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Demut als Erfolgsrezept

Darmstadt. Der Aufsteiger SV Darmstadt 98 ist die Überraschungsmannschaft der Fußball-Bundesliga. Vier Spiele, ein Sieg, drei Unentschieden. Morgen wollen die Lilien auch die großen Bayern ärgern. Sid-Mitarbeiteralexander Sarter

Dirk Schuster machte zwar einen auf Fan, die "Kampfzone" am Böllenfalltor soll dem Rekordmeister aber dennoch weh tun. "Sie sind wohl die beste Mannschaft der Welt. Was ich von ihnen gesehen habe, hat mich begeistert", sagte der Trainer von Aufsteiger Darmstadt 98 vor dem Duell der Gegensätze morgen mit den Bayern aus München (15.30 Uhr): "Der Respekt ist also riesig, aber wir gehen nicht mit Angst ins Spiel."

Kampfzone wird eingerichtet



Der Trainer der unbesiegten Überraschungsmannschaft bastelt noch an den Details, mit welcher Strategie die Bayern am fünften Spieltag der Fußball-Bundesliga in Bedrängnis gebracht werden sollen. "Wo wir die Kampfzone auf dem Platz einrichten werden, ist noch nicht entschieden", sagte Schuster, der seine Mannschaft nicht allzu defensiv einstellen will: "Sonst muss man irgendwann den Ball aus dem Netz holen - und nicht nur einmal."

Nach Ansicht Schusters haben die Lilien eigentlich keine Chance. Zu deutlich ist der Unterschied zwischen David (Kaderwert 19,1 Millionen Euro) und Goliath (559,25 Millionen). Während der Aufsteiger im Kollektiv zusammenstehen muss und vorne auf Glücksmomente von Marcel Heller oder Dominik Stroh-Engel wartet, kann der FC Bayern mit seinen Weltstars rotieren. "Es wäre das Normalste auf der Welt, wenn die Bayern mit drei Punkten im Gepäck nach Hause reisen würden", erklärte Schuster: "Aber wir sind uns unserer Stärken bewusst und hoffen, dass unser Mannschaftsgeist gegen die Bayern greift."

Die Darmstädter vermeiden zwar die großen Kampfansagen, sind aber heiß auf die Stars von der Isar. "Ich freue mich darauf, die Bayern zu ärgern", sagte Angreifer Marco Sailer, der Mann mit dem Rauschenbart - wohl wissend, dass selbst ein Remis eine Sensation wäre, über die man nicht nur in Darmstadt wochenlang sprechen würde. Mit dieser Einstellung gehen auch Jan Rosenthal und Kapitän Aytac Sulu, der am vergangenen Samstag das Siegtor im Spiel gegen Bayer Leverkusen (1:0) erzielte und damit für den ersten Bundesliga-Sieg seit 33 Jahren sorgte, in die Partie. "Wir nehmen es, als wäre es ein Bonusspiel", sagte Sulu. Rosenthal verspricht: "Wir sind topfit und werden bis zur 90. Minute Gas geben."

Mannschaft der Gescheiterten

Die Darmstädter setzen in ihrem Kollektiv vor allem auch auf "Gescheiterte" - Spieler, die sich bei anderen Clubs nicht durchsetzen konnten und nun in Darmstadt eine zweite Chance erhalten haben. Dazu gehört Sulu. Bei 1899 Hoffenheim wurde der Deutsch-Türke einst ausgemustert, nun ist er in Darmstadt der Chef auf dem Platz. "Man hat hier die Chance bekommen, sich noch mal zu beweisen, und man hat das Vertrauen erhalten, was man vielleicht woanders nicht hatte", antwortete der 29-Jährige auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis des Clubs. Von einem Fußball-Wunder bei den Lilien , die 2013 nur knapp dem Abstieg in die Regionalliga entronnen waren und im vergangenen Sommer ihre Bundesliga-Rückkehr nach 33-jähriger Abstinenz gefeiert hatten, will er aber nichts wissen: "Was passiert, ist der Lohn für unsere Arbeit und unsere Demut."