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Braidon Morris über das Zauberfest in St. Wendel

Interview Braidon Morris : „Als Zauberer muss man auch Entertainer sein“

Der Magier tritt beim Wettbewerb in St. Wendel an. Doch ums Gewinnen geht’s ihm nicht. Für ihn sind andere Dinge wichtiger.

St. Wendel Braidon Morris aus Lancaster in Schottland zeigt seine Show  in der ganzen Welt. Beim St. Wendeler Zauberfest ist er Stammgast. Warum er so gern in der Kreisstadt auftritt und welche Tricks er dort zeigt, verrät er im SZ-Interview.

Herr Morris, wann sind Sie zum ersten Mal in die magische Welt eingetaucht?

Braidon Morris Ich zaubere seit Kindheitstagen. Das ging schon im Kindergarten mit einem Zauberkasten los. In meiner Jugend habe ich dann mal mehr und mal weniger geübt. Und irgendwann habe ich die Zauberei zu meinem Beruf gemacht.

Gab es einen Zauberer, der Sie besonders inspiriert hat?

Morris Einen nicht, es gab viele. Zum Beispiel Hardy, den kennt die ältere Generation vielleicht noch, und David Copperfield.

Hatten Sie einen Lehrer, der Ihnen das Zaubern beigebracht hat?

Morris Ich bin in den Magischen Zirkel eingetreten. Da bekommt man einen Mentor zur Seite gestellt, der einen eine Zeitlang begleitet. Aber einen Lehrer in dem Sinne hatte ich nicht. Ich habe mir das Zaubern selbst beigebracht.

Ist es einfacher, Kinder oder Erwachsene zu beeindrucken?

Morris Einfacher ist es, Erwachsene zu täuschen. Kinder denken anders. Da ist es viel schwieriger, die hinters Licht zu führen. Da habe ich schon viel Lustiges erlebt.

Was denn?

Morris Ich habe mal eine Nummer aufgeführt, da wurde die Aufmerksamkeit des Publikums extra in eine andere Richtung gelenkt, um den Ablauf meines Tricks zu vertuschen. Aber etliche Kinder haben sich nicht ablenken lassen. Und nach dem Auftritt haben sie mir dann erklärt, wie mein Kunststück funktioniert. Da war ich schon ziemlich fertig.

Gibt es noch Tricks, von denen Sie nicht wissen, wie sie funktionieren?

Morris Die Trick-Prinzipien, derer die Zauberer sich bedienen, sind begrenzt. Von 100 Kunststücken, die ich sehe, weiß ich von 99, wie sie funktionieren. Und bei dem einen komme ich auch noch dahinter.

Würden Sie ihre Kollegen fragen, um herauszufinden, wie dieser eine Trick funktioniert?

Morris Man redet schon mit Kollegen über Kunststücke. Und dann kann man auch fragen, wie die gehen. Es gibt aber Zauberer, die ihre Tricks ganz geheim halten wollen. Aber in den Zeiten von Youtube und Google sind diese Geheimnisse meist doch ganz schnell gelüftet.

Sie selbst treten auf großen Bühnen und der Straße auf. Gibt es da einen Unterschied?

Morris Ich sage immer, wer auf der Straße besteht, besteht auf allen Bühnen. Auf der Straße hat man keine Hilfsmittel, sondern nur den direkten Kontakt zum Publikum. Auf der Bühne hat man spezielles Licht, Technik und etliche Leute, die im Hintergrund mithelfen.

Haben Sie in St. Wendel auch ein Helferteam dabei?

Morris Nein. Straßenzauberer arbeiten generell immer alleine. Man kommt da mit seinem Köfferchen an, hat vielleicht noch eine kleine Beschallungsanlage dabei, und dann stellt man sich an seinen Platz und legt los.

Sie waren schon oft beim Zauberfest in St. Wendel dabei. Was zeichnet die Veranstaltung aus?

Morris Es ist eine sehr familiäre Veranstaltung, das hat sich über die Jahre so entwickelt. Unter Zauberern ist das ein sehr beliebtes Festival. Es kommen Magier aus der ganzen Welt. Deshalb ist das Fest zu einem Treffpunkt für uns geworden. Außerdem mag ich die tolle Organisation und die kleine, quirlige Innenstadt. Die ist prädestiniert, um so etwas auszurichten.

Was haben Sie dieses Mal für die Besucher vorbereitet?

Morris Das verrate ich noch nicht.

Gibt es einen Lieblings-Trick, der in keiner ihrer Shows fehlen darf?

Morris Seit etwa zwei Jahren habe ich immer so eine Geschichte dabei, die ich mit den Kindern aus dem Publikum erzähle. Da gibt es ein Mädchen, das die Prinzessin spielt. Die sucht verzweifelt einen Mann zum Heiraten. Drei weitere Kinder mimen je einen Drachen, einen Kerkerburschen und einen Frosch. Die Wahl der Prinzessin fällt auf den Frosch, der in einen Prinzen verwandelt werden muss. Das ist jetzt zwar nicht das größte Zauberkunststück. Aber es ist eine schöne Geschichte, die auf der Straße gut funktioniert.

Wir wichtig ist es denn für Sie, nicht nur zaubern zu können, sondern auch ein Entertainer zu sein?

Morris Um heute als Zauberkünstler bestehen zu können, muss man Entertainer sein. Ich trete seit vielen Jahren auch auf Kreuzfahrtschiffen auf und sehe da viele Kollegen badengehen. Die Zauberei ist nicht mehr die, die sie vor 100 Jahren war. Damals gingen die Menschen in ein Theater, um Zauberei zu sehen. Viele glaubten wahrscheinlich noch an Magie. Aber heute, in so einer informativen Welt, ist der Glaube an die Zauberei verloren gegangen. Die Leute sind daher mehr auf Unterhaltung aus. Sie wollen lachen. Wenn auf der Straße jemand nur ernst seine Tricks vorführt, funktioniert das nicht mehr. Da würden die Leute nicht lange stehen bleiben.

Wer ist bei dem Wettbewerb in St. Wendel ihr härtester Konkurrent?

Morris Das kann ich nicht sagen. Ich würde niemanden als Konkurrenten bezeichnen. Die Jury entscheidet, welche Show am besten ist. Ich trete in St. Wendel gar nicht bewusst in dem Wettbewerb an.

Sie kommen also nicht in die Kreisstadt, um zu gewinnen?

Entertainer, Comedian und Zauberkünstler – Braidon Morris bezieht sein Publikum gern in seine Tricks mit ein. Foto: Braidon Morris

Morris Nein. Ich glaube, das machen nur ganz Wenige. Die meisten Künstler kommen nach St. Wendel, um Spaß zu haben. Dieses Festival hat sich in den vergangenen Jahren weltweit einen Ruf aufgebaut, dem man als Künstler gerne folgt. Wenn man noch einen Preis gewinnen sollte, freut man sich darüber. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm.