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100 Tage vor der Handball-WM
Der Traum vom neuen Wintermärchen

Die Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark rückt immer näher, und die Vorfreude ist riesig. Dennoch steht Bundestrainer Christian Prokop (mit verschränkten Armen) bei der Heim-WM unter Druck.
Die Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark rückt immer näher, und die Vorfreude ist riesig. Dennoch steht Bundestrainer Christian Prokop (mit verschränkten Armen) bei der Heim-WM unter Druck. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Hamburg. In 100 Tagen findet die Handball-WM in Deutschland und Dänemark statt. Einige Fragen sind allerdings noch offen. Von Christoph Stukenbrock, sid

Der TV-Vertrag steht unmittelbar vor dem Abschluss, die Tickets finden reißenden Absatz, und die Spieler können es kaum erwarten: 100 Tage vor der Heim-WM träumt der deutsche Handball von einem neuen Wintermärchen. Die Vorbereitungen hinter den Kulissen laufen auf Hochtouren, die Nationalmannschaft schiebt Extraschichten.


„Wir können das Turnier kaum noch erwarten. Es kribbelt, wenn wir an die Spiele im Januar denken“, sagt Fabian Wiede. Der Linkshänder steht schweißgebadet im Sportforum Hohenschönhausen, die Trainingseinheit mit Bundestrainer Christian Prokop ist gerade vorbei. „Wir haben alle dieses eine große Ziel, dafür geben wir Vollgas“, sagt Rückraumspieler Wiede, einer der großen Hoffnungsträger für das Turnier zwölf Jahre nach dem WM-Titel 2007.

In der Vorbereitung auf den Saison-Höhepunkt geht Coach Prokop neue Wege – und hat seine Nationalspieler aus Leipzig, Magdeburg und Berlin am Montag zu einem „Stützpunkttraining Ost“ versammelt. Ähnliche Trainingstage inklusive Videoschulung wurden auch schon im Norden und Süden der Republik abgehalten. „Die Stimmung ist sehr gut. Das zusätzliche Training bringt Spaß und schweißt uns noch mehr zusammen“, sagt Wiede, der nun mit Spannung nach Köln blickt, wo an diesem Dienstag die WM-Trikots präsentiert werden.



DHB-Vizepräsident Bob Hanning beobachtet das muntere Treiben im schicken Trainingszentrum der Füchse Berlin mit Wohlwollen. „Ich verspüre eine große Vorfreude, weil ich sehe, dass sehr motiviert und akribisch gearbeitet wird“, sagte Hanning dem sid: „Ich bin guter Dinge, dass wir im Januar einen anderen Auftritt hinlegen werden, als bei den letzten beiden großen Turnieren.“

Nach zwei enttäuschenden neunten Plätzen bei WM und EM gilt das Halbfinale als Minimalziel. Erster Gegner der DHB-Auswahl in der anspruchsvollen Vorrundengruppe A mit Rekordweltmeister Frankreich ist am 10. Januar Südkorea. Die Halbfinals finden am 25. Januar in Hamburg statt, die Medaillenspiele zwei Tage später beim dänischen Co-Gastgeber des Turniers in Herning.

Auch abseits des Sportlichen haben die Verbandsoberen zurzeit keinen Grund zum Klagen. Von den insgesamt 500 000 Eintrittskarten sind inzwischen mehr als 300 000 verkauft. „Wir spüren aber auch, dass Sportdeutschland über die Handballszene hinaus langsam aufmerksam wird auf die Weltmeisterschaft“, sagt DHB-Vorstandschef Mark Schober.

An den deutschen Spielorten plant der Verband, wie er am Montag mitteilte, die Errichtung von Fan-Zonen rund um die Arenen in Berlin, München und Köln. Schober bezeichnet diese als „richtige Handballwelten, um viel mehr als die reinen Spiele zu bieten“. Und auch an der TV-Front, dem großen Ärgernis der vergangenen Jahre, deutet alles auf eine baldige große Lösung hin. Nach dem erfolgreichen Vertragsabschluss des Weltverbandes IHF mit der Vermarktungsagentur Lagardere Sports in der vergangenen Woche ist ein drohender TV-Blackout endgültig vom Tisch. DHB-Präsident Andreas Michelmann versicherte jüngst, dass er darauf vertraue, „dass wir in Kürze wissen, wer in Deutschland die Spiele der Handball-Weltmeisterschaft überträgt.“ Vieles spricht zurzeit für einen „reichweitenstarken Sender“ wie ARD oder ZDF, sagte er.