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Rescue-Days
Retter ramponieren Autos wie am Fließband

Ein Hubzylinder wird zuerst eingesetzt. Dann bearbeiten die Feuerwehrleute das Fahrzeug mit dem hydraulischen Spreizer.
Ein Hubzylinder wird zuerst eingesetzt. Dann bearbeiten die Feuerwehrleute das Fahrzeug mit dem hydraulischen Spreizer. FOTO: Frank Faber
Bosen. Keine Rücksicht aufs Material wurde genommen, als es darum ging, Menschen schnellstmöglich aus Unfallwagen zu befreien. Von Frank Faber

Mehr als 150 Schrottautos und Luxusschlitten wurden drei Tage lang zu Übungszwecken gequält und zerstört. Bei den Feuerwehrtagen im Landkreis St. Wendel und den Rescue Days trainierten 640 Feuerwehrleute aus aller Welt, wie sie Unfallopfer am schnellsten aus Fahrzeugen befreien können. „Wir hatten bisher noch keine Veranstaltung, die so hervorragend organisiert war und durchgeführt werden konnte“, lobte Bernhard Obermayr, Geschäftsführer der Weber-Hydraulik GmbH. Sein Unternehmen leitete die weltweit größte Ausbildungsveranstaltung für technische Hilfeleistung am Bostalsee.


„Das war sehr interessant und lehrreich für mich“, meinte Daiko Katayama, Feuerwehrmann in der japanischen Metropole Tokio. Je acht Praxisstationen durchliefen die Gruppen am Freitag und Samstag. Ein Team war personell mit Teilnehmern aus der Türkei, dem Iran und Thailand bestückt. Bombeiro heißt der Feuerwehrmann in Brasilien, Bombero in Chile. „Wir sind alle Voluntarios. Bei uns gibt es nur auf dem Flughafen oder in großen Werken Berufsfeuerwehren“, erklärt Christobal Kemp, Brandschützer in Chiles Hauptstadt Santiago. Während des Trainings an den Stationen stellte er einen grundlegenden Unterschied zwischen den Retter-Nationen fest: „Die Feuerwehr in Deutschland arbeitet schneller als wir. Wir konzentrieren uns mehr auf die Sicherheit und das dauert dann was länger.“ Kemp gefiel es, die verschiedenen modernen Werkzeuge an den Fahrzeugen benutzen zu können. Beispielsweise einen hydaulischen Hubzylinder habe keine Wehr in Chile. „Für mich war das ganze Wochenende ein Erlebnis“, resümierte der Südamerikaner.

Die Unfallstellen wurden so realistisch wie möglich nachgestellt. Krachend endete die Fahrt eines Pkws am Baum, ein weiterer Wagen war unter einen Laster gerutscht. Darunter lag der Fahrer, in Form einer Puppe, eingequetscht. Um diese Szenarien versammelten sich die Ersthelfer und starteten unter Anleitung ihre Ausbildung. Auch Unfälle mit Autobahnbarrieren beinhaltete der Lehrplan. Immer häufiger, so Stationsleiter David Heinkele, würden Fahrzeuge in den Beton-Elementen, die zum Schutz zwischen den Fahrbahnen der Autobahn sorgen, landen. Die Insassen seien dann im Wrack kopfüber eingeklemmt. „Die Station war schon eine Herausforderung“, sagte Cristian Brandaó aus Brasilien. Er war mit seinem Kameraden Roberto Delcio zum Üben aus Chapocoense an den Bostalsee gekommen.



Am Sonntag sah der große Schrottplatz schon übersichtlich und aufgeräumt aus. Die völlig demolierten Autos vom Vortrag waren abtransportiert. Notarzt Dr. Tim Heyne leitete eine Station, bei dem die Rettung des Patienten im Fokus stand. Des Weiteren wurde den Teilnehmern gezeigt wie eine Alternativrettung aussehen kann. Dabei kam der Wagenheber aus dem Kofferraum zum Einsatz, um die Lenksäule anzuheben und den Druck auf den eingeklemmten Fahrer zu verringern.

Einem Dummy erging es besonders schlecht, die Last des Omnibusses schien die Puppe plattzudrücken. Heben, Sichern und Stabilisieren – so trainierten die Feuerwehrmänner aus Leingarten und Berlin den Geräteeinsatz an dem Großfahrzeug und verschafften der eingeklemmten Puppe wieder Raum zum Atmen. Auch ein landwirtschaftlicher Unfall wurde simuliert und dabei neueste Fahrzeugtechnik eingesetzt.

Wie die Geräte an Großfahrzeugen eingesetzt werden, das konnten Feuerwehrleute an diesem Bus üben.
Wie die Geräte an Großfahrzeugen eingesetzt werden, das konnten Feuerwehrleute an diesem Bus üben. FOTO: Frank Faber
Station „Patient im Fokus“: Feuerwehrleute retten unter Anleitung eines Notarztes einen Test-Patienten aus dem Auto-Wrack.
Station „Patient im Fokus“: Feuerwehrleute retten unter Anleitung eines Notarztes einen Test-Patienten aus dem Auto-Wrack. FOTO: Frank Faber
Selbst Luxuskarossen wurden nicht verschont. Sie wurden mächtig demoliert und später auf einem regelrechten Auto-Friedhof gestapelt.
Selbst Luxuskarossen wurden nicht verschont. Sie wurden mächtig demoliert und später auf einem regelrechten Auto-Friedhof gestapelt. FOTO: Frank Faber