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Neue Bezahlmöglichkeiten
Hierzulande ist nur Bares Wahres

Damit Kunden ihre Rechnungen mit dem Smartphone kontaktlos an der Kasse begleichen können, müssen sie es nur kurz an ein Bezahlterminal, das mit einem NFC-Chip ausgestattet ist, halten. NFC steht für „Near Field Communication“ (Nahfeldkommunikation).
Damit Kunden ihre Rechnungen mit dem Smartphone kontaktlos an der Kasse begleichen können, müssen sie es nur kurz an ein Bezahlterminal, das mit einem NFC-Chip ausgestattet ist, halten. NFC steht für „Near Field Communication“ (Nahfeldkommunikation). FOTO: dpa / Michael Kappeler
Frankfurt. Die Deutschen zahlen im Geschäft am liebsten mit Scheinen und Münzen. Und wollen das in Zukunft auch weiter so tun. Neuen Möglichkeiten, etwa einer kontaktlosen Zahlung per Smartphone, stehen sie hingegen kritisch gegenüber. Von Friederike Marx und Jörn Bender (dpa)

Neue Bezahlverfahren sind im Kommen, zum Beispiel kontaktloses Bezahlen per EC-Karte an der Ladenkasse oder mit einer App auf dem Handy. Doch nicht jeder kann oder will auf diese Weise seine Einkäufe bezahlen. Nahezu alle Bundesbürger (96 Prozent) befürchten, dass sich beispielsweise ältere Menschen in einer Welt ohne Bargeld nicht mehr zurecht finden würden. Das zeigt eine Umfrage der Bundesbank mit knapp 2000 Teilnehmern. 88 Prozent der Befragten wünschten sich demnach, ihre Rechnungen auch in Zukunft wie gewohnt mit Scheinen und Münzen begleichen zu können. „Verbraucher müssen auch künftig und durchgängig die Wahl haben, ob sie mit neuen Technologien oder lieber bar zahlen wollen“, fordert Finanzexperte Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv).


Pauli warnt vor einer Entwicklung, wie es sie bereits in Schweden gibt. In der Hauptstadt Stockholm seien Schilder mit dem Hinweis „Keine Barzahlung“ in Geschäften und Restaurants inzwischen keine Seltenheit mehr. Einzelhändler und Firmen dürften dort die Annahme von Bargeld verweigern. Dieser Trend beschäftigt auch die schwedische Notenbank. „Im Grunde ist der Strukturwandel positiv, aber er muss in einem Takt gehen, der keine Probleme für gewisse gesellschaftliche Gruppen schafft oder jemanden vom Zahlungsmarkt ausschließt“, mahnt der Chef der Zentralbank, Stefan Ingves.



EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch versichert, die Europäische Zentralbank wache aufmerksam darüber, dass die Einsatzmöglichkeiten von Bargeld nicht eingeschränkt werden – etwa durch die Erhebung einer Zahlungsgebühr. „Alternative Zahlungsmethoden können Euro-Bargeld nicht ersetzen, sondern nur ergänzen“, betont Mersch.

Größeres Potenzial sieht die Bundesbank auf absehbarer Zeit vor allem beim kontaktlosen Bezahlen per EC-Karte an der Ladenkasse. Statt die Geheimnummer einzutippen oder den Beleg zu unterschreiben, wird die Karte an ein Terminal gehalten. Möglich ist das – in der Regel für kleinere Beträge bis 20 oder 25 Euro – laut Kartenbetreiber Girocard bereits bei Handelsketten wie Rewe, Penny, Toom Baumarkt, Lidl, Kaufland, Aldi Süd und Nord, Norma sowie den dm-Drogeriemärkten. Allerdings haben noch nicht alle Kreditinstitute ihre Kunden mit den neuen Karten ausgestattet. Und so ist kontaktloses Bezahlen in Deutschland mit gut einem Prozent Umsatz im Handel bislang nur eine Randerscheinung.

Aber auch in den meisten anderen EU-Staaten sieht es nicht wesentlich anders aus: Im Jahr 2016 wurde nach Erhebungen der EZB im Euroraum nur rund ein Prozent aller Zahlungen an der Ladenkasse kontaktlos beglichen. Vor allem 25- bis 39-Jährige zeigten sich dabei offen für die moderne Technik, am schwersten tat sich die Generation ab 65 Jahren. Und während die Jüngeren im Schnitt 51 Euro Bargeld bei sich tragen, sind es bei den Älteren 84 Euro.

Mit Läden ganz ohne Kasse und damit auch ohne Bargeld experimentieren der Online-Händler Amazon und der Elektronik-Händler Saturn. Amazon eröffnete im Januar in Seattle einen Supermarkt, in dem sich der Kunde beim Betreten mit einer App anmelden muss. Danach wird sein Verhalten im Laden von zahllosen Kameras und Sensoren registriert. Der Elektronik-Riese Saturn ging jüngst im österreichischen Innsbruck mit einer ersten kassenlose Filiale an den Start. Kunden können bei dem Pilotprojekt das gewünschte Produkt direkt am Regal bezahlen. Ermöglicht wird dies durch eine App, die den Preis der Waren scannt und den Bezahlvorgang über Kreditkarte oder Paypal regelt.

Doch auch in der digitalen Welt müssten Verbraucher weiterhin bar bezahlen können, ohne Datenspuren zu hinterlassen, fordert Verbraucherschützer Pauli: „Stellen Sie sich vor, ein Anbieter kann anhand der Daten erkennen, dass ein Verbraucher bereit ist, mehr Geld für bestimmte Produkte auszugeben. Preiserhöhungen für diesen Kunden könnten die Folge sein.“