| 21:38 Uhr

Stichwahl mit 70,8 Prozent gewonnen
Sascha Hilpüsch wird neuer Chef im Namborner Rathaus

Daumen hoch: Sascha Hilpüsch lag bei der Bürgermeisterwahl in Namborn ganz klar vorne. Hier bedankte er sich bei seinen Unterstützern.
Daumen hoch: Sascha Hilpüsch lag bei der Bürgermeisterwahl in Namborn ganz klar vorne. Hier bedankte er sich bei seinen Unterstützern. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos
Namborn. Der 47-Jährige Einzelbewerber siegte klar gegen seine Kontrahentin Judith Jung (CDU). Er gewann die Stichwahl ums Namborner Bürgermeisteramt mit 70,8 Prozent. Von Sarah Konrad

Kurz nach 18 Uhr ist es für Sascha Hilpüsch gewiss: Sein Leben wird sich um 180 Grad drehen. Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war. Der 47-jährige Einzelbewerber starrt noch immer auf die Leinwand im Bürgerhaus. Dort laufen gerade die ersten Ergebnisse der Stichwahl ein. Und sie lassen ahnen: Seine Kontrahentin Judith Jung (CDU) wird keine Chance auf den Chefsessel im Rathaus haben. „Das ist absolut klasse. Ich bin total begeistert. Mit so einem eindeutigen Ergebnis hätte ich nicht gerechnet“, freut sich Hilpüsch als wenig später das vorläufige Resultat feststeht. 70,8 Prozent (2460 Stimmen) der Wahlberechtigten haben bei der Bürgermeisterwahl in Namborn für den Einzelbewerber gestimmt. Judith Jung kam auf 29,2 Prozent (1015 Stimmen).


„Immerhin habe ich im Vergleich zur Hauptwahl noch einmal knapp zwei Prozentpunkte dazugewinnen können“, gibt sich die 37-Jährige tapfer. Sie hatte in den vergangenen zwei Wochen alles versucht, um weitere Wähler zu mobilisieren. Bei der Nachgehakt-Tour war sie in den Ortschaften unterwegs und wollte von den Bürgern wissen, wo der Schuh drückt. Dass es trotzdem nicht zum Sieg gereicht hat, führt Jung auf verschiedene Gründe zurück. Eine Hauptursache sieht die Verliererin darin, dass sie bis vor fünf Monaten noch kaum jemand in der Gemeinde Namborn gekannt habe. „Das Ergebnis ist eindeutig. Das muss ich so annehmen. Das Leben geht weiter“, fügt sie hinzu. Besonders bitter: Die Kulturwissenschaftlerin konnte keinen einzigen Ortsteil für sich entscheiden. Selbst in ihrem Wohnort Hofeld-Mauschbach kam sie nur auf 35 Prozent. „Mir wurde vorgeworfen, dass ich gebürtig aus Winterbach stamme und nicht aus Namborn bin“, sagt Jung dazu. Dennoch blickt sie mit einem guten Gefühl auf den Wahlkampf zurück. Sie habe viele tolle Erfahrungen gesammelt und neue Freunde gefunden. „Dass mir so viele, teilweise fremde Menschen ihr Vertrauen geschenkt haben, berührt mich“, erklärt Jung.

Insgesamt gingen am Sonntag nur 59 Prozent der Berechtigten zur Stichwahl. Das waren fast sieben Prozent weniger als bei der Hauptwahl vor zwei Wochen. „Das ist schon in Ordnung. Ehrlich gesagt hätte ich gedacht, dass noch weniger Bürger ihre Stimme abgeben“, erklärt Hilpüsch. Er war im ersten Wahlgang auf 47 Prozent der Stimmen gekommen, Jung dagegen nur auf 27,5. Ob dieser klare Vorsprung für viele Wahlberechtigte ein Anlass war, der Stichwahl fernzubleiben, darf vermutet werden. „Ich bin froh, dass überhaupt so viele Menschen ins Wahllokal gegangen sind und möchte mich bei all meinen Wählern und Unterstützern bedanken“ sagt Hilpüsch.

Zur Feier des Tages haben er und seine Ehefrau Simone eine große Fete im Sportlerheim des SV Baltersweiler organisiert. „Da gehen wir jetzt gleich hin“, erzählt Hilpüsch. Unter den Gästen erwartet er Freunde, Familie, SPD-Mitglieder, aber auch Anhänger anderer Parteien. „Ich bin für jeden offen. Das habe ich auch im Wahlkampf immer wieder betont und deshalb bin ich nicht für die SPD, sondern als Einzelbewerber angetreten“, erläutert er.

Bei der Wahlparty dabei sein wird auch Namborns amtierender Bürgermeister Theo Staub (SPD). Der ist von dem Wahlresultat begeistert. „Sascha ist durch seinen Sport und sein Amt als Ortsvorsteher so bekannt in der Gemeinde, da hatte es Judith Jung wirklich schwer“, analysiert er. Seine Amtszeit als Verwaltungschef endet am 30. November. Die Zeit bis dahin will er unter anderem nutzen, um seinen Nachfolger einzuarbeiten.



„Ich werde definitiv noch im Rathaus hospitieren. Ich will das Amt nicht unvorbereitet übernehmen“, sagt Hilpüsch zu dem Angebot. Dass sich sein Leben bald komplett ändern wird, kann er so kurz nach der Stichwahl noch gar nicht richtig fassen. Bis Dezember wird der Polizeihauptkommissar weiter in seinem Beruf arbeiten. Und was wird er als Rathauschef zuerst angehen? „Ich werde zuerst eine Personalversammlung einberufen und mich mit den Ortsvorstehern zusammensetzen“, kündigt Hilpüsch an. Er wolle in seinem neuen Job ein Teamplayer sein und mit allen Hand in Hand zusammenarbeiten.

So wurde abgestimmt.
So wurde abgestimmt. FOTO: SZ / Steffen, Michael
Judith Jung (Zweite von links) kann trotz der deutlichen Niederlage noch lächeln. Hier zusammen mit ihrem Mann Patrick.
Judith Jung (Zweite von links) kann trotz der deutlichen Niederlage noch lächeln. Hier zusammen mit ihrem Mann Patrick. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos
Sascha Hilpüsch feiert mit seiner Frau Simone den Wahlsieg.
Sascha Hilpüsch feiert mit seiner Frau Simone den Wahlsieg. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos