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Online-Elternabend der Landesmedienanstalt Saar
Was macht mein Kind nur ständig online?

Die Video-Plattform Youtube ist bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebt.
Die Video-Plattform Youtube ist bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebt. FOTO: dpa / Tobias Hase
Saarbrücken. Dieser Frage gingen Pädagogen beim vergangenen Online-Elternabend der Landesmedienanstalt Saar nach. Von Nina Scheid

Ein Elternabend? Das war früher eine Veranstaltung, bei der sich drei Dutzend Erwachsene in einem dafür viel zu engen Klassenzimmer auf viel zu kleinen und viel zu harten Stühlen pädagogische Erlebnisberichte aus dem Schulalltag anhören konnten. Heute bestimmt zunehmend das Internet den schulischen Alltag, und auch der Elternabend ist in die virtuelle Sphäre umgezogen.


Dieser neuen Technik bedient sich seit vergangenem Jahr auch die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) bei ihren Online-Elternabenden. Deren Teilnehmer sitzen zu Hause und nehmen, zugeschaltet über Smartphone, Notebook oder Tablet-Computer, am digitalen Gedankenaustausch teil. Bei der jüngsten Online-Veranstaltung dieser Art ging es um eine Frage, die viele Eltern bewegt: „Was treibt mein Kind im Internet?“

Der erste Online-Elternabend dieses Jahres, an dem die Teilnehmer per Internet dabei sein konnten, beschäftigte sich mit dem Thema YouTube. In einer einstündigen Videokonferenz erklärten die Referenten Uwe Conradt, Direktor der LMS, und Karin Bickelmann, Leiterin des MedienKompetenzZentrums, unter anderem, welche Videos bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebt sind.



Laut einer Befragung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) schauen sich die meisten Nutzer auf der Plattform Musikclips an, gefolgt von sogenannten Let’s-Play-Filmen, die Computer- oder Konsolenspiele zeigen, und Comedy-Videos. Auch die Themen Schönheit und Mode sind beliebt. Die Ergebnisse spiegeln sich auch in der Rangliste der beliebtesten deutschen Youtuber wider: Auf Platz eins liegen derzeit die Fußballvideos von „freekickerz“ mit über sechs Millionen Abonnenten, dicht gefolgt vom Wissenschaftskanal „Kurzgesagt – In a nutshell“ (5,7 Millionen), der Beauty- und Lifestyle-Bloggerin „BibisBeautyPalace“ (4,8 Millionen), dem Spiele-Youtuber „Gronkh“ (4,7 Millionen) und dem Musiklabel Kontor Records (4,6 Millionen).

Laut den Medienexperten gibt es kaum einen Jugendlichen, der sich noch kein Youtube-Video angeschaut hat. Problematisch könne die Videoplattform jedoch vor allem deshalb werden, da zum Teil jugendgefährdende Inhalte uneingeschränkt zugänglich sind. Deshalb, so Karin Bickelmann, sollten Eltern immer dabei sein, wenn sich der Nachwuchs auf der Webseite Filme anschaut. Auch mit Werbung werden die Zuschauer auf Youtube ständig konfrontiert. Die gibt es nicht nur am Rand der Internetseite, häufig werden auch Anzeigen in den Videos eingeblendet oder diese sogar für mehrere Sekunden oder Minuten unterbrochen, um Produkte anzupreisen.

Während diese Art der Werbung auch für Kinder meist klar zu erkennen sei, gibt es seit einiger Zeit immer mehr Schleichwerbung. Youtuber präsentieren Produkte oder Dienstleistungen, um ihre Zuschauer zum Kauf zu verleiten. Als Gegenleistung erhalten sie von den jeweiligen Firmen Geld oder Geschenke. Die Produkte werden meist so in die Videos integriert, dass sie nicht wie klassische Werbung wirken. Um das zu verdeutlichen, zeigten die Referenten ein Beispielvideo, indem Bianca Heinicke alias „BibisBeautyPalace“ verschiedene Donut-Sorten probiert und kommentiert. Eine Tüte mit dem Logo einer bekannten US-amerikanischen Donut-Kette wurde dabei wie zufällig im Vordergrund platziert.

Wichtig ist laut den Medienexperten deshalb, mit den Kindern zu besprechen, dass viele Youtuber für ihre Videos bezahlt werden und dort nicht zwangsläufig ihre persönliche Meinung zu den Produkten mitteilten.

Seit zwei Jahren gibt es außerdem die App „Youtube Kids“, die sich speziell an jüngere Kinder richtet. Dort sollen nur dem Alter entsprechende Inhalte sowie weniger Werbung zu sehen sein. Außerdem können Eltern ein tägliches Zeitlimit sowie ein Passwort einstellen. Allerdings, so Bickelmann, ersetze das nicht die elterliche Begleitung und die verfügbaren Filme werden ab einem gewissen Alter schnell uninteressant.

Die Chat-Funktion wurde bei diesem ersten Online-Elternabend des Jahres unter den Teilnehmern rege genutzt. Ein Nutzer schlug beispielsweise vor, Werbeblocker zu verwenden. Die Moderatorin erklärte, dass diese zwar hilfreich seien, um klassische Anzeigen auszublenden. Gegen unterschwellige Reklame wie die im Donut-Video von BibisBeautyPalace helfe die Software hingegen nicht.

Deshalb, so der Rat der Medienexperten, sollten Eltern solche kritischen Aspekte der Video-Plattform mit ihren Kindern diskutieren, gemeinsam über die Beweggründe der Youtuber sprechen, den Interessen des Nachwuchses Gehör schenken, so oft wie möglich mitschauen und vor allem jüngere Kinder nicht alleine im Internet surfen lassen. Ein Teilnehmer merkte in diesem Zusammenhang an: „Man lässt sein Kind ja auch nicht alleine schwimmen, wenn es das noch nicht kann. Genauso wenig sollte man es alleine ins Internet lassen.“

Und so funktioniert die Teilnahme am Online-Elternabend:

Das MedienKompetenzZentrum der Landesmedienanstalt Saar bietet regelmäßig Infoveranstaltungen, Fortbildungen und Seminare rund um digitale Themen an. Einige dieser Vorträge und Workshops finden in der Landesmedienanstalt in Saarbrücken statt, bei anderen, wie auch dem Online-Elternabend, werden die Teilnehmer per Live-Stream zugeschaltet. Sie können also zu Hause vor dem Computer sitzen und den Referenten zuhören. Die Software, die dazu genutzt wird, heißt TeamViewer und kommt etwa bei Videokonferenzen zum Einsatz.

Teilnehmer, die sich für den Online-Elternabend angemeldet haben, bekommen einen Tag vor dem Termin eine E-Mail mit einem Link zur Veranstaltung. Auf dieser Seite müssen sie eine Datei herunterladen und öffnen, die sie dann direkt zum Live-Stream weiterleitet. Am vereinbarten Tag und zur vereinbarten Uhrzeit wird die Live-Übertragung dort freigeschaltet. Auf den Bildschirmen der Nutzer werden dann verschiedene Fenster angezeigt. So können sie gleichzeitig die Referenten als auch zusätzliches Material, zum Beispiel eine Powerpoint-Präsentation, sehen. Die Teilnehmer selbst bleiben hingegen unsichtbar. Lediglich ihre Namen werden angezeigt, sodass alle sehen können, wer gerade zuschaut.

Wer während der rund einstündigen Veranstaltung Fragen oder Anregungen zum Thema hat, kann diese in den Chat schreiben und so direkt an die Referenten weiterleiten, die im weiteren Verlauf der Sitzung Stellung dazu nehmen können. Das Angebot soll dadurch nicht nur einseitig bleiben, sondern den Teilnehmern ermöglichen, auch individuelle Probleme und Fragen anzusprechen.