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Zusammenhalt ist Scheidens Stärke

Etwas zögerlich fanden sich die Scheidener Bürger in der Dorfmitte bei den Scheidener Stuben zum Gruppenfoto ein. Doch kurz nach der angesetzten Uhrzeit standen doch noch viele Einwohner zum Foto parat. Von SZ-MitarbeiterinRuth Solander



Scheiden ist wegen seiner Höhenlage und der ausgedehnten Wälder, die das Dorf umgeben, ein gern besuchter Ferienort. Gleich drei Wanderwege - Felsenweg, Hochwaldsteig und Tafeltour - laden dazu ein, die Gegend im Hochwald zu erkunden. 2011 erreichte Scheiden beim Wettbewerb "Unser Ort hat Zukunft" kreisweit den zweiten Platz. "Der Erfolg ist auf viel Eigeninitiative unserer Dorfbevölkerung zurückzuführen" sagt Ortsvorsteher Hubert Thiery stolz. Das ist auch das Aushängeschild des Dörfchens: der gute Zusammenhalt, wenn es darum geht, gemeinsam etwas zu erreichen.

Über die Gemeindegrenzen hinaus ist bekannt, dass man in Scheiden nicht nur eins mit der Natur ist, sondern auch richtig zünftig feiern kann. Das Dorffest wird immer an Christi Himmelfahrt gefeiert. Von überall her strömen an diesem Tag Wandergruppen und Besucher, die sich in Scheiden wohlfühlen. Seit drei Jahren wird nicht mehr auf dem Dorfplatz gefeiert, sondern rund um das Bürgerhaus.

Der Erlös des Dorffestes fließt zur Hälfte in die Kassen der Vereine und zur Hälfte in die Infrastruktur des Dorfes. Seit Beginn Mitte der 80er Jahre sind rund 100 000 Euro für das Dorf zusammengekommen. Auch der Weihnachtsmarkt, der seit 20 Jahren besteht, ist ein fester Bestandteil im Kalender von Scheiden. Hier wurden seit 1996 rund 40 000 Euro für wohltätige Zwecke in der Region gespendet.

Bei den Vereinen im Ort ist einiges los: Der Heimat- und Verkehrsverein führt alle zwei Jahre ein Theaterstück auf. Passend zum 100-jährigen Bestehen der freiwilligen Feuerwehr in diesem Jahr heißt das Stück, das im September gespielt wird, "Das alte Feuerwehrlied". Der Obst- und Gartenbauverein ist sehr aktiv im Ort und hat eine Obstbaumallee von der Kirche bis zum Awo-Heim (ehemals Paradies) gepflanzt. Außerdem pflanzt der Verein für jedes Neugeborene in Scheiden einen Baum.

Der Jugendclub ist in einem modernen Container beim Bürgerhaus untergebracht. Am Sonntagmorgen heißt es "Jung trifft Alt" im Jugendclub. Bei einem kleinen Umtrunk unterhalten sich mehrere Generationen über Gott und die Welt. "Dieser Termin wird sehr gut wahrgenommen und ist für alle Altergruppen eine Bereicherung", sagt Thiery. Daneben gibt es den Kirchenchor, die Frauengemeinschaft, das Rote Kreuz und den Karnevalverein. Seit 2009 hat sich eine Gruppe von Liebhabern alter Automobile zusammengeschlossen und nennt sich Roadrunners. Der Club unternimmt einmal im Jahr im Konvoi eine Ausfahrt.

Zu erwähnen ist auch die IG Spielplatz, die in Eigenregie und mit Unterstützung der Ortsratsmitglieder einen Bolzplatz geschaffen hat. 2012 wurde ein Spielplatzturm mit allem Drum und Dran in Kooperation mit der Gemeinde aufgestellt. "Viele Kinder kommen mit ihren Eltern sogar aus anderen Ortsteilen, um sich auf dem schönen Spielplatz auszutoben", sagt Thiery. Die Kinder aus dem Ort gehen in den Kindergarten Bergen, die Grundschüler fahren nach Losheim. "Scheiden liegt etwas abseits, deshalb ist die Busverbindung nach Merzig nicht gerade optimal", erklärt der Ortsvorsteher. Dafür nutzen viele ältere Menschen den Marktbus, der dreimal die Woche nach Losheim fährt. Da es im Dorf keine Geschäfte gibt, bringt ein Bäckerauto täglich Backwaren ins Dorf. Unverzichtbar ist auch ein rollender Kaufladen aus der Eifel.

Woran es in Scheiden aktuell mangelt, ist ein guter Internetanschluss. Ein weiterer Nachteil ist das fehlende Bauland. "Es würden sich gerne Familien hier im Ort ansiedeln, aber leider gibt es keine Baugrundstücke mehr", bemängelt Thiery, der seit über vier Jahren Ortsvorsteher ist. Zudem befinde sich in Scheiden nur noch eine Gaststätte mit Unterkunftsmöglichkeiten für Feriengäste und eine private Ferienwohnung.