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Musik
Sogar Kronkorken zieren eine Gitarre

Jessica Herrmann spielt nicht nur Gitarre, die baut sie auch selbst. Am liebsten rockt sie damit zu Liedern der Hard-Rocker von Motörhead.
Jessica Herrmann spielt nicht nur Gitarre, die baut sie auch selbst. Am liebsten rockt sie damit zu Liedern der Hard-Rocker von Motörhead. FOTO: B&K / Bonenberger/
Bosen-Eckelhausen. Guitar-Hero mal anders: Die 19-jährige Jessica Hermann aus Bosen-Eckelhausen baut Instrumente selbst. Von Melanie Mai

„Wir müssen bald anbauen“, scherzt Heiko Hermann aus Bosen-Eckelhausen. Denn zumindest die Terrasse wird langsam zu klein. Zu klein für alle Gitarren, die seine Tochter Jessica mittlerweile selbst gebaut hat. 25 sind es an der Zahl; sie alle hat die 19-Jährige auf dem Steinboden ausgebreitet, um sie zu fotografieren. In ihrem Zimmer, wo normalerweise ein Großteil der Instrumente steht und hängt, ist es fast schon zu eng geworden.


Seit knapp zehn Jahren spielt Jessica nun schon Gitarre und Bass. Drei, vier Monate nahm sie Unterricht, den Rest brachte sie sich selbst bei. Sowieso ist sie der Typ, der gerne alles selbst in die Hand nimmt. Denn nachdem sie mit neun Jahren ihre erste Gitarre zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, packte sie vor etwa zwei Jahren das Gitarrenbau-Fieber.  In Internet sah sie eher zufällig, wie man sich seine eigene Gitarre bauen kann: „Da dachte ich mir, ich versuchs mal.“ Und sie eignete sich die notwendigen Fähigkeiten an. „Sie ist handwerklich sehr begabt“, lobt ihr Vater, der seiner Tochter beim Fräsen hin und wieder hilft.

Was sie dafür braucht, ist in erster Linie Holz. SIe hat mehrere Arten ausprobiert. Ihr Urteil: „Lindenholz klingt gut.“ Darauf malt sie die Form, schneidet diese aus und baut die einzelnen Teile zusammen. 100 bis 150 Euro investiere sie dabei nur ins Holz. Der Materialwert für das komplette Instrument liegt dann bei 300 bis 600 Euro. Das Teuerste daran seien die Tonabnehmer; da gebe es gewaltige Unterschiede in Sachen Qualität. Jessica baut spontan. „Wenn ich eine Gitarre sehe, die mir gefällt, baue ich sie nach.“ So wie die von Zakk Wylde. Der amerikanische Gitarrist habe eine besonders „coole“ Gitarre, wie es die 19-Jährige ausdrückt: „Aber die ist viel zu teuer.“ Also baute sie das Instrument so gut es ging nach – besetzt mit jeder Menge Kronkorken. Eine andere hat sie mit goldener Holzlasur bemalt. Auch diese liegt ihr sehr am Herzen. Aber eigentlich „bin ich auf alle Gitarren stolz“, sagt sie.

Am liebsten spielt sie darauf die Songs von Motörhead, ihrer absoluten Lieblingsband. „Ich habe sie zwei Mal live gesehen, in Saarbrücken und Luxemburg; es sind einfach tolle Musiker“, schwärmt Jessica. Aber auch ansonsten spiele sie alles „von Rock bis Metal“.

Mittlerweile beschränkt sie sich aber nicht nur auf den Gitarrenbau. Sie, die Junior-Chefin im Gebäudereinigungs-Betrieb ihrer Eltern, bastelt und gestaltet auch eigene Plektrons. Die Plättchen zum Anreißen der Saiten fertigt sie aus Plastik oder Holz. Wie so manch anderes Gerät auch, etwa ein Paddleboard, mit dem sie über’n See paddeln kann.



Diese Gitarren hat Jessica Hermann bereits gebaut. So langsam wird die Terrasse zu klein.
Diese Gitarren hat Jessica Hermann bereits gebaut. So langsam wird die Terrasse zu klein. FOTO: Jessica Hermann