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Saar-Tatort: So realistisch sind die Hacker-Angriffe im Tatort

Saar-Tatort : So realistisch sind die Hacker-Angriffe im Tatort

Handys ausspähen, Rechner verseuchen oder digitalisierte Autos fernsteuern: Viele Gefahren, die der SR-„Tatort“ zeigte, sind real.

Ein digitalisiertes Auto, das vor der Fahrt den Puls des Fahrers misst, ebenso wie dessen Alkoholpegel und die Körpertemperatur: So wurde im SR-„Tatort“ am Montagabend im Ersten Firmenjustiziar Sebastian Feuerbach durchleuchtet, bevor er ein letztes Mal Gas gab. Doch wie realistisch ist das überhaupt?

„Sämtliche Körperfunktionen zu erfassen, ist absolut realistisch. Der Film war da noch harmlos“, sagt Horst Wieker, Professor für Kommunikationstechnik und Leiter der Forschungsgruppe Verkehrstelematik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Es gebe auch schon Sensoren, die Hirnströme messen, um Aussagen zu treffen, in welchem Zustand der Fahrer ist. „Man muss ziemlich genau hinschauen, wer hinter dem Lenkrad sitzt“, sagt Wieker. Seinen Studierenden zeige er gerne einen Comic, in dem ein mannshoher schwerer Sack auf den Fahrersitz gelegt wird und das autonome Auto dann losfährt. So plakativ ist die Wirklichkeit nicht, aber die Kontrollfunktionen sollten nicht überlistet werden können.

Im „Tatort“ knackt IT-Spezialist Marco Fichte den Prototypen des vollvernetzten, autonom fahrenden Autos. Infolge bringt Firmenchef Victor Rousseau den Wagen unter seine Kontrolle und steuert das Auto mit Feuerbach an Bord in den tödlichen Abgrund. „Ja, die Problematik ist wirklich die mit dem Hacken“, sagt Professor Wieker. Bei den digitalisierten Autos werde nicht mehr über eine Mechanik gelenkt und Gas gegeben, sondern über elektrische Impulse. „Verschaffe ich mir dann Zugang zum Fahrzeug, kann ich das Fahrzeug übernehmen. Und wenn dann sicherheitstechnisch nicht sauber gearbeitet wird, kann es sein, dass es Leute dazu nutzen, um eben nicht bloß den Wagen von außen in eine Parklücke zu steuern, sondern irgendwelche Sachen machen, die uns dann nicht gefallen.“ Doch vor der Gefahr könne man sich schützen und so eine sehr hohe Sicherheit gewährleisten. „Man muss sauber arbeiten. Die Hersteller arbeiten mit Hochdruck an der Sache“, sagt Wieker. So gebe es im Autosystem Plausibilitätsprüfungen: Fährt das Auto im Hochsommer auf Sizilien, könne ihm nicht suggeriert werden, es gebe Glatteis.

Wieker findet es gut, dass im „Tatort“ die Bevölkerung für die Gefahren von digitalen Datensammlungen sensibilisiert wird. Das digitale Auto, bei dem Versicherer Interesse an den Daten der Fahrer hätten, sei ein Beispiel von vielen in unserem Alltag. „Es gibt die sogenannte digitale Identität, von der man leicht Rückschlüsse auf die reale Person ziehen kann. Diese Information wird auch als Beweis verwendet“, warnt er. Etwa wenn im „Tatort“ dem Justiziar Feuerbach Kinderpornos auf den Rechner gespielt werden, sei es schwer nachzuweisen, dass er sie nicht selbst heruntergeladen habe. „Die einen sagen, das sei Schwarzmalerei von Technik. Ich finde nein. Wenn das Bewusstsein in der Bevölkerung sensibilisiert wird, dann wird auch jeder etwas kritischer mit der Technik umgehen und ein bisschen aufpassen, was passiert“, sagt er.

Während im „Tatort“ die Polizei zuweilen mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung hadert und Kommissar Jens Stellbrink unbedarft im Netz Privates postet, ist das Thema Cyber-Sicherheit für die saarländische Polizei im wahren Leben kein Neuland, versichert Polizeisprecher Falk Hasenberg: „Seit zwei Jahren gibt es dafür die Dienststelle für Cyber-Kriminalität, die aus Polizeibeamten und speziell geschulten Informatikern besteht.“ Wie viele Personen dort arbeiten, dürfe er aus taktischen Gründen nicht verraten. Die Einheit ermittele bei Straftaten, die tiefergehende IT-Kenntnisse voraussetzten. „Die Klassiker sind das Ausspähen und Abfangen von Daten“, sagt Hasenberg. Dass der Betrüger Fichte im „Tatort“ sich von seinem Auto aus ins Smartphone des vor ihm auf dem Motorrad sitzenden Stellbrinks hacken könne, sei technisch theoretisch über das drahtlose Internet möglich, komme aber stark auf das Handy an. „Die Diensthandys der Polizei sind anders gesichert als die Privatgeräte“, sagt er. Zu Vorsicht rät er dennoch bei öffentlichen WLan-Hotspots.

Am Ende entsorgt Kommissar Stellbrink sein Smartphone und greift auf den Stadtplan zurück. So weit zurück in die vordigitale Zeit müsse die Polizei aber nicht gehen, meint Hasenberg: „Die Polizeiwagen verfügen über installierte Navigationsgeräte.“ Dann müsste Stellbrink aber wohl von der Vespa auf das Auto umsteigen.