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Ausgrabungen
Als Germanen die Römer verdrängten

Archäologe  Thomas Fritsch hat in der Gemeinde Nonnweiler ein weiteres Grabungsfeld aus der Zeit der Kelten erforscht.
Archäologe Thomas Fritsch hat in der Gemeinde Nonnweiler ein weiteres Grabungsfeld aus der Zeit der Kelten erforscht. FOTO: Marion Schmidt
Nonnweiler. Die archäologische Ausgrabung in Nonnweiler ist abgeschlossen, nun müssen die Ergebnisse interpretiert werden. Von Marion Schmidt

Purer Zufall war es, als Helmut Ludwig 2008 auf freier Flur in einem Wiesengelände alte Ziegelsteine gefunden hatte. Der Heimatforscher aus Nonnweiler zeigte seinen Fund einem Archäologen der Terrex gGmbH.


Thomas Fritsch, der Projektleiter des Grabungsprojektes Keltischer Ringwall ließ sich die Fundstelle zeigen. „2014 ließen wir die Stelle von einem Geophysiker aus Münster mit einem Radargerät scannen, um festzustellen, was sich weiterhin im Boden verbirgt“, berichtet Thomas Fritsch.

Die erste Grabungsphase begann 2015 in Zusammenarbeit mit der Europäischen Akademie Otzenhausen. In den Jahren 2017 und 2018 wurde die Grabung mit der Grabungsgesellschaft Terrex fortgesetzt. Fritsch: „Mit vier von der Arbeitsagentur vermittelten Helfern haben wir drei bis fünf Wochen im Jahr gegraben.“ Das Grabungsprojekt ist nun abgeschlossen, die Ergebnisse sollen später in einer Ausstellung dokumentiert werden.



Archäologe Fritsch sieht das Grabungsfeld im Zusammenhang mit dem nahe gelegenen gallo-römischen Vicus in Schwarzenbach: „In damaliger Zeit hatte sich die Bevölkerung mit ländlichen Betrieben im Umfeld dieser Siedlung niedergelassen.“ Vor Jahren sei ein Hobbyarchäologe unweit des neuen Grabungsfeldes auf die Spuren eines großen Gebäudes gestoßen, wohl eine Art Stallung. Unweit der Fundstelle liegt auch eine Quelle. Fritsch spekuliert, dass sein Grabungsfeld die Überreste eines Speicherbaus für Getreide und landwirtschaftliche Geräte preisgibt. Beim Freilegen des Areals habe man Dachziegelschutt, Keramik-Fragmente und Münzen gefunden.

Die spartanischen Funde lassen vermuten, dass es kein aufwendiger Bau war. Die freigelegten Mauerfragmente lassen auf ein Gebäude schließen mit einem Ausmaß von 15 auf 18 Metern. Als im Laufe der spätrömischen Zeit die germanischen Stämme sich immer weiter ausbreiteten und die Römer zurückdrängten, sei eine Umbruchphase eingeleitet worden. Es sei zu Plünderungen und Verwüstungen der gallo-römischen Bauten gekommen. „Die Bewohner waren vermutlich nicht mehr in der Lage, ihre zerstörten Gebäude aufzubauen und nutzten das, was noch vorhanden war“, spekuliert der Archäologe. „Bei unserer Ausgrabung haben wir auf dem Fußboden eines Innenraums eine Brandstelle entdeckt. Was darauf hindeutet, dass dieser Raum provisorisch als eine Art Küche diente. Wir vermuten, dass dieser Bereich zuvor vielleicht eine Art Kellerraum des intakten Gebäudes war.“ In späteren Zeiten sei dieser Raum schichtweise mit Schuttmaterial von anderen Siedlungsgebäuden aufgefüllt worden. Das Fundmaterial mit verbrannten Steinen, Keramikfragmenten und Holstücken lassen diesen Rückschluss zu.

„Die gefundenen Holzstücke können wir mit der C14-Datierung (siehe Info) analysieren lassen und so Erkenntnisse über das Alter gewinnen“, erläutert Thomas Fritsch. Fritsch: „Es gibt nicht viele Belege aus dieser Umbruchzeit, als die Germanen die Römer verdrängten. Wir forschen hier seit 1999 in einem Umkreis von acht Kilometern um den Hunnenring und sind bereits auf 387 Fundstellen gestoßen. Somit sind wir in einer guten Wissenssituation. Wir liegen hier mit Blick auf die Kelten und Römer in einem viel beachteten Hotspot.“

Für den Archäologen ist es immer wieder spannend zu erkunden, wie die Menschen früher gelebt haben: „Von der Siedlungstaktik der Alten können wir lernen, ihre Verhaltensmuster könnten uns auch heute bei einer sinnvollen Bauplanung helfen. Früher wurde nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten gesiedelt. Es wurde geschaut, wo sich Wasserquellen, trockene Plätze und fruchtbarer Boden befinden. Eine wichtige Rolle spielte auch die klimatisch günstige Lage. Bevorzugte Siedlungsplätze lagen auf Höhenterrassen. Man kann viel von unseren Vorfahren lernen, gerade was den Umgang mit der Natur betrifft.“

Jede Grabung zeige eine neue Facette vom damaligen Leben der Kelten und Römer in unserer Region. Wenn im Keltendorf in Otzenhausen das geplante Besucherzentrum steht, sollen die Ergebnisse dieser Grabung als weiterer Puzzelstein dokumentiert und ausgestellt werden. Nachdem das Grabungsfeld vermessen, alle Funde gesichert und dokumentiert wurden, wird das Gelände nun wieder mit Erdreich aufgefüllt und eingeebnet für die weitere Nutzung als Weideland.