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Selbsthilfetag
„Heute können wir zeigen, was wir leisten“

Gemeinsam mit Tabus brechen: Selbsthilfegruppen stellten sich und ihre Arbeit auf dem St. Wendeler Schlossplatz vor.
Gemeinsam mit Tabus brechen: Selbsthilfegruppen stellten sich und ihre Arbeit auf dem St. Wendeler Schlossplatz vor. FOTO: Jennifer Sick
St. Wendel. Selbsthilfegruppen präsentierten sich auf dem St. Wendeler Schlossplatz. Mitmachaktionen als Eisbrecher. Von Jennifer Sick

Das Thema Selbsthilfe in die Öffentlichkeit tragen. Das war
das erklärte Ziel von insgesamt 17 Gruppen, die am vergangenen Samstag Tische, Stände und Zelte auf dem St. Wendeler Schlossplatz aufbauten. Anlass hierzu war der fünfte Selbsthilfetag des Landkreises St. Wendel. „Es geht für die Gruppen darum, sich einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und zu zeigen, welche Möglichkeiten der Unterstützung in unserer Region überhaupt existieren“, erklärte Beate Ufer von KISS – der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen im Saarland. Eigens dazu hatten die Mitwirkenden nicht nur jede Menge Informationen zu ihrer Arbeit, sondern auch viele unterschiedliche Mitmachaktionen im Gepäck, die neugierige Passanten an die Stände lockten und einen regen Austausch garantieren sollten.


So fanden sich zum Beispiel viele am Stand des Blinden- und Sehbehindertenvereins für das Saarland ein. Dort nämlich konnten Neugierige unter Anleitung von Silvia Hame einmal die Blindenschrift erkunden. Hierfür hatte der Verein eine Ausgabe des Buches „Der kleine Prinz“ mitgebracht und auch einen Kalender in Blindenschrift. Doch wer die Seiten mit dem Finger überflog, merkte schnell, dass das mit der Blindenschrift gar nicht so einfach
ist. „Das braucht natürlich Übung“, erklärte Hame mit einem Lächeln. „Aber wenn man sehr fleißig ist, kann man in einem halben Jahr schon große Fortschritte machen.“ Leichter war da schon der Sinnesparcours, bei dem es darum ging, durch Riechen und Tasten verschiedene Gegenstände zu erkennen.

Ebenfalls beliebt bei den Besuchern war das Basteln von Antistress-Bällen am Stand der internationalen Frauenselbsthilfegruppe „Bunte Seelen“. Hierfür galt es lediglich Mehl in einen Ballon zu füllen und schon hatte man seinen persönlichen Knautschball. Und beim Basteln entstanden auch ganz nebenbei Gespäche über die Arbeit der Gruppe, die sich rund um das Thema Spracherwerb dreht.



„Heute können wir zeigen, was wir alles leisten“, freute sich Heike Birkenbach von „Bunte Seelen“. Die Gruppe hatte kleinere oder größere Mitmachaktionen in petto, die vor allem dazu dienen sollten, die Hemmschwelle der Passanten zu überwinden, um mit möglichst vielen Leuten ins Gespräch zu kommen und auf diese Weise über das Wirken der Selbsthilfe zu berichten. Doch nicht allein das Vorstellen der Arbeit selbst war den Gruppen wichtig. Vielen ging es auch um Akzeptanz in der Öffentlichkeit. „Wir
möchten heute ein gewisses Selbstbewusstsein nach außen tragen“,
erklärte Gernot Reppmann vom Verein Apfelbaum St. Wendel. „Der
Selbsthilfetag ist für uns eine Chance, mit dem Tabuthema seelische
Krisen zu brechen.“ Entstigmatisierung sei das Zauberwort, um das sich alles drehe. Dafür war der Selbsthilfetag besonders geeignet, denn die Menschen konnten Kontakt zu den unterschiedlichsten Gruppen aufnehmen. Das erlebte auch Siegmar Fritsch von der St. Wendeler Gruppe der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew, der am Samstag auch als Magic Siggi mit Zaubertricks für Unterhaltung sorgte. „Die Leute
trauen sich hier eher, zu uns zu kommen“, fand Fritsch. Auf diese Weise
könne man nicht nur im Allgemeinen informieren, sondern auch Betroffene besser erreichen.

Noch einen weiteren Vorteil sah Petra Laub von der Deutschen Rheumaliga Saar-Ortsgruppe St. Wendel, die bei diesem Selbsthilfetag zum ersten Mal mit dabei war. „Es ist eine sehr spannende Veranstaltung, denn man kann sich nicht nur mit den Passanten austauschen, sondern auch mit den anderen Gruppen. Das ist für uns sehr viel wert.“