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Braun Cartec zieht aus Schwalbach ab

Braun Cartec zieht aus Schwalbach ab

Die Firma Braun Cartec wird ihren Standort von Schwalbach nach Saarlouis verlegen. Grund für diese Entscheidung ist die angedrohte Klage eines Anwohners. Geschäftsführer Michael Braun spricht von Erpressung.

Die Stimmung, die gestern Morgen im Büro von Schwalbachs Bürgermeister Hans-Joachim Neumeyer herrschte, hätte kaum getrübter sein können. Der Grund: Die Firma Braun Cartec, die seit 2001 im Gewerbegebiet Neyschacht angesiedelt ist, verlagert ihren Standort von Schwalbach nach Saarlouis . "Ich kann und will meine Enttäuschung darüber nicht verhehlen", sagte Neumeyer, der noch bis vor wenigen Tagen davon ausgegangen war, dass Braun Cartec sich in Schwalbach vergrößert.

Denn das war der Plan der beiden Geschäftsführer Michael Braun und Patrick Lonsdorfer. Mit dem Bau einer neuen Halle wollten sie den Standort erweitern und in Schwalbach zu den jetzigen 230 Arbeitsplätzen neue schaffen. "Wir wollten, dass die Arbeit hier bleibt und es hier weitergeht", sagte Geschäftsführer Michael Braun . Zwar haben seit Bekanntwerden des Bauvorhabens Anwohner aus dem Umfeld des Gewerbegebiets Bedenken geäußert, was Lärm und Verkehr betrifft, aber das ist nicht der Grund dafür, dass die Firma Braun Cartec jetzt weggeht.

"Für diese Bedenken haben wir Verständnis, das hätte sich regeln lassen", sagte Michael Braun , aber nun hat ein Anwohner, der seinen Wohnsitz im Gewerbegebiet Neyschacht hat, damit gedroht, gegen das Bauvorhaben zu klagen. "Und das hat das Fass zum Überlaufen gebracht", betonte Braun. Denn eine solche Klage könnte unabhängig davon, was dabei rauskommt, zunächst zu einem Baustopp führen. "Dieses Risiko ist aus unternehmerischer Sicht zu groß", erklärte Patrick Lonsdorfer. Denn in der neuen Halle sollte unter anderem für Porsche und Audi produziert werden, mit denen das Unternehmen bereits Verträge für einen Serienauftrag abgeschlossen hat.

"Am ersten Oktober muss die Anlage dafür stehen. Und wenn man 31. Januar nicht alle Ampeln auf Grün stehen, wird das nicht klappen." Nun zieht Braun Cartec nach Saarlouis ins Industriegebiet Lisdorfer Berg um. Rund zwölf Millionen Euro müssen sie dafür investieren. "Dazu haben wir uns entschieden", betonte Braun, der über das Verhalten des Anwohners, der mit Klage drohte, mehr als verärgert ist. "Er wollte uns sein Grundstück am Neyschacht verkaufen. Sollten wir uns darauf nicht einlassen, drohte er mit Klage. Das nenne ich Erpressung . Und wir lassen uns nicht erpressen", sagte Braun.

Daher sei auch ein Gespräch, wie von Neumeyer angedacht, nicht möglich gewesen. "Mit so einem setze ich mich nicht an einen Tisch", betonte Braun, der sich als Unternehmer vom Staat im Stich gelassen fühlt. "Ein Mann ist imstande, eine ganze Region lahmzulegen. Das kann doch nicht sein."

Auch bei Bürgermeister Neumeyer sitzt dieser Stachel tief. "Ich bedauere es, dass wir ein so innovatives Unternehmen nun verlieren, aber ich kann die Entscheidung nachvollziehen. Es ist leider so, dass die Akzeptanz von wirtschaftlicher Entwicklung sehr schwierig ist. Getreu dem Motto: Wasch mich, aber mach mich nicht nass", sagte Neumeyer, der durch den Weggang von Braun Cartec einen Image-Schaden für den Gewerbestandort Schwalbach befürchtet.

Meinung:

Bedenkliche Situation

Von Marc Prams

Kann das wirklich möglich sein? Kann eine Person allein durch Androhung einer Klage dafür sorgen, dass ein Unternehmen seinen Standort wechselt? Unmöglich, möchte man meinen, aber der Fall Braun Cartec zeigt, dass das sehr wohl möglich ist. Und das ist bedenklich, denn hier wird das Rechtssystem ad absurdum geführt. Wie kann man von Unternehmern Engagement erwarten, wenn schon der Bau einer Halle eine Lawine auslösen kann, die solche Konsequenzen nach sich zieht? Auch Unternehmer brauchen in solchen Fällen Sicherheit. Braun Cartec wollte sich in Schwalbach vergrößern. Mehr Arbeitsplätze und mehr Einnahmen für die Kommune hätte das bedeutet. Nun zieht das Unternehmen ab, was das Image von Schwalbach als Gewerbestandort nachhaltig verschlechtern wird.