Blick ins Lagezentrum im Landkreis St. Wendel

Wenn Unwetter toben : So funktioniert das Lagezentrum im Landkreis St. Wendel

Wenn ein Unwetter die Region trifft so wie am vergangenen Freitag, nimmt die zentrale Einsatzstelle im Landratsamt ihre Arbeit auf. Die SZ hat sich Technik und Ablauf angeschaut.

Mit einem beherzten Ruck öffnet Heiko Schneider die Stahltür. Dahinter verbirgt sich der Bunker des Landratsamtes. Zu Zeiten des Kalten Krieges, so berichtet der Sachbearbeiter Katastrophenschutz, seien die Räumlichkeiten im Falle des Falles als Ausweichquartier für die Führungsspitze des Landkreises gedacht gewesen. Inzwischen ist hier das Kreislagezentrum und damit jede Menge moderne Technik eingezogen.

An diesem Nachmittag ist der Bunker verwaist. Denn das Lagezentrum wird nur bei Bedarf besetzt. Beispielweise bei Hochwasser oder Unwetter wie vergangenen Freitag. Da saßen zunächst vier, später fünf Feuerwehrleute vor den insgesamt zwölf Monitoren und koordinierten die Einsätze. „Wenn sich eine solche Unwetterlage ankündigt, werden die Prognosen in der Leitstelle auf dem Saarbrücker Winterberg überwacht“, erklärt Dirk Schäfer, Brandinspekteur des Landkreises St. Wendel, das Prozedere. Ergeben sich konkrete Wetterwarnungen für einzelne Regionen, setze sich der Führungsdienst in Saarbrücken mit dem jeweiligen Kreisbrandinspekteur in Verbindung. Dieser informiere wiederum die Wehrführer und entscheidet letztlich, ob das Lagezentrum besetzt wird. „Es ist wichtig, einen Vorlauf zu haben“, betont Schäfer.

Heiko Schneider und Dirk Schäfer (von links) haben mit Magnet-Wagen Einsatz-Positionen auf der riesigen Landkarte markiert. Foto: Evelyn Schneider

Sechs Arbeitsplätze gibt es in diesem Lagezentrum. Zwei davon seien das Abbild der Rechner in Saarbrücken. Alle Notrufe, die dort eingehen, sind darauf zu sehen. Vier Arbeitsplätze konzentrieren sich auf den Landkreis St. Wendel. Mit einem Mausklick ruft Dirk Schäfer eine Seite auf, die Einsätze in der Region abbildet. Auch diese laufen über Saarbrücken ein, sind aber bereits von der Software automatisch dem Landkreis und somit den einzelnen Gemeinden zugeordnet. „Wir sehen, für wen der Einsatz ist und worum es geht“, erklärt der Brandinspekteur. Die Software soll in Kürze nochmals aktualisiert werden, sodass die Löschbezirke direkt aus dem Lagezentrum alarmiert werden können. Das erspare künftig den Umweg, nach Saarbrücken zu funken, welche Einheiten alarmiert werden sollen.

„Das Lagezentrum soll auch eine Entlastung für die Leitstelle sein, die die Notrufe annehmen muss“, sagt Schäfer. Es sei das Bindeglied zwischen Saarbrücken und den Kommunen. Denn auch mit den Zentralen in den einzelnen Gemeinden steht das Team des Lagezentrums in stetigem Kontakt. Auf den Monitoren ist auch ersichtlich, welche Fahrzeuge gerade im Einsatz oder noch verfügbar sind. Die Gemeinden im St. Wendeler Land werden auf das Team im Lagezentrum aufgeteilt. Da sich nicht jeder in jeder Kommune perfekt auskennt, kommt bei gemeldeten Einsatzorten die Technik zur Hilfe. Kartenmaterial und Satellitenbilder ermöglichen die genaue Orientierung.

Magnete in Form von Einsatzwagen der Feuerwehr, Polizei, des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes. Foto: Evelyn Schneider

Typisch für plötzliche lokale Unwetter: In kürzester Zeit laufen die Einsätze auf. „Daher müssen Prioritäten gesetzt werden“, erklärt Schäfer und hofft auf Verständnis. Vergangenen Freitag habe er öfter erlebt, dass Leute selbst tätig wurden und beispielsweise Äste von Straßen räumten. Dennoch summierten sich die Hilfeersuchen bei der Feuerwehr auf 50. Telefon, Fax sowie zwei Fernseher komplettieren die technische Ausstattung in diesem Teil des Bunkers. Was, wenn es zu einem Stromausfall kommt? „Darauf sind wir vorbereitet“, sagt Heiko Schneider. Ein Notstromaggregat springe bei Bedarf an.

Betrachtet man sich aufmerksam einige der Unwetteraufnahmen von vergangenem Freitag, so waren an der ein oder anderen Stelle bereits kleine Ansätze eines Tornados zu erkennen. „Wir hatten Glück im Unglück“, sagte Dirk Schäfer der SZ daher unmittelbar nachdem die Gewitterzelle den Landkreis St. Wendel passiert hatte. Auch mit Blick auf Luxemburg, wo ein Tornado gewütet hatte. Sollte das St. Wendeler Land einmal stärker getroffen werden, ein Unwetter-Großereignis oder gar der Katastrophenfall eintreten, so wird das Lagezentrum entsprechend erweitert. In einem anderen Raum sind Rechner aufgebaut und mit Zetteln versehen. Auf diesen ist „THW“, „Bundeswehr“, „Polizei“ oder „DLRG“ zu lesen. „Wird es heftiger, kommen Fachberater dazu“, erläutert Schneider.

Nicht nur Feuerwehrleute, sondern auch Fachberater von anderen Hilfsorganisationen oder Institutionen haben Arbeitsplätze im Bunker. Foto: Evelyn Schneider

Ein paar Schritte weiter geht es in den nächsten Raum. Eine Karte des Landkreises nimmt hier eine komplette Wand ein. Außerdem ist hier noch ein riesiges Whiteboard angebracht. Und es gibt jede Menge Magnete in Form von Autos: Rot für die Feuerwehr, Grün für die Polizei, Blau für das Technische Hilfswerk (THW) und Weiß für das Deutsche Rote Kreuz (DRK). „Wir können die Autos Einsatzstellen zuordnen. So haben wir eine Übersicht, wer draußen ist“, sagt Schneider. Ein Beamer, weitere Rechner und zwei Bürgertelefone gehören ebenfalls zur Einrichtung. Letztere werden bei Bedarf aktiviert und die Nummern kommuniziert.

Sollte der Landkreis beispielsweise von einem größeren Unwetter getroffen werden, so gibt es zwei Ebenen im Katastrophenstab. Zum einen der operativ-taktische Stab, der im Bunker Stellung bezieht und „praktisch arbeitet“, wie es Heiko Schneider einordnet. Zum anderen der administrativ-organisatorische Stab mit dem Landrat an der Spitze. Dieser komme im Sitzungssaal zusammen. „Wir haben die Möglichkeit, die Informationen, die auf den Monitoren im Bunker auflaufen, in den Sitzungssaal zu übertragen“, erklärt Schäfer. So könnten die Verwaltungsmitarbeiter und Landrat Udo Recktenwald (CDU) den aktuellen Stand sehen und gegebenenfalls Entscheidungen fällen, die das Team im Bunker nicht treffen kann. „Zum Beispiel wenn es um Finanzen geht“, ergänzt Schneider.

So wie das Lagezentrum aktuell eingerichtet ist, präsentiert es sich noch nicht lange. Nachdem es in Folge eines Unwetters zu Beginn des Jahres wieder einmal in Betrieb gegangen war, sei aufgefallen, wo es noch hakt. „Deshalb haben wir die Anordnung verändert“, sagt Schneider. Optimale Abläufe seien wichtig.

Insgesamt, so bilanziert Schäfer, sei der Landkreis St. Wendel sehr gut aufgestellt. Diese Einschätzung teilt auch Landrat Udo Recktenwald. „Es ist wichtig, ein solches Zentrum zu haben, in dem die Fäden zusammenlaufen.“ Zumal davon ausgegangen werden müsse, dass solche Unwetterlagen zunehmen. Trotz der zentralen Leitstelle in Saarbrücken sei es wichtig, eine solche Anlaufstelle im Landkreis zu haben.

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