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Die skandinavische Leichtigkeit des Seins

Saarbrücken. Sie bringt eine frische Brise skandinavischer Leichtigkeit des Seins an die Saar und ist eine durch freudigen Eifer und Qualität begeisternde Zierde ihrer Zunft. Seit nunmehr 25 Jahren ist Charlotte Nyborg Soloharfenistin im Saarländischen Staatsorchester und in ihrer aufgeschlossenen Art ein Gewinn für die gesamte hiesige Musikszene. Während der Proben zum 7

Saarbrücken. Sie bringt eine frische Brise skandinavischer Leichtigkeit des Seins an die Saar und ist eine durch freudigen Eifer und Qualität begeisternde Zierde ihrer Zunft. Seit nunmehr 25 Jahren ist Charlotte Nyborg Soloharfenistin im Saarländischen Staatsorchester und in ihrer aufgeschlossenen Art ein Gewinn für die gesamte hiesige Musikszene. Während der Proben zum 7. Sinfoniekonzert des Staatstheaters sprachen wir mit der gebürtigen Dänin, die vor Saarbrücken Soloharfenistin beim Dänischen Rundfunk und in Bad Reichenhall war und heute auch an der Saar-Hochschule für Musik unterrichtet. Frühe Faszination für den Orchesterklang: "Das müssen höhere Wesen sein, die da mitspielen", dachte Charlotte Nyborg in jungen Jahren bei ersten Konzertbesuchen in ihrer Heimatstadt Kopenhagen. Damals wühlte sie sich am Klavier gerade "durch die ganze abendländische Literatur". Auf jene "Überei als Kind" führt Nyborg ihre rasche Auffassungsgabe zurück. Dennoch Sehnsucht nach dem großen Ensemble: Ihr Onkel, Musiker an der Oper, empfahl ihr die Harfe: "Das ist wie ein senkrechtes Klavier". Fortan gab's zusätzlichen Harfenunterricht und Nyborg machte ihr Diplom am Dänischen Musikkonservatorium in Harfe und Klavier. Der Einstieg ins Berufsleben der Harfenistin wurde unter Dirigentengrößen wie Sergiu Celibidache und Daniel Barenboim gefeiert. Klavierspiel dient ihr heute nur noch, "um mich zu entspannen". Längst ist Charlotte Nyborg zur Harfen-Fachfrau gereift, hat Kongresse rund um den Globus besucht, hält Vorträge zur Geschichte des Harfenbaus, kümmert sich um die Restaurierung betagter Kostbarkeiten. Welche Scheiben sie zu Hause in den CD-Player schiebt, ist oft mit dem Beruf verbunden. Erklingt am Staatstheater Wagner oder sitzt sie in Bayreuth im Orchestergraben, dann wächst die Lust, "zu baden in dieser Musik". Ständige Favoriten sind die in virtuosem Harfen-Einsatz unübertroffenen Impressionisten. Doch gibt's Phasen, in denen Nyborg nur Pop hört, zur Entspannung; etwa Beatles und Hendrix. Gelegentlich trifft man die eifrige Konzertgängerin auch bei schrägem Freejazz "als Kontrastprogramm". Als weitere Hobbys bleiben Reisen, Gymnastik, Yoga und das Lesen, "um mich auf dem Laufenden zu halten". Skandinavien sei immer noch eine Inspirationsquelle, so die Wahl-Saarbrückerin, die im Saarland die Lebensqualität und das Essen schätzt: "Hier kann man als Single sehr gut leben." Beim 7. Sinfoniekonzert wird Nyborg bei Mahlers düsteren "Kindertotenliedern" in die Saiten greifen und mitleiden. Denn gerade bei melancholischen Komponisten gelte: "Die Gefühle, die man nachvollzieht, sind überwältigend." uhr


Auf einen BlickDas 7. Sinfoniekonzert des Saarländischen Staatstheaters ist am Montag, 25., und Dienstag, 26. Mai, 20 Uhr, in der Saarbrücker Congresshalle. Unter Leitung von Hendrik Vestmann spielt das Orchester Beethovens "Eroica", Mahlers "Kindertotenlieder" (Alexandra Petersamer, Mezzosopran) und Schuberts 4. Sinfonie. redwww.saarlaendisches-staatstheater.de