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Hart, aber fair

Saarbrücken. "Rugby mit American Football ist wie Tennis mit Golf zu vergleichen: Die haben nur gemeinsam, dass mit einem Schläger gegen einen Ball gehauen wird", beschreibt Christophe Audier, Spieler des einzigen saarländischen Rugby-Vereins Stade Sarrois, den leidigen Vergleich der beiden Sportarten Von SZ-Mitarbeiter Sebastian Zenner

Saarbrücken. "Rugby mit American Football ist wie Tennis mit Golf zu vergleichen: Die haben nur gemeinsam, dass mit einem Schläger gegen einen Ball gehauen wird", beschreibt Christophe Audier, Spieler des einzigen saarländischen Rugby-Vereins Stade Sarrois, den leidigen Vergleich der beiden Sportarten. Initiator und Clubgründer Benjamin Waschk pflichtet ihm bei: "Die einzige Gemeinsamkeit ist die Form des Balls. Rugby ist viel dynamischer und athletischer. Man braucht die Füße, die Hände und den Kopf. Rugby ist hart, aber fair."Keine Schutzkleidung Rugby-Spieler tragen zudem - anders als beim Football - keine Schutzkleidung. "Bei uns gibt es nicht mehr und nicht weniger Verletzungen als in anderen Sportarten. Die häufigsten sind Prellungen und blaue Flecke", stellt Pressewart und Mannschaftskapitän Waschk klar. Ganz so einfach lässt sich die Verwandtschaft beider Spiele aber nicht leugnen. Die Gemeinsamkeiten liegen vor allem in der prinzipiellen Spielanlage mit dem vorrangigen Ziel: Raumgewinn. Das übliche Rugby-Feld hat in etwa die Maße eines Fußballplatzes, also 100 mal 60 Meter, an dessen Enden jeweils eine Endzone, das Malfeld, markiert ist. Die meisten Punkte (fünf) aller Angriffsarten werden erzielt, wenn der Ball im Malfeld abgelegt wird. Eine weitere Möglichkeit zu punkten, ist der Kick (Schuss) des eiförmigen Balls mit dem Fuß über die in der Endzone stehenden Torstangen. "Der Trend in Deutschland geht klar aufwärts. Wir haben sogar schon echte Fans", sagt der Vorsitzende des Vereins, Eric Girard, und lacht. Über ein richtig breites Publikum würden sich alle Mitglieder von Stade Sarrois genauso freuen wie über neue Mitspieler. Pressewart Waschk appelliert an alle Interessenten: "Jeder ist für Rugby geeignet. Egal, welche körperlichen Voraussetzungen, welches Alter oder Geschlecht. Wir freuen uns über jeden, der an unserem Sport interessiert ist." Sogar eine Frauen-Mannschaft ist im Aufbau. Bereits fünf junge Damen trainieren gelegentlich mit der Herren-Mannschaft und würden sich über Verstärkung freuen. Mit Matthias Harth gibt es auch einen Jugendwart, allerdings bislang ohne Spieler. Hier würde dem Verein ein so dringend gesuchter Trainingsplatz weiterhelfen. Momentan wird auf der Wiese an der Bismarckbrücke in Saarbrücken trainiert. Zweitliga-Aufstieg als ZielDie Mitgliederzahl bewegt sich stetig nach oben. Derzeit hat der 2008 gegründete Verein 45 Mitglieder, darunter 40 aktive Spieler im Durchschnittsalter von 23 Jahren. Die meisten sind aus reinem Interesse an der Randsportart beigetreten, nur wenige besitzen Erfahrungen aus anderen aktiven Rugby-Mannschaften. Einer, der die benötigte Erfahrung vorweisen kann, ist der argentinische Trainer Horacio Gumhold. Er spielte schon aktiv für Clubs in seinem Heimatland, Großbritannien und Deutschland. Gumhold trainiert seine junge Mannschaft derzeit in der Regionalliga Rheinland/Pfalz mit dem Ziel, in zwei Jahren in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Als Erfolgsrezept kann sich die Kameradschaft der Mannschaft herausstellen, die Kapitän Waschk hervorhebt: "Sowohl im Training als auch im Spiel gibt's zwar auf die Mütze. Aber danach gibt man dem Gegner die Hand, das ist bei uns so." Rugby ist eben hart, aber fair.



Auf einen BlickDie Rugby-Mannschaft von Stade Sarrois trainiert mittwochs ab 18 Uhr und samstags ab 13 Uhr auf einer Wiese an der Bismarckbrücke in Saarbrücken, gleich neben "Potato Island". Wer Interesse hat, kann laut Verein einfach vorbeikommen. An diesem Samstag bestreitet sie um 16 Uhr ihr letztes Heimspiel der Regionalliga-Saison im Forbacher Rugby-Stadion in der Rue de Schoeser gegen Andernach. zen