Konzert: Letztes Konzert mit Freunden vor der Punkrockrente

Konzert : Letztes Konzert mit Freunden vor der Punkrockrente

Zehn Bands, aber nur 100 Besucher bei der zweiten Auflage des Benefiz-Festivals „Punk for Help“ im St. Wendeler Saalbau.

Der dicke Polizist tritt seinen Ruhestand an. Die Punkband hat nach 25 Jahren beim Benefiz-Festival Punk for Help im St. Wendeler Saalbau ihren letzten Bühneneinsatz absolviert. „Es war Zufall, es hat sich so ergeben, dass unser letzter Auftritt in St. Wendel stattfinden würde. Eigentlich sollte nach der zurückliegenden Tour schon Schluss sein“, erklärt Sänger Matthias „Schmatzel“ Schwickert. Alle seine Bandkollegen würden in anderen Projekten weitermachen, nur er sei zu alt und gehe in Punkrockrente. Beim Abgesang verurteilte der dicke Polizist mit den Songs „Zeitgeist“ und „Grenzenlos“ die Partei Alternative für Deutschland (AfD) und brummte deren Wähler ein ordentliches Knöllchen auf. Und am Ende sangen alle den „Punkrocksong“: „Ich weiß, dass ich kein Weltverbesserer bin. Doch Musik kann auch die Welt verändern, wie ihr alle wisst, und dafür gibt es den dicken Polizist“. Doch das ist nun vorbei.

Nur etwa 100 Besucher verschlug es am Konzertabend in den Saalbau. „Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal in eine kleinere Halle gehen“, sagte Pascal Rausch vom Punk-for-Help-Organisationsteam. Zehn mehr oder weniger bekannte Bands aus der Punkrock-Landschaft legten auf der Bühne los. Nach ein paar regionalen Kapellen trieb sich Skinpin aus Australien soundtechnisch in der Nähe von Black Flag rum. Kontrastprogramm. Skassapunka aus Mailand spielte eine furiose Mischung aus Ska, Punk mit Reggaeeinschlag, die für gute Laune sorgte. Textlich gegen Faschismus, Staat und Kapital, geben sich die Italiener eher sozial-kritisch und politisch. Wenn eine Band den Song „Straight American Slave“ von Rocket from the Crypt covert, müssen deren Mitglieder einen guten Musikgeschmack haben. Die Formation The Flatliners aus Toronto/Kanada gilt derzeit als eine der besten Bands im Hardcore-Punk-Genre. Warum? Auch in St. Wendel gelang ihnen der Spagat, Ohrwurm-Melodien mit ungestümer Härte zu vermengen. Für den Hardcore-Liebhaber vielleicht zu partytauglich, aber als Punkrock mal sanft, mal derb – eben immer modern.

Neben den Bands hatte das Festival noch einiges mehr zu bieten. Organisationen wie Viva con Agua und Antifa Saar waren im Foyer des Saalbaus mit einem Infostand präsent. Der Erlös des Festivals kommt der Arbeit des St. Wendeler Netzwerks für Flüchtlinge zugute.

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