechnologien sei, soll es solche Komponenten in naher Zukunft auch für den chinesischen Markt produzieren. China bringe heute schon das größte Wachstum für den ZF-Konzern. Daher plant ZF ein Werk in China. Stückzahlen stünden noch nicht fest. Auch auf elektrische Antriebe mit Getrieben bereite sich ZF Saarbrücken vor. 2014 erreichte der Saar-Standort vier Milliarden Euro Umsatz, die ZF Friedrichshafen AG insgesamt 18 Milliarden.

Meinung:

Härtere Zeiten für Mitarbeiter

Von SZ-RedakteurThomas Sponticcia

Es war klar, dass ZF trotz ständigen Wachstums nicht ewig im großen Stil Mitarbeiter einstellen würde. In diesem Jahr trafen wieder 32 000 Bewerbungen in Saarbrücken ein. Jetzt ändert das Unternehmen die Strategie und erwartet noch mehr Leistung von der Stammbelegschaft. Jeder soll flexibler werden. Diese Forderung wird sicher für erhebliche Diskussionen in der Belegschaft sorgen. Im Gegenzug für mehr Leistung stellt Konzernchef Sommer aber neue Aufgaben in Aussicht, die den Standort absichern. Das ist viel wert in der heutigen Zeit.