| 19:21 Uhr

Damit Senioren nicht alleine sind

Immer mehr ältere Mitbürger können die alltäglichen Aufgaben nicht mehr ohne Hilfe meistern. Ehrenamtliche Helfer unterstützen dann bei Behördengängen, aber auch bei der Organisation der täglichen Abläufe. Foto: Rumpenhorst/dpa
Immer mehr ältere Mitbürger können die alltäglichen Aufgaben nicht mehr ohne Hilfe meistern. Ehrenamtliche Helfer unterstützen dann bei Behördengängen, aber auch bei der Organisation der täglichen Abläufe. Foto: Rumpenhorst/dpa FOTO: Rumpenhorst/dpa
Tholey. Im Alter wird es vor allem für alleinstehende Menschen immer schwieriger, die Alltags-Aufgaben zu meistern. Hilfe bieten da ehrenamtliche Seniorenbeauftragte an. In Tholey engagieren sich Renate Scholl und Gabriele Stalter für die älteren Leute. Marion Schmidt

Jeder Mensch muss im Leben Schwierigkeiten und Krisen bewältigen. Oft werden besonders ältere Menschen und ihre Angehörigen mit Fragestellungen konfrontiert, die sie alleine nicht meistern können. Hilfe gibt es bei Renate Scholl und Gabriele Stalter. Die beiden 68-jährigen Damen aus Tholey und Überroth-Niederhofen haben es sich zur ehrenamtlichen Lebensaufgabe gemacht, ein Gehör für die Senioren zu haben. Die eine als Seniorenbeauftragte, die andere als Seniorensicherheitsberaterin. Dabei ist das Aufgabenfeld der beiden Ehrenamtlerinnen sehr vielfältig. Sie helfen bei Behördengängen, informieren über besondere Angebote für Senioren, geben aber auch den Senioren in der Gemeinde eine Stimme und gestalten die Seniorenarbeit mit. Seit dem Eintritt ins Rentenalter vor vier Jahren engagiert sich Renate Scholl als Seniorenbeauftragte in der Gemeinde Tholey .


Oft hilft sie bei alltäglichen Problemen zum Beispiel rund um die Pflege. "Vor kurzem kümmerte ich mich um einen älteren Mann, dessen Frau plötzlich ins Krankenhaus kam. Da waren keine Angehörigen, die ganz banale Aufgaben wie Wäsche waschen übernehmen konnten", berichtet Scholl. Oft reichten schon Kleinigkeiten aus, um das Leben für ältere Menschen leichter und sicherer zu machen. Das können kleine Reparaturen im Haushalt sein oder einen Bringdienst zum Arzt zu organisieren. Ein besonderes Anliegen ist ihr, Generationen in gemeinsamer Freizeitgestaltung zusammenzubringen und ältere Menschen aus der Vereinsamung zu holen. So organisiert sie Malkurse, Spielenachmittage und Ausflüge. Ein besonderer Service ist der Fahrdienst. Die Senioren werden zu den Tanznachmittagen oder zum Frauenschwimmen abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Renate Scholl: "Ein großes Problem ist heute die Altersdemenz, die viele Menschen bekommen. Demenzkranke gehen in der Regel nicht mehr gerne unter Leute. Sie wollen in ihrem vertrauten Heim bleiben." Die Seniorenberatung würde vor allem von Frauen wahrgenommen, während sich in den Betreuungsangeboten für Demenzkranke mehr Männer befänden.

Die Probleme, mit denen Demenzkranke im Alltag konfrontiert werden, kennt auch Gabriele Stalter. Die Seniorensicherheitsberaterin hilft regelmäßig bei der Rückabwicklung von hinterhältigen Haustürgeschäften. "Ältere Menschen und Demenzkranke , die alleine leben, werden regelmäßig zum Opfer des bekannten Enkeltricks. Sie freuen sich, wenn überhaupt mal jemand anruft und mit ihnen spricht. Einmal ins Gespräch verwickelt, fallen sie dann schnell auf den Trick rein und verlieren sinnlos Geld." Aber auch an der Haustür würden Senioren immer wieder von gewieften Betrügern überrumpelt und müssten plötzlich nicht nachvollziehbare Zahlungen leisten. Ein Fall für die Seniorensicherheitsberaterin. Viele Senioren wüssten nicht, dass es für Haustürgeschäfte eine 14-tägige Widerrufsfrist gebe. Gabriele Stalter: "Ein ganz fieser Trick bei diesen Geschäften ist das von den Trickbetrügern nachträglich ausgefüllte Datum, natürlich zurückdatiert." In ihren Beratungsgesprächen informiert Stalter über diese Problematik und gibt Tipps für den Alltag. Daneben sieht sich die Seniorensicherheitsbeauftragte vor allem mit Fragen um die häusliche Sicherheit konfrontiert: "Oft helfen schon einfache Tipps, wie man seine Wohnung einbruchsicher machen kann." Auf Informationsveranstaltungen, oft in Zusammenarbeit mit der Polizei , klärt sie die Senioren und ihre Angehörigen über Probleme und Lösungen auf. In einem Kompetenzzentrum des Landkreises arbeitet sie eng mit den weiteren Seniorensicherheitsberatern der Gemeinden zusammen. Einmal im Monat bieten die Sicherheitsberater eine wenig frequentierte Sprechstunde an. "Die Leute stehen hier nicht Schlange." In den Nachrichtenblättern der Gemeinden informieren die Seniorensicherheitsberater und die Seniorenbeauftragten einmal monatlich über ihre Arbeit und Aktivitäten.



Doch was treibt Menschen an, sich im Ehrenamt für Mitmenschen zu engagieren? Scholl: "Meine Motivation ist mein christlicher Glaube. Menschen sind so dankbar, wenn man ihnen hilft." Selbst im Waisenhaus aufgewachsen, möchte Gabriele Stalter für andere da sein: "Wenn ich helfe, bekomme ich selbst etwas zurück. Viele sind oft überrascht, dass es Menschen gibt, die sich so engagieren."

Zum Thema:

Auf einen Blick Seniorenberatung im Landkreis St. Wendel: Folgende Institutionen oder Beauftrage helfen: Seniorenbüro des Landkreises St. Wendel, ehrenamtliche Seniorenbeauftragte in den Gemeinden Namborn, Nohfelden, Nonnweiler und Tholey , ehrenamtliche Seniorensicherheitsberater in allen sieben Gemeinden sowie in der Kreisstadt St. Wendel. Alle Ansprechpartner sind in einer Broschüre aufgelistet. Die kann im Seniorenbüro des Landkreises St. Wendel bestellt werden.mon Mommstraße 21 - 31, 66606 St. Wendel, Telefon (0 68 51) 8 01 52 01, E-Mail: Seniorenbuero@lkwnd.de landkreis-st-wendel.de/ leben-soziales-gesundheit/senioren/ seniorenberatung/

Seniorensicherheitsberaterin Gabriele Stalter (links) und die Seniorenbeauftragte Renate Scholl.
Seniorensicherheitsberaterin Gabriele Stalter (links) und die Seniorenbeauftragte Renate Scholl. FOTO: Schmidt