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Verbraucherschützer warnen vor dubiosen Angeboten
Undurchsichtige Pillen aus dem Netz

Magnesiumtabletten, Zinkpräparate, Kieselerde: Nahrungsergänzungsmittel gibt es viele. Wer sie im Internet bestellt, erhält möglicherweise ungewollt noch illegale Wirkstoffe hinzu.
Magnesiumtabletten, Zinkpräparate, Kieselerde: Nahrungsergänzungsmittel gibt es viele. Wer sie im Internet bestellt, erhält möglicherweise ungewollt noch illegale Wirkstoffe hinzu. FOTO: picture alliance / dpa / Matthias Hiekel
Saarbrücken. Der Online-Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln ist riskant. Worauf Verbraucher bei der Bestellung achten müssen. Von Julius Rübe

Jeder dritte Deutsche nimmt laut einer Forsa-Umfrage Nahrungsergänzungsmittel ein. Wie wirksam die Pillen und Pülverchen sind, ist jedoch umstritten. Wer die Mittel im Internet bestellt, geht sogar das Risiko ein, dass sie verbotene Wirkstoffe enthalten, die die Gesundheit schädigen können.


Bei einer aktuellen Stichprobe zum Internet-Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln fanden Mitarbeiter des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) unter anderem Produkte, die die Substanz Sibutramin enthielten. Sibutramin sei früher als Appetitzügler zur Reduktion von starkem Übergewicht verwendet worden, seit 2010 aufgrund seiner massiven Nebenwirkungen als Arzneimittelwirkstoff in der Europäischen Union aber verboten. Bei mehreren Online-Angeboten sind die Verbraucherschützer zudem auf angeblich natürliche Nahrungsergänzungsmittel gestoßen, die den nicht deklarierten gefäßerweiternden Wirkstoff Sildenafil enthielten.

Das Bundesamt weist darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel aus dem Ausland in Deutschland unter Umständen als Arzneimittel eingestuft werden können. Ein Import wäre dann verboten und dem Besteller könnte in solchen Fällen sogar eine Anzeige drohen. Verschärft werde die Gefahr noch dadurch, dass die Endung „.de“ in der Internetadresse nicht automatisch auf einen deutschen Anbieter schließen lasse.



Wie können Kunden dubiose Angebote aber entlarven? Das BVL rät Verbrauchern, beim Kauf im Internet die Webseiten genau zu prüfen und auf Ungereimtheiten zu achten, etwa auf unvollständige Angaben im Impressum oder auf zweifelhafte AGB. Orientierung böten zudem Gütesiegel wie „EHI Geprüfter Online-Shop“, „Trusted Shops“ und „TÜV Süd s@fer shopping“, für die sich der Online-Händler bei der zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörde registrieren lassen muss. Vorsicht sei geboten bei schnellen und unrealistischen Erfolgsversprechen. Empfehlungen und Erfahrungsberichte in Diskussionsforen und Chatrooms könnten getarnte Werbung sein. Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät zum Misstrauen gegenüber Werbeversprechen. Auf der Verpackung oder in der Beschreibung abgedruckte Sätze wie „Stärkt die Abwehrkräfte“ oder „Fördert die Leistungsfähigkeit“ seien oft unzuverlässig. Im Internet werde gelegentlich auch schlichtweg gelogen, so die Verbraucherzentrale. Eine Studie zeige, dass der Anteil an eindeutig nicht zulässigen Werbeversprechen im Internet bei 73 Prozent liege, während es im stationären Handel nur zwei Prozent seien.

Auch finanziell lohne sich der Kauf im Internet für den Kunden oft nicht, so die Verbraucherzentrale. Ihre Studie habe ergeben, dass bei Nahrungsergänzungsmitteln, die zur Arthrose-Vorbeugen dienen sollen, die Preise im stationären Handel deutlich niedriger ausfallen als im Internet. So bezahlten Verbraucher für die Produkte in der Apotheke oder beim Discounter im Durchschnitt 0,39 Euro pro Tag oder 142 Euro pro Jahr für die empfohlene Dosis. Im Internet lägen die durchschnittlichen Ausgaben hingegen bei 0,58 Euro pro Tag oder 211 Euro im Jahr.

Auf dem Online-Portal www.klartext-nahrungsergaenzung.de vom Verbraucherzentrale Bundesverband können Nutzer sich über Nahrungsergänzungsmittel informieren. Die Webseite erklärt beispielsweise, für welche Zwecke verschiedene Nahrungsergänzungsmittel gedacht sind. Sie hinterfragt auch kritisch deren Wirkung und Notwendigkeit.

Die Online-Plattform klärt auch über gesundheitliche Risiken auf – etwa dass manche der Mittel die Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen können. Das Portal bietet Nutzern zudem die Möglichkeit, Fragen an die Verbraucherschützer zu stellen oder Beschwerden über bestimmte Produkte einzureichen.