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„Wir können uns mit den Besten messen“

„Wir können uns mit den Besten messen“

Der Fiat-Chrysler-Konzern hat die Marke Lancia aufgegeben. Hat Alfa Romeo noch eine Zukunft? Darüber sprach unsere Mitarbeiterin Gundel Jacobi mit dem deutschen Alfa-Markenchef Stefan Moldaner.

 Stefan Moldaner ist der Chef von Alfa Romeo Deutschland. Foto: gj
Stefan Moldaner ist der Chef von Alfa Romeo Deutschland. Foto: gj Foto: gj

Alfa Romeo steht vor einem Neubeginn, der mit der Vorstellung der neuen Giulia eingeläutet wurde. Welche weiteren neuen Modelle sind geplant, und wo erwarten Sie die größten Erfolge?

Stefan Moldaner: Mit der Giulia erwarten wir die größten Erfolge im Bereich der Dienstwagen. Hier wollen wir uns als erste Alternative zu den drei deutschen Premium-Marken etablieren. Mit zukünftigen Modellen auf dem wachsenden Markt der stadttauglichen Hochbeiner in Abenteurerkluft möchten wir auch Kunden der Marken erreichen, die bisher noch nicht über eine ausländische Alternative nachgedacht haben. Im Blickpunkt stehen jedoch zunächst die Kompakt- und Mittelklasse mit Giulietta und Giulia.

Alfa Romeo hatte bis 2011 mit dem 159 Sportwagon einen beliebten Kombi für Geschäftsleute im Programm. Wie kann sich ein künftiger Alfa-Kombi von der starken deutschen Konkurrenz abheben?

Moldaner: Zunächst führen wir die Giulia ausschließlich als Limousine ein. Wie es beim Thema Kombi weitergehen wird, kann ich Ihnen zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Sollte eines Tages ein Kombi die Baureihe ergänzen, dann wären neben dem Praxisnutzen das Design, die Motorisierungen und vor allem das klassenbeste Leistungsgewicht wichtig.

Der aktuelle Mito ist seit 2008 auf dem Markt. Wann kommt der Nachfolger des Kleinwagens?

Moldaner: Im Produktplan sind noch einige Punkte offen. Neue Alfa-Modelle werden zuerst von der Mittelklasse-Giulia an aufwärts kommen, dann wird die Giulietta komplett erneuert. Danach werden wir weitersehen, welche weiteren Projekte serienreif werden.

Inwiefern spielen neue Antriebstechnologien eine Rolle? Wann ist beispielsweise mit einem Plug-in-Hybrid zu rechnen?

Moldaner: In Detroit wurde mit dem Chrysler Pacifica das erste Hybridmodell der Fiat-Chrysler-Familie vorgestellt, dessen Technologie für weitere Marken verfügbar sein wird, auch für Alfa Romeo . Einen Einsatzzeitpunkt kann ich Ihnen aber noch nicht nennen.

Wie knüpft Alfa Romeo an technische Besonderheiten der Vergangenheit an, beispielsweise den Transaxle-Antrieb oder die Twin-Spark-Doppelzündung?

Moldaner: Uns sind Leistungsdaten extrem wichtig. Unser Ziel ist es, mit der Sportversion in der jeweiligen Klasse Spitzenwerte zu erzielen, was sich zum Beispiel an der neuen Giulia Quadrifoglio zeigt. Technologisch können wir uns mit den Besten auf dem Markt messen.

Wird der technologische Fortschritt auch in der Gestaltung sichtbar gemacht?

Moldaner: Bei Alfa Romeo werden die Fahrzeuge immer so gestaltet, dass der Fahrer im Mittelpunkt steht. Das gilt auch beim Einsatz neuer Assistenzsysteme. Im Innenraum werden die Elemente so angeordnet, dass die neuen Techniken den Fahrer optimal unterstützen und entlasten, ihm aber stets das Gefühl geben, selbst das Auto zu führen.

Design war immer ein bestimmendes Thema bei Alfa Romeo . Gibt es gestalterische Elemente, die sich in allen zukünftigen Modellen wiederfinden?

Moldaner: Wenn man sich die Bugpartie der eben überarbeiteten Giulietta und der neuen Giulia anschaut, kann man sehen, wie das Gesicht künftiger Alfa-Modelle aussehen wird.

Allzu spektakuläres Design birgt die Gefahr der Kurzlebigkeit. Wie sorgt man für ein stabiles Restwertniveau und bringt gleichzeitig neue Gestaltungsideen ein?

Moldaner: Keinem unserer aktuellen Modelle sieht man an, wie lange es schon auf dem Markt ist. Mito und Giulietta wirken frisch und sind auf den ersten Blick als Alfa zu erkennen. Bei den Restwerten spielt natürlich das Äußere mit, doch noch wichtiger ist die Vertriebsstrategie. Wenn man hier beispielsweise über Mietwagenverkäufe zu viele junge Gebrauchte im Angebot hat, ist das für die Restwerte schlecht. Unsere Verpflichtung als Hersteller besteht darin, hier von Anfang an auf eine nachhaltige Vertriebsstrategie zu achten.

Alfa Romeo lebt auch heute noch von seinen großen Rennerfolgen der Vergangenheit. Sind hier neue Einsätze geplant?

Moldaner: Unser Vorsitzender Sergio Marchionne könnte sich Alfa Romeo als Team in der Formel 1 neben Ferrari vorstellen. Wann diese Pläne allerdings spruchreif werden, kann ich heute noch nicht sagen.

In der Vergangenheit hatte Alfa Romeo mitunter mit dem Ruf zu kämpfen, die Fahrzeuge seien zwar auf technisch attraktivem Niveau, aber nicht besonders zuverlässig. Wie kann zukünftig eine höhere Produktqualität erreicht und verdeutlicht werden?

Moldaner: Zum einen ist die Alfa-Technik auf einem qualitativen Stand wie die anderer Hersteller. Da müssen wir uns nicht verstecken. Zum anderen bieten wir auf unsere Produkte eine Vier-Jahres-Garantie ohne Kilometerbegrenzung, was unser Vertrauen in die Zuverlässigkeit unserer Autos deutlich macht.