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Fußball in Italien
Ein Mann verändert alles

Turin. Nach dem Sensations-Wechsel von Superstar Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin steht die italienische Serie A wieder im Fokus. sid

Vorhang auf für die große Ronaldo-Show: Vom Wechsel des Weltfußballers von Real Madrid zu Juventus Turin beflügelt, erhofft sich die Serie A eine neue Glanzzeit. In den letzten Jahren fehlten der Eliteklasse auf dem Apennin die großen Stars, nun feiern italienische Medien dank Cristiano Ronaldo schon den Beginn einer „neuen Ära“.


Sein Pflichtspieldebüt für die alte Dame feiert CR7 an diesem Samstag bei Chievo Verona (18.30 Uhr/DAZN) und geht mit großen Ambitionen in die Saison. „Ich bin hier, um Titel zu gewinnen. Und damit meine ich nicht nur Pokal und Meisterschaft, sondern auch die Champions League“, verkündete der portugiesische Europameister, für den Turin 117 Millionen Euro nach Spanien überwiesen hat. In Italien werden Erinnerungen an die Achtziger oder Neunziger Jahre wach, als die besten Fußballer der Welt in der Serie A spielten – darunter auch viele Deutsche wie Lothar Matthäus, Jürgen Kohler, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann oder Andreas Brehme. Ronaldo verleiht dem Calcio unverhofft neuen Glanz.

Für den Abonnement-Meister Juve zählen in der neuen Spielzeit nur Superlative. Der achte Scudetto in Serie und der Pokalerfolg sind Pflicht, die Kür soll in der Königsklasse folgen. Seit 22 Jahren sehnt sich Turin nach dem Henkelpott. 2015 und 2017 unterlag Juve im Finale, zuletzt gegen Ronaldo und Real Madrid (1:4). Kein Wunder also, dass Juves Chef Andrea Agnelli alles darangesetzt hat, um den fünfmaligen Weltfußballer nach Turin zu holen. Der Deal dürfte sich rentieren. Die Dauerkarten sind längst ausverkauft, obwohl die Preise um 30 Prozent erhöht wurden. Ronaldo-Trikots sind in ganz Italien seit Wochen heiß begehrt, und Sponsoren stehen bei Juve Schlange.



Aber nicht nur Turin profitiert von Ronaldo, der Hype wirkt sich auch positiv auf den Rest der Liga aus. Die Konkurrenz greift tiefer in die Tasche, um Juventus nach Jahren der Dominanz Paroli bieten zu können. Vizemeister SSC Neapel wird in der neuen Saison vom ehemaligen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti betreut, und der 59-Jährige kann auf jene Mannschaft um den belgischen WM-Star Dries Mertens bauen, die für ihren Offensivfußball bekannt ist.

Juve muss sich auch auf starke Konkurrenz aus Mailand gefasst machen. Der AC Mailand, der im Juli vom Investmentfonds Elliott um den US-Milliardär Paul Singer übernommen wurde, sollte am Sonntag mit den Millionen-Leihgaben Tiemoue Bakayoko (von FC Chelsea) und Gonzalo Higuain (von Juventus Turin) gegen den FC Genua in die Saison starten. Nach dem tragischen Brückeneinsturz in Genua hat die Serie A das Spiel jedoch verlegt.

Inter Mailand will mit dem von AS Rom gewechselten Belgier Radja Nainggolan und Sime Vrsaljko, rechter Verteidiger des WM-Finalisten Kroatien, die Dominanz von Juve brechen. Nach Jahren der sportlichen Dürre dürfte es für die Nerazzurri aber auch in dieser Spielzeit noch nicht für ganz oben reichen.

Ähnliches gilt für die Roma-Stadtrivalen AS und Lazio. AS lotste Top-Transfer Steven Nzonzi aus Sevilla nach Italien, setzt daneben aber verstärkt auf junge Profis. Einer von ihnen trägt den prominenten Namen Justin Kluivert (von Ajax Amsterdam). Mit dem alles überstrahlenden Namen Ronaldo kann aber auch der 19-jährige Sohn des früheren niederländischen Nationalspielers Patrick Kluivert nicht mithalten.