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Ein Leicht-Athlet stürmt ins Rampenlicht

Ein Leicht-Athlet stürmt ins Rampenlicht

Echte Sportwagen sind leicht, handlich und agil. Das Fahrgefühl ist wichtiger als möglichst viele PS. Jetzt will Renault seine legendäre Alpine wieder aufleben lassen. Das neue Modell orientiert sich am A110 von 1961.

 Der 240 PS starke Alfa Romeo 4C ist nur rund eine Tonne schwer. Da lacht das Sportfahrerherz. Im Alltagsbetrieb fehlen dem Zweisitzer allerdings Komfort und gutes Raumangebot.
Der 240 PS starke Alfa Romeo 4C ist nur rund eine Tonne schwer. Da lacht das Sportfahrerherz. Im Alltagsbetrieb fehlen dem Zweisitzer allerdings Komfort und gutes Raumangebot.
 Das Original: Der Renault Alpine A110 wurde von 1961 bis 1977 gebaut. Er wiegt rund 750 Kilogramm, ist extrem sportlich und mit Motoren von 92 PS bis 138 PS maximal 215 km/h schnell.
Das Original: Der Renault Alpine A110 wurde von 1961 bis 1977 gebaut. Er wiegt rund 750 Kilogramm, ist extrem sportlich und mit Motoren von 92 PS bis 138 PS maximal 215 km/h schnell.
 Das Audi TTS Coupé lockt mit 310 PS Leistung und Quattro-Allradantrieb. Mit Automatik und knapp 1,5 Tonnen Gewicht ist der Wagen ein guter Alltagssportler, vielleicht ein bisschen zu perfekt.
Das Audi TTS Coupé lockt mit 310 PS Leistung und Quattro-Allradantrieb. Mit Automatik und knapp 1,5 Tonnen Gewicht ist der Wagen ein guter Alltagssportler, vielleicht ein bisschen zu perfekt.
 Der Mittelmotor-Sportwagen Porsche Cayman überzeugt mit überragendem Fahrverhalten. Der Einstiegsmotor leistet 275 PS, doch dem steht ein Gewicht von über 1400 Kilogramm gegenüber.
Der Mittelmotor-Sportwagen Porsche Cayman überzeugt mit überragendem Fahrverhalten. Der Einstiegsmotor leistet 275 PS, doch dem steht ein Gewicht von über 1400 Kilogramm gegenüber.

Renault und Sportwagen , das klingt heute wie zwei verschiedene Welten. Doch Kenner werden sich an den Namen Alpine erinnern. In den 60er Jahren war die Alpine A110 ein Sportwagen erster Güte. Klein, leicht, spurtstark und im Motorsport höchst erfolgreich.

Unzählige Rallye-Siege, unter anderem bei der Rallye Monte Carlo, gehen auf das Konto des engen, zweisitzigen Sportwagens mit Vierzylinder-Heckmotor von Renault . Das Modell A110 wurde bis 1977 gebaut, danach folgten die größeren Modelle A310 und A610. 1978 übernahm Renault die Marke Alpine zu 100 Prozent. Der Name überlebte bis 1995.

Jetzt belebt Renault die Alpine wieder. Der französische Hersteller plant einen neuen Sportwagen , der Mitte 2017 in den Verkauf gehen soll. Ein Prototyp, der größtenteils dem Serienmodell entspricht, wurde auf "heiligem Boden", in Monte Carlo und auf den Pisten der gleichnamigen Rallye, kürzlich vorgestellt. Zur Präsentations-Bühne gehörte auch die berühmt-berüchtigte Passstraße Col de Turini in den französischen Seealpen.

Die Studie Alpine Vision orientiert sich eindeutig am A110 von damals und zum Glück nicht an den größeren und schwereren A310- und 610-Modellen. Die bis jetzt bekannten Eckwerte der Neuzeit-Alpine machen Appetit auf freie, kurvige Landstraßen: turbogeladener 1,8-Liter-Vierzylinder mit maximal 300 PS, möglicherweise auch zahmere Versionen mit 250 PS und 275 PS, Leegewicht von nur rund 1000 Kilogramm. Damit soll die Alpine in 4,5 Sekunden von Null auf 100 km/h sprinten und über 250 km/h schnell sein.

Die Kraftübertragung auf die Hinterräder übernimmt ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Der Motor selbst ist als Mittelmotor direkt vor der Hinterachse platziert. Das ermöglicht einerseits eine gute Traktion, weil das Motorgewicht die Hinterräder belastet, andererseits aber auch ein agiles Handling, weil das Gewicht nahe der Fahrzeugmitte liegt. So werden Drehungen um die Hochachse erleichtert. Folglich soll die Alpine mit Mittelmotor besonders leicht und direkt in Kurven einlenken.

Auch Porsche Boxster und Cayman folgen diesem Aufbau und vermitteln ein entsprechendes Fahrgefühl. Bei früheren Mittelmotor-Konstruktionen ging diese Auslegung teils mit einem schlechten Geradeauslauf und mit schwer beherrschbarem Fahrverhalten im Kurven-Grenzbereich einher. Diese Probleme haben die Fahrwerkstechniker heute mit ausgeklügelten Radaufhängungen und elektronischen Regelsystemen gut im Griff.

Neben der zu erwartenden dynamischen Auslegung der Alpine verspricht vor allem das niedrige Gewicht von wenig über einer Tonne gehörigen Fahrspaß. Ein Porsche Cayman mit 275 PS und Doppelkupplungsgetriebe wiegt 1415 Kilogramm. Der spielt allerdings mit über 51 000 Euro Grundpreis auch in einer anderen Liga. Die Alpine startet möglicherweise mit einem Basispreis von knapp über 40 000 Euro. Auch ein vergleichbarer Audi TTS liegt mit fast 50 000 Euro über dem erwarteten Alpine-Preis. Dafür bietet er als 2.0 TFSI quattro bereits serienmäßig Allradantrieb und 310 PS. Mit S-tronic Doppelkupplungs-Automatik liegt sein Preis sogar über 52 000 Euro und sein Gewicht mit 1460 Kilo auch deutlich über einer Tonne.

Unter Sportwagenfahrern gilt jedoch nach wie vor: Je leichter ein Auto ist, umso besser beschleunigt es, bremst es und lenkt spontaner in Kurven ein. Diese Dynamik spürt der Pilot und quittiert sie mit einem breiten Grinsen, über mögliche Komfortmängel sieht dann so mancher gerne hinweg.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Alfa 4C. Der kompromisslose Zweisitzer gilt unter Fans als knackiger Sportler mit Fahrspaß-Garantie. 240 PS bewegen das rund eine Tonne leichte Mobil sehr nachdrücklich, von Null auf 100 km/h geht's in 4,7 Sekunden, die Spitze liegt bei 258 km/h. Doch der Italo-Renner hat auch handfeste Nachteile. Erstens bleibt bei der extrem sportlichen Abstimmung der Komfort auf der Strecke und zweitens kostet der Alfa 4C über 62 000 Euro.

Der Blick auf die möglichen Alpine-Konkurrenten, zu denen auch ein BMW M235i (326 PS, Grundpreis 45 100 Euro) oder ein Nissan 370Z (328 PS, Grundpreis 33 600 Euro) gehören könnten, zeigt deutlich, welche Lücke die Alpine 2017 füllen soll. Die des bezahlbaren, kompakten Sportwagens, der dank Mittelmotor und niedrigem Gewicht authentischen Fahrspaß mit Alltagstauglichkeit verbindet. Der echte Sportler eben, der spürbar mehr begeistert als ein Großserienmodell mit Frontantrieb, starkem Motor und Sportfahrwerk.

Ungeduldige Sportfahrer fordern schon jetzt, Renault solle zugunsten eines günstigen Basis-Preises die Doppelkupplungs-Automatik und stärkste Motorversion streichen. Frei nach dem Motto: Ein Sportwagen definiert sich durch Weglassen - lieber 250 PS und maximal 1100 Kilogramm zum Preis von 40 000 Euro als ein Auto, das die Zielgruppe preislich überfordert.