Statt zur Bank ins soziale Netzwerk

Statt zur Bank ins soziale Netzwerk

Nutzer melden sich bei Facebook an, um Geld zu verschicken – das könnte bald Wirklichkeit werden. Denn nach Google bemüht sich offenbar auch das Netzwerk um eine europäische Banklizenz. Experten zeigen sich alarmiert.

London. Google verwaltet sein Bankgeschäft versteckt hinter dem Buckingham Palace. Zehn Minuten Fußweg vom Zuhause der Queen entfernt, residiert die Google Payment Limited in einem grauen Büroklotz ohne Türschild. Die Suchmaschine erwarb ihre Erlaubnis fürs Geldgeschäft der US-Internetzeitung Huffington Post zufolge 2007 in den Niederlanden. Noch 2011 leugnete Google den Besitz der Lizenz. Nun steht wohl auch ein weiterer Internetriese davor, ins europäische Geldgeschäft einzusteigen.

Die Financial Times erfuhr von namentlich nicht genannten Mitarbeitern der irischen Zentralbank, dass Facebook in Dublin eine Lizenz für den elektronischen Zahlungsverkehr beantragt hat. Das Netzwerk schweigt zu seinen Plänen, die Bank gibt offiziell keine Auskunft. Sollten sich der Bericht der US-Finanzzeitung bestätigen, könnten sich die rund 1,3 Milliarden Facebook-Nutzer künftig untereinander Geld schicken. "Wir haben über den Vorgang in Irland keine eigenen Erkenntnisse. Denkbar erscheint aber auch bei einer eingeschränkten Lizenz eine Erlaubnis zum Erbringen von Zahlungsdienstleistungen und die Ausgabe von elektronischem Geld", erklärt Sven Gebauer, Sprecher der deutschen Bankenaufsicht Bafin. Zu möglichen Diensten gehörten etwa Bareinzahlungen, Überweisungen, Lastschriften und Kreditvergaben.

"Wenn Facebook mit seinem riesigen Kundenstamm ins Bankgeschäft einsteigt, dann ist klar, dass das auf dem Markt einschlägt", sagt Finanzexperte Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Die klassischen Banken müssten dann Gegenangebote machen. Das Netzwerk könne Dienste mit einer irischen Lizenz in der gesamten Union anbieten - auch hierzulande.

Schutz der Zahlungsdaten

Facebooks möglicher Einstieg ins Bankgeschäft birgt deshalb einen zentralen Knackpunkt: "Das deutsche Datenschutzgesetz würde nur dann gelten, wenn die Daten in einer deutschen Bankniederlassung verarbeitet würden", teilte die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff (CDU) mit. Anderenfalls gelte irisches Recht, das als weniger streng bekannt ist. Laut der Bankenaufsicht Bafin würde Facebook mit jeglicher Banklizenz in vollem Umfang Zugriff auf die Daten der Nutzer seiner künftigen Zahlungsdienste erhalten. Selbst wenn deutsches Recht griffe, gäbe es ein Schlupfloch, um die sensiblen Finanzdaten auch für andere Geschäfte auszuwerten. "Jede Verarbeitung personenbezogener Daten unterliegt einer Zweckbindung, von der nur ausnahmsweise abgewichen werden darf", erklärte Voßhoff. Die Zweckbindung sei aber leicht mit einer Einwilligung der Nutzer zu brechen.

Handlungsbedarf, um dem Missbrauch vorzubeugen, sieht Voßhoff nicht: "Eine Bewertung ist mir erst möglich, wenn mir hierzu von Facebook die entsprechenden Pläne vorgelegt würden." Für Experte Pauli ist die Sache allerdings klar: "Hier geht's wohl nicht nur um einen eigenen Finanzdienst, sondern auch um die Frage, wann ich was wo, wie oft und warum eingekauft habe. Das Netzwerk will eine zusätzliche Datenquelle anzapfen." Es wäre bedenklich, sollte Facebook die Daten nicht löschen, sondern langfristig auswerten. "Wenn ich über Facebook Geld verschicke, dann ist die Frage, wie stark der Konzern die Finanzen von den Daten der Profile trennt. Darf er sie verknüpfen, werden wir zum gläsernen Verbraucher."

Wer die verspiegelte Fensterfront in London über den Kartendienst Streetview aus einem bestimmten Winkel betrachtet, entdeckt auf den Fotos dann doch einen Hinweis auf die Google Payment Limited. Menschen jubeln davor, halten ein Schild mit "Google bei der Arbeit". Was die Mitarbeiter dort genau mit der Banklizenz treiben, ist jedoch bis heute nicht zu erfahren. In den USA können sich Nutzer über Google bereits Geld schicken. Doch auf SZ-Anfrage zur Aktivität in Europa hieß es vom Konzern nur: "Wir haben derzeit nichts anzukündigen."

Mehr von Saarbrücker Zeitung