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Volleyballer des TV Bliesen wagen das Abenteuer 2. Bundesliga

Volleyball : TV Bliesen wagt das Abenteuer 2. Liga

Der Spitzenreiter der 3. Volleyball-Liga Süd nimmt sein Aufstiegsrecht wahr. Der neue Trainer steht schon fest.

Die Volleyballer des TV Bliesen wollen in die 2. Bundesliga Süd aufsteigen. Das gab der Verein am Freitag gegenüber der SZ bekannt. Der Club wird den dafür nötigen Lizenzantrag bei der Volleyball-Bundesliga (VBL) stellen. Dieser muss bis zum 15. Mai beim Verband vorliegen. „Wir haben diese Woche im Vorstand einstimmig die Entscheidung getroffen, den Antrag zu stellen“, berichtet der Teammanager des TV, Matthias Pons.

Dass der TV die Lizenz bekommt, daran hat der 34-Jährige keine Zweifel. „Das ist wohl nur eine Formsache.“ Die VBL wird voraussichtlich im Juni über die Anträge entscheiden. Sollte diese Entscheidung im Fall von Bliesen positiv ausfallen, würde erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder ein Volleyball-Herren-Team in der 2. Liga spielen. Letzter Saar-Vertreter in dieser Spielklasse war der TV Klarenthal in der Saison 1997/1998.

Als Klarenthal Zweitligist war, spielte der TV Bliesen noch in der Bezirksliga, ehe in den vergangenen beiden Jahrzehnten ein kontinuierlicher Aufstieg erfolgte. Von Beginn an mit dabei war der aktuelle sportliche Leiter Gerd Rauch. Dieser freut sich sehr, dass der TV den Lizenzantrag stellen kann. „Damit haben wir die nächste Stufe einer Entwicklung genommen, von der wir am Anfang nie gedacht haben, dass wir sie nehmen können“, sagt der 53-Jährige.

Normalerweise müssen Bewerber den Nachweis einer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erbringen. Dieses Verfahren wurde von der VBL aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt. „Ich bin mir aber absolut sicher, dass wir auch die wirtschaftliche Lizenzierung bekommen hätten“, sagt Pons. Intern hat sich der TV natürlich damit beschäftigt, ob er sich die 2. Liga leisten kann. Pons: „Das Geld muss ja da sein. Die Unterlagen haben wir fertig, wir müssen sie nur nicht mehr einreichen.“

Nachdem der TV am 29. Februar die Meisterschaft in der 3. Liga Süd eingetütet hatte, gingen die wirtschaftlichen Planungen in die heiße Phase. Einen finanziellen Mehrbedarf von 60 000 Euro hatten die Verantwortlichen für die höhere Liga errechnet. Dieser sollte durch Sponsoren gedeckt werden. Dann kam die Corona-Krise – und plötzlich war alles anders. Zunächst wurde die Saison der 3. Liga Süd abgebrochen, und es war unklar, ob es Aufsteiger gibt. Einige Wochen danach beschloss die VBL, dass die „Regelaufsteiger“, zu denen Bliesen als Erster zum Zeitpunkt des Abbruchs gehörte, eine Etage höher dürfen. Meister darf sich der TV allerdings offiziell nicht nennen.

Nun begann die wirtschaftliche Hängepartie. „Von den 60 000 Euro hatten wir noch rund 20 000 Euro aufzutreiben“, berichtet Pons. Dann begannen erste Sponsoren wegzubrechen, und es wurde eng. „Wir mussten jeden Punkt noch mal auf den Prüfstand stellen“, schildert Rauch. Dass es jetzt finanziell doch reicht, lag an mehreren Faktoren: Zum einen spart der Verein Geld, weil der europäische Volleyballverband (CEV) auf 50 Prozent seiner Lizenz-Gebühren für ausländische Spieler verzichtet. Letzte Saison hatte der TV sechs ausländische Spieler.

Zum anderen gab es für den Verein durch den Gewinn der Hermann-Neuberger-Plakette noch 5000 Euro, die ursprünglich nicht eingeplant waren. Zusätzliche Einnahmen brachte auch der Verkauf von Dauerkarten im Rahmen einer Fan-Aktion. Zudem konnten weitere Sponsoren generiert werden – woran Rauch großen Anteil hatte. „Gerd hat tausende von Gesprächen geführt und jede Menge Energie aufgewendet“, lobt Pons.

Die 2. Liga soll Mitte September starten. Welche Akteure dort spielen, soll jetzt geklärt werden. Beabsichtigt ist, dass ein Großteil des Aufstiegskaders bleibt. Nächste Woche will Bliesen den neuen Trainer bekannt geben. Er steht bereits fest, vor Bekanntgabe müssen aber noch letzte Details geklärt werden. Der bisherige Übungsleiter Philipp Sigmund steht aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung.