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Selbsthilfegruppen
Der Verein Apfelbaum hilft die Seele heilen

Gernot Reppmann engagiert sich für Menschen, die eine seelische Lebenskrise zu bewältigen haben.
Gernot Reppmann engagiert sich für Menschen, die eine seelische Lebenskrise zu bewältigen haben. FOTO: Marion Schmidt
Niederlinxweiler. Mit seinem „Apfelbaum – Verein für seelische Gesundheit im Landkreis St. Wendel“ möchte Gernot Reppmann Betroffenen eine Anlaufstelle sein. Von Marion Schmidt

„Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume, dem Betrübten ist jede Blume ein Unkraut.“ Für Gernot Reppmann aus Niederlinxweiler ist dieses finnische Sprichwort wie ein Motto für seine Selbsthilfegruppe „Apfelbaum – Verein für seelische Gesundheit im Landkreis St. Wendel“ Der aus Niederlinxweiler stammende Vereinsvorsitzende ist seit mehr als 25 Jahren in der Selbsthilfe engagiert. Der Vereinsname geht auf die 1992 von ihm initiierte sozialpsychiatrische Selbsthilfezeitung „ApfelBäumchen“ zurück. Aus persönlicher Betroffenheit ging es ihm damals wie heute darum, nicht länger zu den Themen zu schweigen, die sich um psychische Erkrankungen ranken. Und der oft verhängten Bevormundung ein neues Selbstbewusstsein entgegenzusetzen.


Der Verein zählt aktuell 50 Mitglieder, darunter auch einige Förderer. „Wir wollen mit unserem Verein dazu beitragen, dass psychisch kranke Menschen entstigmatisiert werden und dass Vorurteile in der öffentlichen Meinung abgebaut werden“, so Gernot Reppmann. Für die Aufklärungsarbeit sind öffentliche Kampagnen wie der fünfte Selbsthilfetag am 8. September in St. Wendel wichtig. Hier kann  Reppmann sich mit einem Informations-Stand präsentieren und im direkten Dialog mit den Besuchern über die Arbeit in seinem Verein informieren. Jeden ersten Dienstag im Monat organisiert der Vereinsvorsitzende einen offenen Gesprächskreis für alle Interessierten. Reppmann: „Es kommen Menschen zu uns zum Beispiel mit allgemeinen Angstzuständen, mit Depressionen oder mit Suchtproblemen.“

Zwischen vier und acht Teilnehmer besuchen regelmäßig die Treffen, die aufgrund der beengten Raumsituation des Vereins im Landratsamt St. Wendel nicht selten draußen im Wald oder in einem Park stattfinden. „In der Natur und an frischer Luft spricht es sich entspannter und freier. Manche Menschen haben auch einfach Vorbehalte, eine Behörde, wie ein Landratsamt, zu betreten“, verrät Reppmann. Der Gesprächskreis läuft jedes Mal nach einem bestimmten Ritual ab, das von einem Eingangs- sowie einem Abschlussblitzlicht akzentuiert wird. Reppmann: „Das sind freiwillige Momentaufnahmen von der jeweiligen momentanen Gefühlslage der Teilnehmer. Es geht darum zu sagen, wie fühle ich zu Beginn des Gesprächskreises und wie nach dem Austausch mit der Gruppe.“ Es bestehe allerdings kein Zwang zum Sichöffnen vor der Gruppe. Das wolle nicht jeder.



Reppmann selbst begleitet den Gesprächskreis einfühlsam und zurückhaltend in der Rolle eines Moderators: „Manchmal haben wir besonders egozentrische Menschen in der Gruppe, die gerne schon mal 40 Prozent der Redezeit auf sich konzentrieren. Meine Aufgabe besteht dann darin, diese Teilnehmer einzufangen und ihnen zu vermitteln, dass ein Grundsatz unserer Treffen auf Solidarität beruht. Das bedeutet, jeder hat gleiches Rederecht und gleiche Redezeit.“

Um fit für diesen sehr anspruchsvollen Job zu bleiben, besucht der Vereinsvorsitzende regelmäßig Fortbildungen und Fachtagungen. Die Gesprächskreise bilden die Basis und den Kern der Vereinsarbeit. „Für die Betroffenen ist es wichtig zu erkennen, dass sie nicht alleine mit ihrer komischen Erkrankung dastehen, aber auch zu erfahren, dass es alternative Genesungswege gibt, die über Sport oder Freizeitaktivitäten führen.“  

Reppmann sieht die Themen, die zur Selbsthilfe relevant sind, in der Öffentlichkeit zu wenig beachtet. Die Motivation für sein Engagement zieht der gelernte Medizin-Informatiker aus seiner Unzufriedenheit mit dem bundesweiten Versorgungssystem und den negativen Erfahrungen mit der stationär-psychiatrischen Behandlung. „Ich möchte nicht mehr schweigen, sondern auch denen ein Sprachrohr sein, die sich krankheitsbedingt nicht mehr artikulieren können“, so Reppmann. Sein Apfelbaum-Verein stellt die seelische Gesundheit bewusst in den Mittelpunkt aller Aktivitäten nach dem Motto: „Selbsthilfe macht, trotz Frustrationen und Rückschlägen, Spaß, fördert das Selbstbewusstsein und kann zur Gesundung beitragen.“ Beim Selbsthilfetag am 8. September in St. Wendel ist der Verein mit einem Informationsstand sowie dem Mitmachangebot Soft-Boule vertreten.

Wer an den Gesprächskreisen teilnehmen möchte, kann sich an den Vereinsvorsitzenden Gernot Reppmann wenden, Tel. (0160) 5  60  26  11.