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BMW blickt 100 Jahre weit in die Zukunft

BMW blickt 100 Jahre weit in die Zukunft

Im Jahr 1916 wurde BMW gegründet. Das Unternehmen hat seitdem immer wieder Maßstäbe im Automobilbau gesetzt. Zum Jubiläum haben sich die Mitarbeiter Gedanken darüber gemacht, wie Autos wohl in 100 Jahren aussehen werden. Ergebnis ist der „Vision Next 100“.

 Die BMW-Studie fährt von alleine, der Fahrer kann aber auch das Steuer übernehmen. Auf dem Armaturenbrett oben rechts sind Dreiecke der „lebenden Geometrie“ in Aktion zu sehen. Fotos: BMW
Die BMW-Studie fährt von alleine, der Fahrer kann aber auch das Steuer übernehmen. Auf dem Armaturenbrett oben rechts sind Dreiecke der „lebenden Geometrie“ in Aktion zu sehen. Fotos: BMW

(np) BMW feiert seinen 100. Geburtstag mit einer visionären Studie. Das Konzeptfahrzeug wird "Vision Next 100" genannt - "Ausblick auf die nächsten 100 Jahre". Die kupferfarbene Karosserie des 4,90 Meter langen und nur 1,37 Meter hohen Sportcoupés verdeckt auch die Räder. Das verbessert vor allem die Aerodynamik. Der c{-w}-Wert liegt bei nur 0,18. Das weist auf einen äußerst niedrigen Luftwiderstand hin. Er liegt bei Autos der Kompaktklasse bei 0,3, bei einem SUV bei 0,4. Die Minderung des c{-W}-Werts um einen zehntel Punkt spart rund 0,4 Liter Kraftstoff. Allerdings macht BMW zum Motor des Vision Next 100 keine Angaben. Was sich da in den nächsten Jahrzehnten durchsetzen wird, ist dem Hersteller wohl selbst noch nicht klar.

Bei der BMW-Studie fragt man sich spontan, wie sich die vollverkleideten Räder auf den Lenkeinschlag auswirken. Damit dieser nicht eingeschränkt wird, gibt die Radverkleidung wie eine Haut nach und verformt sich beim Lenken. BMW nennt das Alive Geometry, lebende Geometrie . Auf diese trifft man auch am Heck, wo sich die Abrisskante stets so verändert, dass der Luftwiderstand am geringsten ist.

Nähern sich Fahrer und Mitfahrer dem Auto , schwenken seine vier Flügeltüren automatisch hoch. Im Innenraum nehmen die Passagiere auf vier üppig dimensionierten Sesseln Platz. Das Cockpit ist geradezu nackt. Es gibt keine Schalter, keine Knöpfe, keine Armaturen, keine Bildschirme. Das Lenkrad ist auf zwei miteinander verbundene Griffe reduziert und bündig ins Armaturenbrett eingelassen. Tippt der Fahrer auf das BMW-Logo im Armaturenbrett , schließen sich die Türen und das Lenkrad fährt aus.

Bedient wird dieser BMW vor allem durch Handbewegungen. Alle Informationen werden auf die Windschutzscheibe projiziert. Beispielsweise werden die Ideallinie auf der Straße und das empfohlene Tempo angezeigt, oder es wird schon vor Hindernissen gewarnt, die der Fahrer noch gar nicht sehen kann: ein Fahrradfahrer, der vor einem geparkten Lkw hervorschießt zum Beispiel, ein bei dichtem Nebel vorausfahrendes Fahrzeug oder verlorene Ladung hinter der nächsten Kurve. Durch die umfassende Vernetzung übers Internet, die intelligente Sensorik und den ständigen Datenaustausch kann das Head-up-Display ein digitales Abbild der Umgebung erzeugen. Es handelt sich um die sogenannte Augmented-Reality-Technik. Damit ist gemeint, dass mithilfe von Computer und Internet die Realität, die der Fahrer wahrnimmt, erweitert wird. Er kann sozusagen ein klein wenig um die Ecken und in die Zukunft schauen.

Zusätzlich zu den Anzeigen auf der Windschutzscheibe geben je nach Situation 800 bewegliche Dreiecke, die auf dem Armaturenbrett und in den Seitenverkleidungen angebracht sind, Signale. Auch sie sind Bestandteil der lebenden Geometrie . Schießt etwa ein Radfahrer vor einem am rechten Straßenrand parkenden Lkw hervor, bewegen sich die Dreiecke auf der oberen rechten Hälfte des Armaturenbretts und machen dadurch den Fahrer zusätzlich auf die drohende Gefahr aufmerksam. Die Dreiecke bewegen sich gemeinsam, in der Art eines kontrolliert fliegenden Vogelschwarms. Die Bewegung wirkt wie eine leichte Welle, wie eine Geste. So etwas hat man in einem Auto noch nie gesehen.

Natürlich fährt der Vision Next 100 auch ganz von alleine. Gibt der Fahrer das Steuer aus der Hand, fährt es ins Armaturenbrett zurück, die Mittelkonsole weicht aus ihrer fahrerorientierten Position zurück und vor der Windschutzscheibe fährt der sogenannte Companion aus. Die kleine Skulptur, die die Form eines großen geschliffenen Edelsteins hat und zentral auf dem Armaturenbrett sitzt, signalisiert mit ihrem wechselnden Licht sowohl den Insassen als auch den Passanten, dass der Vision Next 100 jetzt ganz alleine fährt. Der Companion leuchtet zum Beispiel grün, um Fußgängern zu signalisieren, dass er sie bemerkt hat und sie gefahrlos die Straße überqueren können.

Die Passagiere können sich beim autonomen Fahren leicht schräg zueinander setzen, um sich besser unterhalten zu können. Auf der Windschutzscheibe werden nun keine Fahrinformationen mehr angezeigt, sondern sie dient jetzt beispielsweise als großer Bildschirm, etwa für Videotelefonate, Filme oder Computerspiele.