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Vergütung für Stromfeuerwehr?

Saarbrücken. Die Energiekonzerne fordern Geld dafür, dass sie konventionelle Kraftwerke bereithalten, wenn Wind- und Solaranlagen nicht genügend Strom liefern. In Saarbrücken halten Experten dagegen. Joachim Wollschläger

Wie kann angesichts der Umstellung auf erneuerbare Energien auch künftig die Stromversorgung gesichert werden? Diese Grundfrage bestimmte am Mittwoch den Energie-Kongress im Saarbrücker Schloss. Zahlreiche Marktexperten diskutierten auf diesem vom Saarbrücker Institut für Zukunfts-Energiesysteme (Izes) veranstalteten Forum, welche Kraftwerkskapazitäten auf künftig nötig sind, und wie diese vergütet werden müssen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Aktuell werden konventionelle Kraftwerke immer seltener gebraucht. Gerade hocheffiziente Gaskraftwerke sind kaum noch am Netz und verdienen kein Geld mehr. Zahlreiche - auch neue - Kraftwerke sind bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung angemeldet. Um solche Investments wieder "ins Geld" zu bringen, fordern deshalb die Kraftwerksbetreiber einen sogenannten Kapazitätsmarkt, bei dem bereits für das Vorhalten der Kraftwerke eine Vergütung gezahlt wird. Solch ein Markt sei aber zurzeit nicht nötig, sagt dagegen Izes-Chef Uwe Leprich: "Wir haben genug Kapazität."

Weiterhin gebraucht werde jedoch eine sogenannte Kapazitätsreserve für Zeiten, in denen der Strom der erneuerbaren Energien nicht ausreicht, beispielsweise im Winter. Die sei aber bereits jetzt gesichert, da die Bundesnetzagentur teilweise Kraftwerke zwangsweise am Netz halte und dafür die entstehenden Kosten vergüte, sagt Leprich. Die Aufgabe eines Kapazitätsmarktes sei es nicht, Fehl-Investitionen der Energieversorger zu vergüten.

Kernpunkt des Kongresses war die Ausgestaltung einer solchen Kapazitätsreserve - und ihre Vergütung. Knapp 100 Millionen Euro pro Jahr koste es, ein sogenanntes Fangnetz aufrecht zu erhalten, über das Unterbrechungen der Stromlieferung an Großverbraucher verhindert werden könnten, rechnet Jens Büchner von der E-Bridge-Beratungsgesellschaft vor. Gregor Glasmacher von der Bundesnetzagentur leitet zwar her, dass in einem funktionierenden Energiemarkt ein solches Fangnetz nicht nötig wäre, geht aber davon aus, dass ein solcher idealer Markt aktuell nicht besteht. Deshalb müsse ein regulierter Kapazitätsmarkt zumindest geprüft werden.