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DFB-Pokal
Amateure hoffen im Pokal auf Festtage

Das Stadion des Regionalligisten SV Drochtersen/Assel wurde für das Pokalspiel gegen die Bayern mit Zusatztribünen aufgestockt.
Das Stadion des Regionalligisten SV Drochtersen/Assel wurde für das Pokalspiel gegen die Bayern mit Zusatztribünen aufgestockt. FOTO: dpa / Carmen Jaspersen
Drochtersen. Reizvolle Duelle in der ersten Runde des DFB-Pokals. Viele „Kleine“ wollen gegen die Bundesliga-Stars eine Sensation schaffen.

Spartanische Holzbänke, Duschen mit 80er-Jahre-Charme und der Mief einer viel genutzten Amateurumkleide: Von ihrem gewohnten Komfort müssen sich die Stars von Rekordpokalsieger Bayern München vor dem Auftritt bei Fußball-Zwerg SV Drochtersen/Assel verabschieden. Der Ausflug in die Provinz dürfte sich für die hochbezahlten Bundesliga-Profis wie ein Kulturschock anfühlen. Für die Amateure steht dagegen das Spiel ihres Lebens an.


„Das ist kaum zu glauben, dass wir ein Pflichtspiel hier im Kehdinger Stadion gegen Bayern München bestreiten dürfen“, sagte Drochtersens Vereinspräsident Rigo Gooßen: „Das ist ein Jahrhundertspiel.“ Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) schlägt die größte Stunde des kleinen Regionalliga-Klubs aus Niedersachsen, der sich den Bayern immerhin in einem Punkt überlegen fühlt: Der SV D/A hält seine Bratwurst für die beste in Deutschland.

Auf eine Sensation gegen eigentlich übermächtige Teams setzen so einige Amateurklubs, die sich in den DFB-Pokal vorgekämpft haben. Wie Rot-Weiß Koblenz, das laut eigener Angaben „kein Geld und keine Infrastruktur“ hat, aber „viel Leidenschaft“. Dies soll Fortuna Düsseldorf am Sonntag zu spüren bekommen. Auch der SV Linx, ein Fünftligist aus Südbaden, fordert mit dem 1. FC Nürnberg tags zuvor einen Bundesliga-Aufsteiger. Trainer Sascha Reiß ist sich sicher: „Das gibt ein Riesenspiel.“



Noch eine ganze Ecke forscher gehen Viktoria Köln und der 1. CfR Pforzheim an ihre Aufgaben heran. Während die Regionalliga-Spieler der Rheinländer für einen Triumph gegen RB Leipzig am Sonntag mit 180 000 Euro entlohnt werden sollen, glaubt Fünftligist Pforzheim, „jedem Gegner wehtun“ zu können. Also auch Bayer Leverkusen. Zumindest behauptet dies Trainer Gökhan Gökce. Um seinen großen Moment am Samstag auf gewohntem Terrain im Holzhofstadion erleben zu dürfen, musste sich der Verein ordentlich ins Zeug legen. Fangzäune, Sitzschalen, Absperrungen – sogar ein Pissoir musste im Massageraum eingebaut werden, um einen Ort für die Dopingkontrollen zu schaffen.

Etwas einfacher hatte es da der BSC Hastedt, der seine Heimspiele normalerweise einen Fußmarsch vom Bremer Weserstadion entfernt austrägt. Für das Duell mit Borussia Mönchengladbach am Sonntag zieht der Bremen-Ligist um und spielt auf dem Werder-Gelände – allerdings nicht in der großen Arena, sondern auf Platz 11.

Unter Druck stehen Eintracht Frankfurt und Cheftrainer Adi Hütter vor dem Auftritt am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Südwest-Regionalligisten SSV Ulm. Die 0:5-Pleite im Supercup gegen Bayern München wirkt noch nach. „Das war ein Schuss vor den Bug. In Ulm müssen wir deshalb eine Reaktion zeigen“, forderte Hütter. Nach der Supercup-Klatsche ist die Pokal-Euphorie in der hessischen Bankenstadt umgeschlagen. Befürchtungen, der neue Kader ohne Persönlichkeiten wie Ex-Torwart Lukas Hradecky oder Kevin-Prince Boateng, wäre nicht bundesliga-tauglich, nehmen zu. Der Österreicher Hütter hat die Bedenken wahrgenommen („Das ist klar und berechtigt“). und warnt davor, den schwäbischen Regionalligisten auf die leichte Schulter zu nehmen. „Ulm arbeitet professionell und ist Tabellenführer“, sagte Hütter. „Das macht die Situation gefährlicher.“