Charity Shop: Wo Altes noch seinen Wert hat

Charity Shop : Wo Altes noch seinen Wert hat

Seit sechs Wochen gibt es einen Charity Shop im Nauwieser Viertel. Und der läuft richtig gut, wie Eva Linsler vom Verein SAARmariter berichtet. Mittlerweile ist der Laden täglich geöffnet.

Es gibt im Nauwieser Viertel einen kleinen Laden, in dem arbeiten keine Profis. Und dort werden auch keine neuen Sachen verkauft. Trotzdem ist viel los an diesem Mittag, Kunden stöbern zwischen alten Büchern und getragenen Klamotten und verlieben sich vielleicht ganz nebenbei in schmucke Porzellanwaren oder Dekoartikel, die ein anderer loswerden wollte. Für wenige Euros wechseln hier gebrauchte Dinge den Besitzer, an der Theke steht die 14-jährige Julie und kassiert. Seit dem 14. Mai gibt es  den Charity-Laden des Vereins SAARmariter e.V. in der Nauwieser Straße 11, wo es nur abgelegte Dinge zu kaufen gibt, die ein ehrenamtliches Team für einen guten Zweck anbietet.

„In England, wo wir öfters schon auf Reisen waren, gibt es dieses Modell häufig. Wir haben es dort gesehen und wollten es in Saarbrücken etablieren“, sagt die 46-jährige Rechtsanwältin Eva Linsler, die mit Freunden den Verein der SAARmariter gründete. Der Arbeiter-Samariterbund (ASB) hat nichts damit zu tun, stimmte aber der Namensgebung zu. In Nauwieser Viertel fand sich ein kleines Ladenlokal, der Hausbesitzer ist selbst bei den SAARmaritern und bekommt eine niedrige feste Miete. Weitere Kosten entstehen dem Verein nicht.

„Es gibt den Laden jetzt seit sechs Wochen. Freunde gaben uns die ersten Dinge zum Verkaufen, keiner hat uns Müll vorbeigebracht. Alles, was wir anbieten ist gut in Schuss und noch etwas wert“, sagt die 51-jährige Lehrerin Sibylle Lampert-Müller, die ebenfalls zum Team gehört. „Wir sind super gestartet. In den ersten sechs Wochen haben wir schon 1400 Euro Überschuss zusammenbekommen“, sagt Linsler nicht ohne Stolz. Der Verein benenne für jedes Kalenderjahr drei Organisationen, an die die Gewinne ausgeschüttet würden. 2019 fließe der Erlös zum St. Jakobus Hospiz mit dem angeschlossenen Kinderhospizdienst, zur Aktion Wünschewagen des ASB und in ein internationales Projekt zum Schutz des Regenwaldes. Im Herbst würden die ersten Spenden übergeben.

Für 2020 würden die SAARmariter dann wieder drei feste Projekte benennen, für die ein Jahr lang Second-Hand-Ware verkauft werde. „Anfangs hatten wir nur drei Tage in der Woche geöffnet. Ab Juli können wir täglich von 14 bis 18 Uhr und Samstags von 11 bis 16 Uhr öffnen, weil wir weitere Mitarbeiter gewonnen haben“, freut sich Lampert-Müller. Natürlich könne man verkaufswürdige Gebrauchtartikel jederzeit im Laden abgeben und damit eine Sachspende an die sozialen Projekte tätigen. „Unsere erste Expansion war die tägliche Öffnung. Mehr wollen wir jetzt erst einmal nicht erreichen. Über Nachahmer würden wir uns freuen“, sagt Eva Linsler. Die Idee des Charity Shops könne gern kopiert werden, zumal sie sehr nachhaltig sei, weil sie Müll vermeide und alten Dingen neuen Sinn gebe. Erfreut sei man, dass die Behörden das Projekt sehr gefördert hätten. Gewerbeamt und  Finanzamt seien sehr kooperativ gewesen. Wer sich für den Laden interessiert, geht am besten mal hin. Momentan ist Eva Linsler fast täglich dort anzutreffen und beantwortet gerne Fragen zum Charity Shop, der nicht in Konkurrenz zu den Sozialkaufhäusern und Kleiderkammern stehe: „Wir sind hier absolut unprofessionell und haben immer tolle Gespräche. Dass wir nach so kurzer Zeit schon in die Gewinnzone kommen, hätten wir nie gedacht. Das wollen wir jetzt erst einmal langfristig etablieren“, so die Mutter von acht Kindern, von denen zwei an diesem Tag im Laden mithelfen.

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