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Fußball-Bundesliga
Ausverkauf bereitet noch keine Sorgen

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann (Zweiter von links) gibt vor dem Rückrundenauftakt Anweisungen an seine Spieler.
Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann (Zweiter von links) gibt vor dem Rückrundenauftakt Anweisungen an seine Spieler. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Sinsheim. Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim muss immer wieder Topspieler abgeben, will aber trotzdem in den Europacup.

Der beste Stürmer geht im Sommer, der zweitbeste ist schon bei den Bayern. Die Top-Talente sind umworben, der Trainer wird jede Woche mit einem anderen Club in Verbindung gebracht. Doch (noch) sorgt der Umbruch beim Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim nicht für schlaflose Nächte.


„Wir werden immer auf Transfer-Erlöse angewiesen sein. Dazu gehört dann zwangsläufig, dass gute Spieler den Verein auch wieder verlassen“, sagte Mehrheitseigner Dietmar Hopp: „Das ist unser Konzept. Im Schnitt brauchen wir pro Jahr fünf bis zehn Millionen Euro Transferüberschüsse. Dann sind wir meiner Meinung nach gesund.“

Der 13-Millionen-Transfer von Nationalspieler Sandro Wagner (vier Saisontore) in der Winterpause zum Rekordmeister verschafft den Kraichgauern dazu schon ein gutes Polster – das allerdings wieder schrumpfen dürfte. Denn für Mark Uth (neun Treffer), der zur kommenden Saison ablösefrei zum FC Schalke 04 wechselt, wird Hoffenheim ebenso Ersatz benötigen wie für Serge Gnabry, der nur aus München ausgeliehen ist und sehr wahrscheinlich zurückgehen wird.

„Es ist immer die Frage: Lohnt es sich, den Spieler zu behalten, auch wenn er vielleicht am Ende ohne Ablöse geht?“, sagte Hopp: „Bei Mark Uth zum Beispiel ist es definitiv so. Da reicht ein Blick auf seine Torquote.“ In der vergangenen Saison war es Nationalspieler Sebastian Rudy, der nach einer ganz starken Spielzeit ablösefrei zum FC Bayern ging.

„Wir müssen es kompensieren mit unserem Konzept, viele eigene Nachwuchsspieler einzubinden und aufzubauen“, sagte Hopp und erinnerte an Toptalent Dennis Geiger (gebunden bis 2022): „Diese Jungs müssen weiter geliefert werden, das ist unsere wichtigste Quelle. Aber keine Sorge: Wir haben durchaus auch die Möglichkeit, sehr gute Spieler einzukaufen.“



Möglich machen das die millionenschweren Verkäufe der vergangenen Jahre – unter anderem von Roberto Firmino (an den FC Liverpool), Niklas Süle (an den FC Bayern) und Kevin Volland (an Bayer Leverkusen). Hopp betonte, „seit dem Jahr 2012 kein zusätzliches Geld“ mehr in den Club gepumpt zu haben: „Alle, die in der Kurve schreien und meinen, dass ich mein Füllhorn über Hoffenheim ausschütte, die täuschen sich.“

Empfindlicher treffen wird die Kraichgauer, die auch in der Rückrunde um die Europapokal-Plätze spielen wollen, der bevorstehende Abgang von Trainer Julian Nagelsmann (Ausstiegsklausel ab 2019), der sowohl in München als auch bei Borussia Dortmund ein Kandidat sein soll. „Ich erwarte, dass Julian bis 30. Juni 2019 bei uns ist, am liebsten länger. Aber da mache ich mir jetzt keine Illusionen“, sagte Hopp: „Wenn er weiterhin so erfolgreich ist, dann wird das nicht möglich sein. Aber bis dahin ist er in Hoffenheim.“

Einen Nachfolger hat der Milliardär aber offenbar schon im Blick: David Wagner. „Es ist überragend, was er mit Huddersfield in England geschafft hat“, sagte Hopp über den Trainer des Premier-League-Aufsteigers, der sich im Konzert der Großen trotz eines geringen Budgets herausragend schlägt (elfter Platz). „Ich hätte durchaus eine gewisse Sympathie für eine solche Lösung“, sagte Hopp: „Aber wenn überhaupt, dann erst vom 1. Juli 2019 an. Das ist gar nicht mehr so lange, aber bis dahin haben wir in der jetzigen Konstellation noch viel vor.“