Robben will verlängern und unterstellt Reus Angst

Robben will verlängern und unterstellt Reus Angst

Doha. Er reklamiert, lamentiert, diskutiert: Fast immer, wenn es auf dem Platz im Trainingslager von Fußball-Bundesligist Bayern München in Doha laut wird, ist Arjen Robben mittendrin statt nur dabei. Die Angriffslust ist zurück beim so lange verletzten Star der Münchner - auf und neben dem Platz

Doha. Er reklamiert, lamentiert, diskutiert: Fast immer, wenn es auf dem Platz im Trainingslager von Fußball-Bundesligist Bayern München in Doha laut wird, ist Arjen Robben mittendrin statt nur dabei. Die Angriffslust ist zurück beim so lange verletzten Star der Münchner - auf und neben dem Platz. Beim Gespräch lehnt er sich auf der bequemen Couch nur selten zurück, sein Oberkörper ist meist nach vorne geneigt wie eine abschussbereite Rakete. Er hat viel vor - und was zu sagen. Auch zu seiner vertraglichen Situation."Der Verein weiß, wie ich darüber denke. Ich fühle mich wohl hier und ich sehe im Moment keinen Grund wegzugehen", sagt Robben. So deutlich hatte er sich zu seiner Zukunft noch nicht geäußert, seit über eine Verlängerung seines bis 2013 datierten Kontrakts spekuliert wird. Jetzt könnte es ganz schnell gehen. "Ich glaube, das wird in der nächsten Zeit wahrscheinlich kommen, ist es nicht Januar, ist es Februar oder März. Aber bald glaube ich schon", sagt er.

Mancher sah den 27-Jährigen nach zwei schwereren Verletzungen schon auf dem absteigenden Ast, zumal sich die Bayern öffentlich an einer Verpflichtung von Marco Reus von Borussia Mönchengladbach interessiert zeigten. Reus? Robben lächelt. "Vielleicht ist er deshalb auch zu Borussia Dortmund gegangen, weil er Angst hatte, dass er bei Bayern München nicht spielen würde, weil wir schon zwei gute Flügel haben", sagt er. An Selbstvertrauen mangelt es ihm nicht.

Das wird auch in Doha deutlich. Robben fordert Bälle, staucht Mitspieler zusammen, feuert an. Er hat sie wieder, diese Lust am Spiel. Kein Zufall, dass ausgerechnet er das erste Bayern-Tor 2012 geschossen hat. Am Donnerstag war das, im Testspiel gegen den katarischen Club SC Sailiya, in der 36. Minute. "Ich habe den Bann gebrochen", witzelt er. Nach Robbens Tor erzielen die Münchner noch zwölf weitere.

Robben wünscht sich für 2012 nichts sehnlicher als "fit zu bleiben - aber ich weiß nicht, ob das so einfach ist für mich". Was hilft? "Vielleicht beten?", sagt er mit einem Lächeln, das jetzt etwas gequält wirkt. Möglich, dass er wieder an die Verletzungspause denkt, diese "Scheißzeit", wie er sie nennt. Wie sehr ihn die Ungewissheit quälte, ob und wie stark seine weichen Leisten je wieder belastbar sein würden, wurde am 15. Spieltag deutlich. Nach den zwei Elfmetertoren beim 4:1 gegen Werder Bremen kämpfte er für einen kurzen, intimen Moment mit den Tränen. "Da kamen die Emotionen ein bisschen raus", sagt er. Im selben Spiel entfachte er eine Egoismus-Debatte, als er Mario Gomez vor dem zweiten Strafstoß den Ball nicht geben wollte. "Ich bin ein Super-Egoist, ich denke nur an mich selbst, nur Arjen Robben ist wichtig, Bayern nicht", sagt Robben, seine Gesichtszüge verfinstern sich für einen Augenblick. "Nein, das ist doch Wahnsinn!", fügt er mit wegwerfender Handbewegung an. "Lächerlich", findet er diese Diskussion. Viel lieber will er mit seiner Art zu spielen glänzen, mit der er das deutsche Publikum in seiner ersten Saison im Sturm erobert hatte - nicht nur die Bayern-Fans. sid

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