Klimafreundliche Kreisstadt: St. Wendel setzt auf Elektro-Mobilität

Klimafreundliche Kreisstadt : St. Wendel setzt auf Elektro-Mobilität

Die Verwaltung der Kreisstadt hat ein neues Auto in Dienst gestellt. Das wird mit „null Emission“ elektrisch betrieben.

Ganz leise ist ein hoher Summton zu hören, als Peter Klär sich hinter das Lenkrad klemmt und das Auto startet. Kein Motorengeräusch wie bei einem Otto- oder Dieselmotor ist vernehmbar und nach verbranntem Kraftstoff stinkt es auch nicht. Der St. Wendeler Bürgermeister strahlt übers ganze Gesicht und hat sichtlich Spaß mit dem neuen Auto, das die Kreisstadt St. Wendel kürzlich angeschafft und bei einem Pressetermin am gestrigen Donnerstag unterhalb des neuen Rathauses vorgestellt hat.

Auf den Seitenteilen des Transporters ist groß der Erdball abgebildet. Auf ihm stehen Windräder und Solaranlagen, die regenerativen Strom liefern – was durch ein grünes Kabel symbolisiert wird. Strom beziehungsweise Elektrizität ist es auch, woraus das Mobil seine Bewegungskraft schöpft. „Wir haben das rein elektrisch betriebene Fahrzeug als Dienstwagen für das Umweltamt angeschafft“, erklärt der St. Wendeler Verwaltungschef nach seiner kurzen Testfahrt auf dem Parkplatz der Kommunalverwaltung. Es ist bereits das zweite E-Auto, das St. Wendel einsetzt: Auch die Stadtreinigung geht seit Kurzem mit einem rein elektrisch angetriebenen Wagen auf Tour durch die Innenstadt. Und Mitarbeiter der Verwaltung haben bereits seit längerer Zeit die Möglichkeit, mit einem Elektrofahrrad, einem sogenannten E-Bike, Außentermine wahrzunehmen. Auch einen E-Roller hat die Stadt dafür im Angebot. „Der kommt etwa beim Marathon oder anderen Veranstaltungen in der Innenstadt zum Einsatz und bringt einen schnell von A nach B“, sagt Klär. Das liegt auch daran, „dass der Roller weniger als 20 Kilometer die Stunde schnell ist, und man damit auch durch die Fußgängerzone fahren kann“, erklärt Jürgen Rauber, Leiter des St. Wendeler Umweltamtes, das quasi der Heimathafen des neuen E-Mobils ist.

Das neue Elektro-Auto der Stadtverwaltung kommt aus Sotzweiler. Beziehungsweise vom dort ansässigen Nissan-Händler. „Bei den deutschen Autobauern haben wir leider nicht das gefunden, was wir uns vorgestellt haben“, sagt Klär dazu. Besonders gefällt dem Bürgermeister die Lautstärke des neuen Autos – oder besser gesagt sein leise sein. „Das Auto ist lärmfrei, was ganz wichtig für den Einsatz in der Innenstadt und auch Teil unseres Klimaschutzkonzeptes ist.“ Klär spricht vom „ersten großen Einsatzfahrzeug in unserer E-Mobil-Flotte“. Denn es sollen weitere folgen. Und nicht nur Autos, wie Umweltamtsleiter Rauber berichtet: „Ein alter mit Diesel angetriebenen Radlader soll in absehbarer Zeit außer Dienst gestellt werden. Darum testen wir momentan einen Radlader mir Elektroantrieb auf dem Gelände des alten Wertstoffhofs – und der ist bislang gut gelaufen.“ Anfang kommenden Jahres will die St. Wendeler Verwaltung daher einen eigenen E-Radlader anschaffen.

Die Anschaffung sei ein weiterer Baustein im Stadtentwicklungskonzept, sagt Klär, der den Einsatz der E-Fahrzeuge als „wichtigen Beitrag der Stadt zum Klimaschutz“ versteht, wie das auch im Abfallwirtschaftsskonzept vorgesehen sei. „Wir wollen das Thema Elektromobilität aktiv bearbeiten“, sagt Klär. Das bedeute unter anderem, dass St. Wendel die sogenannte Lade-Infrastruktur in Kooperation mit den Stadtwerken (SSW) weiter ausbauen werde. „Derzeit wird an den entsprechenden Konzepten gearbeitet und die Zuschussanträge werden vorbereitet.“

Dass die Kreisstadt verstärkt am Klimaschutz arbeitet, zeige sich auch an den Investitionen und Beteiligungen der Stadtwerke St. Wendel in regenerative Energieerzeugung (siehe Info-Kasten). Für die Beteiligungen hat die SSW nach Angaben der Stadtverwaltung 1 043 350 Euro aufgewendet und damit Investitionen von 54 100 000 Euro in regenerative Energieerzeugung ausgelöst. Die installierte Leis­tung beträgt demnach 35,21 Megawatt peak mit einem Ertrag von 59 493 Megawattstunden.

Insgesamt stammen inzwischen bereits 68 Prozent der aus dem Netzgebiet der Stadtwerke entnommenen Energie aus regenerativen beziehungsweise Kraftwärmekopplungs-Anlagen. Diese Energien werden lokal erzeugt und die Wertschöpfung erfolgt vor Ort – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Stellt man dem Strombedarf (100 Prozent) der Kapazität aus regenerativen Energieanlagen gegenüber, beträgt der Deckungsgrad sogar 126 Prozent. Damit sind die städtischen Elektrofahrzeuge vollständig regenerativ unterwegs – also mit null Emissionen.