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Pendler zwischen den Saar-Ufern

Natur pur, Wasser und Sonne: Matthias Mann liebt seinen Beruf als Fährmann. Foto: Rolf Ruppenthal
Natur pur, Wasser und Sonne: Matthias Mann liebt seinen Beruf als Fährmann. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Dreisbach. Ferien, dazu Sommer und Sonne pur: Wo die einen an lauschigen Orten ihre Ferien in vollen Zügen genießen, müssen andere arbeiten. Die SZ stellt Leute vor, die in der schönsten Zeit des Jahres keinen Urlaub machen können. Von SZ-RedakteurinMargit Stark

220 Meter, immer die gleiche Strecke - und doch immer neu. "Die stets wechselnde Windrichtung garantiert, dass das Anlegen jedes Mal zur Überraschung wird", verrät Matthias Mann augenzwinkernd. Seit März vergangenen Jahres hat der 48-Jährige seinen Arbeitsplatz an der Saar, am Fuße der Cloef und Burg Montclair - dort, wo andere den Urlaub genießen. Sein Reich: die Welles, neun Meter lang, drei Meter breit, mit vier orangefarbenen Rettungsringen, einem Steuerstand, vier Holzbänken, zwei Ankern und einem Mast - die einzige Fähre des Saarlandes. "Neben meinem Ausbilder Waldemar Lost bin ich der Zweite, der einen Führerschein für Fähren besitzt", sagt der Familienvater stolz. 180 "Fahrstunden" hat er mit seinem Lehrer und Vorgänger absolviert, bevor er alleine auf der Saar schippern durfte. Neben Theorie und Praxis für die Lizenz war auch ein Sprechfunkschein erforderlich, wie der ehemalige Außenmitarbeiter einer Werbefirma erzählt. Statt Bürgermeister landauf, landab für Geschenke zu begeistern, die sie zu Jubiläen oder zu sonstigen Anlässen präsentieren, tuckert der Wahl-Nunkircher mit 24 PS über den Fluss, bringt Wanderer und Radfahrer von einem Ufer zum anderen. "Ich hatte mal einer Mitarbeiterin der Cloef-Touristik erzählt, dass ich gerne mal ein Boot hätte. 2010 hat sie mich dann gefragt, ob es auch eine Fähre sein könnte." Grund: Waldemar Lost, damals leicht über 70, schickte sich an, die Kommandobrücke zu verlassen, suchte einen Nachfolger. Der Mannsche Familienrat stimmte dem Sprung vom Land aufs Wasser zu, gab seine Zustimmung zu einem Job, bei dem Ferien machen in der schönen Jahreszeit tabu ist. Von April bis Oktober ist Matthias Mann täglich von zehn bis 17.50 Uhr an Bord.

"Den Wechsel habe ich nicht bereut", gesteht der Hochwälder und macht die Leinen los. Die Glocke auf der anderen Saarseite hat geläutet, für ihn das Signal "Hol iwwa". Das Ehepaar sind für ihn die ersten Fahrgäste an diesem Tag. "Auch wenn noch so viele Passagiere auf eine Überfahrt warten, ich darf nur zwölf Leute transportieren" - so viele Rettungswesten hat er für den Notfall auch an Bord. Er wirft den Motor an, tuckert los. Sanft durchschneidet die flache Fähre ohne Kiel die Wellen, die in der Sonne silbern glänzen. Ein kurzes Wendemanöver, die Fähre ist gelandet. Das freudige "Guten Morgen", das er den beiden Wanderern entgegenschmettert, scheint deren Festtagslaune weiter zu heben. "Das ist das Schöne an meinem Job. Die Leute sind in Urlaubsstimmung und daher immer gut drauf", strahlt er und blickt sich in der Idylle herrlicher Natur um: "Herrliche Natur, wunderschönes Sommerwetter, gut gelaunte Kunden: Was will ich mehr?", fragt er und nimmt wieder Kurs auf den Ausgangspunkt.

Mit einer Hand hat er das Steuer umklammert, gibt mit der anderen Gas. "Hinter der ersten Baumreihe nistet eine Reiherkolonie. Schauen Sie doch mal durchs Fernglas. Dann können Sie die Tiere gut beobachten" - ein Insidertipp, dem die Fahrgäste nachkommen. Wieder ein kurzes Wendemanöver, ein sanfter Ruck, das Metall der Welles klackt auf den hölzernen Anlegesteg. Das Ehepaar verabschiedet sich, setzt seine Tour fort. "Wie viele Gäste ich an einem Tag habe, kann ich nie vorhersagen", sinniert er und blickt dem Paar nach, das Richtung Dreisbach marschiert. "Der Rekord waren 734 Fahrgäste an einem Tag. An dem Samstag im März, als es so geschneit hat, habe ich 13 Fahrgäste übersetzt. An dem Sonntag waren es 35. Es gibt Tage, da reißt es einfach nicht ab. An anderen kommt kaum jemand."

Auch wenn in Sachen Besucher Ebbe ist, Langeweile kennt er nicht, wie er verrät. "Ich habe immer was zu tun - entweder Reparaturen an der Fähre oder was in meiner Baubude", sagt er und winkt fröhlich einem Autofahrer entgegen, der Kurs auf den Parkplatz an der Fähre nimmt.

Josef Donnhäuser mit Enkel Elias kommt zu Besuch - im Gepäck: ein Monstertruck eines Chevrolets des Merzigers, ein Freund rasanter Schlitten in Miniformat. "Ich wollte mal ein Auto auf die Fähre bringen", lacht er. Kennen gelernt hat sich das muntere Trio durch die Flitzer, die Opa und Enkel am Rande der Saar starten. "Manches Mal darf ich auch mal fahren", lacht Matthias Mann. "Wenn dann meine Frau Anja rein zufällig vorbeikommt, meint sie, ich habe das ganze Jahr Urlaub. Meinem Sohn Maximilian macht es hier auch viel Spaß."



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Auf einen BlickIn Betrieb: April bis Oktober: täglich von 10 bis 17.50 Uhr, Montag Ruhetag. Wenn montags Feiertag ist, verschiebt sich der Ruhetag auf Dienstag. November und März: Fahrbetrieb an den Wochenenden. Dezember bis Februar geschlossenKosten pro Überfahrt: Erwachsene zahlen zwei Euro, Kinder unter 15 Jahren 50 Cent, für einen Fahrrad-Transport sind 50 Cent zu zahlen, eine Zehnerkarte für Erwachsene kostet 16 Euro.