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Ein kraftstrotzender Saubermann

Ein kraftstrotzender Saubermann

Der Unimog ist der Alleskönner im groben Gelände. Waldbesitzer, Kommunen und Energieunternehmen schätzen das vierradgetriebene Arbeitstier. Neuerdings hat es sogar Euro-6-Motoren.

Ötigheim . "Einfach einzigartig!", kommentiert ein Teilnehmer des Unimog-Fahrtrainings leicht erhitzt nach zwei Stunden im Gelände. Dabei gehört einiges dazu, den Mann in Sachen Automobil in Verzückung zu versetzen, in dessen Fuhrpark Fahrzeuge wie der Mercedes SLR stehen. Seine Frau hatte die Idee, ihm einen Gutschein für den Unimog-Fahrkurs zu schenken, und auf dem Daimler-Trainingsgelände in Ötigheim ist dann der Funke der Begeisterung übergesprungen.

Im Alltag geht das zwischen Traktor und Lkw angesiedelte Fahrzeug natürlich in andere Hände. Gerade die hochgeländegängige Baureihen namens U4023 und U5023 fahren besondere Einsätze, sagt Michael Dietz, Vertriebs-Chef von Mercedes-Benz Special Trucks: "Beim Katastrophenschutz in Mexiko, bei der Erforschung schwer zugänglicher Gebiete zur Gewinnung von Kupfer oder Seltener Erden wie beispielsweise in China oder mitten in einem Waldbrand-Areal in Frankreich." Seit beinahe 65 Jahren gibt es den Unimog. Insgesamt wurden 350 000 Stück gebaut, in Europa sind noch 60 Prozent in Betrieb, auch wenn mancher nur noch zweimal im Jahr zum Holzschleppen in Gang gesetzt wird. Knapp 16 Jahre fährt der Erstbesitzer das Arbeitstier statistisch, weitere zehn bis 20 Jahre befindet es sich dann in zweiter und dritter Hand.

Oft nutzen ihn private Käufer für Expeditionen in entlegene Regionen oder als Freizeitmobil. Weltweit pflegen Unimog-Clubs sein Ansehen. "Auch junge Leute sind in den Clubs", erläutert Dietz, "er ist ein Symbol gegen die Schnelllebigkeit heutiger Produkte." Einen gehörigen Anteil am Geschäft macht die Produktion von Unimogs für militärische Zwecke aus.

Doch auch ein Unimog muss weiterentwickelt werden, aktuell ist die hochgeländegängige Baureihe dran. Der 5,1-Liter-Vierzylinder mit 230 PS/170 kW erfüllt die Abgasnorm Euro 6, was im Bereich dieser Spezialfahrzeuge ungewöhnlich ist. Das neue Mittelmotor-Konzept mit Abgasnachbehandlung bewirkt, dass der Dieselmotor einen Meter nach hinten rutschte und unterm Fahrerhaus sitzt. Ein zwölf Zentimeter längerer Innenraum bietet mehr Platz für die Ausrüstung.

Ein überarbeitetes Getriebe mit kürzeren Schaltzeiten - neuerdings per Lenkstockhebel an der Lenksäule zu betätigen -, eine verstärkte Heizungs- und Klimaanlage sowie eine spezielle Reifendruckregelanlage erleichtern die Arbeit am Steuer. Gebaut wird der Unimog in Wörth am Rhein . Rund 80 Prozent der Unimog-Kunden haben besondere Aufbauwünsche. Michael Dietz kommt ein überraschendes Beispiel in den Sinn: "Da haben wir für Osteuropa zwei Unimogs als mobile Kirchen ausgestattet, mit Altar, Kanzel und Sitzen."