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Bogenschützen jagen Modell-Tiere

Eine Gruppe von Bogenschützen schießt sich bei der Deutschen Meisterschaft in St. Wendel warm. Fotos: Bonenberger & Klos
Eine Gruppe von Bogenschützen schießt sich bei der Deutschen Meisterschaft in St. Wendel warm. Fotos: Bonenberger & Klos
St Wendel. Die zweitägige Deutsche Meisterschaft (DM) der Bogenschützen in St. Wendel registrierte einen neuen Teilnehmerrekord. 494 Schützen, im Fachjargon Bowhunter genannt, starteten bei der simulierten Bogenjagd. An 28 Schießstationen im Keimbachwald nahmen sie aufgestellte dreidimensionale Tierattrappen ins Visier. Frank Faber

Mit Pfeil und Bogen sind am Wochenende die Bowhunter bei der Deutschen Meisterschaft stundenlang bis zu sieben Kilometer durch den Keimbach marschiert. In regelmäßigen Abständen bleiben die einzelnen Gruppen stehen und zielen auf ein Reh, einen Bären oder einen Panter. Doch alles halb so wild. Die Tiere sind nur dreidimensionale Modelle. Und die Bogensportart sehen viele Teilnehmer als Freizeitbeschäftigung inmitten der Natur. "Den Pfau habe ich gar nicht gekannt und den Panter kenn ich etwas größer", sagt Sepp Rohr vom Bogenverein aus Bärenbach . Deshalb stuft er den Rundparcours als anspruchsvoll und schwierig ein. Die Wuppertalerin Hilde Hüllwegen hat ein Fernglas um den Hals hängen, um den "Kill" (Trefferfläche) besser ausmachen zu können. "Bei einem solchen Turnier geht es freundschaftlich und familiär zu", schwärmt die Seniorin.

Der 13-jährige Nick Herberger aus Piesbach ergänzt: "Ich will Spaß haben und Leute kennenlernen." Die Gelegenheit dazu ist gegeben. Insgesamt 62 Schüler und Jugendliche mischen beim Wettbewerb mit. Ihren ersten Pfeil hat Viola Spahr auf einem Mittelaltermarkt abgeschossen. Seitdem nimmt sie mit ihren Eltern regelmäßig an Bogensportveranstaltungen teil. "Eine Taktik für so einen Wettkampf gibt es nicht", erklärt die 14-Jährige aus München. Sofort beim Ersten der drei Versuche zu treffen, sich die Punkte notieren lassen, sei das Beste. Das hat sich auch der Karlsruher Lukas Stumpe (14) gedacht, als er am zwölften Ziel auf den Truthahn zielt. Jedoch Pech für ihn, die Hauptsehne springt bei seinem Compoundbogen ab. Erst am Abend kann der Bogen zur Reparatur in eine Presse eingespannt werden. Dennoch bleibt er in der Wertung. Betreut wird der Nachwuchs von Ronja Jochim (18), der Jugendwartin des Deutschen Feldbogen Sportverbandes (DFBV). "Bogenschießen ist 80 Prozent Kopfsache und 20 Prozent Technik", erklärt sie. Der Bogensport sei eine feine Sache, den man mit gehörigem Respekt angehen müsse. "Die Kinder dürfen sich nie mit einem gespannten Bogen umdrehen und das Gerät so auf hinter ihnen stehende Schützen richten. So etwas muss mit einer Disqualifikation sanktioniert werden", meint Jochim.

Ziele bis 54 Meter entfernt



Je nach Qualität des Bogens fliegen die Pfeile mit etwa 250 Stundenkilometer auf die Tiermodelle zu. Ausrichter der DM ist David Kossmann aus Urexweiler. "Die Präparation des Parcours ist hervorragend", lobt der DBFV-Vorsitzende Wolfgang Luksch. Die Ziele, die DFBV-Schießsportleiter Kossmann im Wald aufgestellt hat, sind zwischen fünf und 54 Metern von der Position des Schützen entfernt. Am gestrigen Sonntag sind bei der Ein-Pfeil-Hunter-Runde Punkte vergeben worden. "Die sechs besten Schützen gehen in einer Gruppe los und werden wohl den Titel dann unter sich ausmachen", schätzt Luksch. Am gestrigen Abend sind die neuen Titelträger im Sportzentrum gekürt worden. Eines steht jetzt schon fest. Die DM in St. Wendel hat mit 494 gestarteten Bowhuntern einen neuen Teilnehmerrekord aufgestellt. < weiterer Bericht folgt

Dieser Schütze hat das Modell eines Steinbocks fest im Blick.
Dieser Schütze hat das Modell eines Steinbocks fest im Blick.
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