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BWL-Professoren fordern Erhalt des Bachelorstudiengangs der Uni

Saarbrücken. Drei BWL-Professoren der Saar-Uni erteilen dem Konzept einer Business School in einem Konzeptpapier eine klare Absage. Stattdessen schlagen sie eine BWL-Reform vor. Auf vier von 16 Lehrstühlen an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät könne dafür verzichtet werden. Florian Mayer

Eine Reform der Wirtschaftswissenschaften der Universität des Saarlandes statt der vom Wissenschaftsrat empfohlenen Business School - das schlagen die BWL-Professoren der Saar-Universität, Andrea Gröppel-Klein, Christian Scholz und Joachim Zentes in einem fünfseitigen Konzeptpapier mit dem Titel "Aufbruch statt Abbruch" vor. Ihr Konzept sieht vor, zwölf BWL-Professuren an der Saar-Uni zu erhalten, vier VWL-Professuren aufzugeben und stattdessen mit anderen Unis zu kooperieren. Das spare der Universität Kosten, erklärt Joachim Zentes. Es sei nachvollziehbar, dass das Land sparen müsse und die Wirtschaftswissenschaften dazu ihren Beitrag leisten, schreiben die drei Professoren in ihrem Papier. Aber eine "völlig unbegründete Einsparung nahezu in nur einem Bereich" sei nicht zu akzeptieren. Die Betriebswirtschaftslehre an der Saar-Universität zeige im bundesweiten Vergleich überdurchschnittliche Leistungen, heißt es weiter. Völlig unverständlich sei, warum die Betriebswirtschaftslehre als ein Bereich, "der nachweisbar seit über zehn Jahren - anders als viele andere - sparsam agiert hat", nun geopfert werden solle.

Auch die Idee der sogenannten Business School, die die Bachelor-Studiengänge der Wirtschaftswissenschaften der Universität des Saarlandes und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) vereinen soll, wird von den BWL-Professoren klar abgelehnt. Eine Business School im Sinne einer Gesamthochschule, die Universität und Fachhochschule kombiniert, sei problematisch für die HTW, sagt Zentes. "Beide haben ein klares Profil und eine Existenzberechtigung", erklärt er. Werden sie aber zusammengeführt, ergebe sich daraus eine BWL-Ausbildung mit stärkerem Fokus auf die Forschung statt auf die Praxis. "In diesem Konzept findet sich die Fachhochschule nicht wieder", erläutert der BWL-Professor. Eine Zusammenarbeit mit der HTW sei aber laut dem Konzeptpapier im Bereich der Weiterbildung vorstellbar.

Statt der Business School sieht das Papier eine universitäre Betriebswirtschaftslehre vor, "die in klarer Abgrenzung zu den Lerninhalten der Fachhochschule arbeitet und die auf der Strahlkraft von drei BWL-Bereichen aufbaut". Dazu sollen drei spezialisierte BWL-Master angeboten werden: Verhaltensorientiertes Management und Marketing, Rechnungswesen, Steuern und Recht als Weiterentwicklung des bisherigen Studiengangs Wirtschaft und Recht und ein modifizierter Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik. Um die Studenten auf diese drei Masterstudiengänge vorzubereiten, sollen sie nach den Vorstellungen der Professoren innerhalb eines "explizit universitären Bachelorstudiengangs eine für alle gleiche Grundlagenausbildung erfahren". Außerdem sei auch für besonders leistungsfähige Studenten eine "erhebliche Reduktion" der Studienzeiten im Master denkbar. "Wer den Bachelor besonders gut und schnell durchläuft, könnte dann schon vor dem eigentlichen Master erste Master-Veranstaltungen besuchen und so ein Semester sparen", so Zentes.

"Das Konzept ist sofort realisierbar" steht auf der letzten Seite des Papiers. Die drei Masterstudiengänge sowie der einheitliche Bachelor-Studiengang könnten zum Wintersemester 2015/16 vollständig eingeführt werden. "Durch diese sofortige Programmstraffung gewinnen wir nicht nur Profil, wir sparen auch Kosten ein", heißt es weiter. Konkrete Zahlen nennt das Konzept nicht: "Ein inhaltsloses Nummernspiel lehnen wir im Interesse aller Beteiligten ab."