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"Ein Café mit gutem Ruf"Geschäfte "rekonstruiert"

Straßenansicht aus Riegelsberg, die Karte wurde 1939 verschickt. Nach links geht es durch die heutige Kirchstraße, geradeaus durch die heutige Saarbrücker Straße in Richtung Heusweiler, rechts ist noch die Einfahrt zur heutigen Riegelsberger Straße zu sehen. Foto: SZ
Straßenansicht aus Riegelsberg, die Karte wurde 1939 verschickt. Nach links geht es durch die heutige Kirchstraße, geradeaus durch die heutige Saarbrücker Straße in Richtung Heusweiler, rechts ist noch die Einfahrt zur heutigen Riegelsberger Straße zu sehen. Foto: SZ
Riegelsberg. Vielen Lesern steht das "alte Riegelsberg" noch lebendig vor Augen: Fast 30 richtige Antworten, teils mit Erinnerungen, sind zu unserem Postkarten-Rätsel eingegangen. Des Rätsels Lösung: Die am 2. Oktober 1939 verschickte Postkarte zeigt die heutige Ecke Saarbrücker Straße/Kirchstraße in Riegelsberg. Die vom Objekt des Rätsels "weiteste" Antwort erreichte uns von Erwin Maßow aus Wedemark in Niedersachsen (Region Hannover), die "nächste" Antwort kommt direkt aus einem der gezeigten Häuser: Im Haus links wohnt Margarete Heidecker, die daher auch berichten kann: "In dem Eckhaus ist heute eine Sisha Bar" (Kirchstraße 2) - die Zeiten ändern sich. Von SZ-Redakteur Marco Reuther

Riegelsberg. Vielen Lesern steht das "alte Riegelsberg" noch lebendig vor Augen: Fast 30 richtige Antworten, teils mit Erinnerungen, sind zu unserem Postkarten-Rätsel eingegangen. Des Rätsels Lösung: Die am 2. Oktober 1939 verschickte Postkarte zeigt die heutige Ecke Saarbrücker Straße/Kirchstraße in Riegelsberg. Die vom Objekt des Rätsels "weiteste" Antwort erreichte uns von Erwin Maßow aus Wedemark in Niedersachsen (Region Hannover), die "nächste" Antwort kommt direkt aus einem der gezeigten Häuser: Im Haus links wohnt Margarete Heidecker, die daher auch berichten kann: "In dem Eckhaus ist heute eine Sisha Bar" (Kirchstraße 2) - die Zeiten ändern sich.



Viele erinnern sich auch an das Lebensmittelgeschäft Breit im linken Haus (später das Edeka-Geschäft Kappés) und an das "Deutsches Haus", auch als Gasthaus Loesgen bekannt. Waltraud Wahlmann (84) schreibt: "Ein sehr seriöses Lokal. Eine Zeit lang gab es dort auch Sonntagstanz - ein Café mit gutem Ruf."

Vor dem Gasthaus stand die Büste Kaiser Friedrichs (eine Minderheit meinte, es sei Kaiser Wilhelm). So schreibt Ilse Wintz-Klein: "Ich habe als Kind nie verstanden, wieso das Denkmal Kaiser Friedrichs vor dem Gasthaus Loesgen stand, der 'Wilhelm' hieß (Gaststätteninhaber Wilhelm Loesgen) und das Denkmal Kaiser Wilhelms vor dem Rathaus neben einem Gasthaus, das 'Friedrich' hieß. - Die heutige Buchschacher Straße hieß damals Kaiser Friedrich Straße, und die Kaiser Wilhelm Straße ist die jetzige Rathausstraße. Wie die beiden Büsten entfernt wurden, erinnere ich mich noch, nur nicht wann."

Die Riegelsbergerin Silvia Lorenz schreibt, dass sie sich für das "Deutsche Haus" auch noch an den Namen "Gasthaus Friedrich" erinnert, weswegen sie davon ausgeht, dass es sich bei der Büste um Kaiser Friedrich handelt. Sie erinnert auch daran, dass sich gegenüber des Gasthauses, neben dem Lebensmittelgeschäft, in der Kirchstraße noch um 1910 eine "königlich-preußische Poststelle" befand.

Maria Luise Hoff aus Riegelsberg hat nachgeschlagen: "Das Lebensmittelgeschäft links wurde 1933 von dem Lebensmittelhändler Peter Breit und seiner Ehefrau bezogen, das er von dem Eisenwarenhändler Johann Zimmer erworben hatte. 1955 verkaufte Peter Breit Haus und Geschäft an das Ehepaar Kappés. Die Gaststätte in der Bildmitte erbaute Gastwirt Wilhelm Loesgen 1903. Entworfen wurde das Haus von Baumeister Hahn. 1904 eröffnete Wilhelm Loesgen die Gaststätte und gab ihr den Namen 'Kaiser Friedrich', dessen gusseiserne Büste auf einem Steinsockel vor dem Haus thronte. Während der Zeit des Nationalsozialismus erhielt das Gebäude den Namen 'Deutsches Haus'. In den 1950er Jahren wurde das Gasthaus von Sohn Heinz Loesgen geführt. - Diese Bildbeschreibung stammt aus dem Buch 'Bergbau, Handel und Gewerbe in Alt-Riegelsberg' von Helmut Klein."

Zwei weitere Geschäfte steuert die Riegelsberger Ortsvorsteherin Monika Rommel bei: "In dem Gebäude mit dem Gasthaus war in meiner Kindheit das Textilwarengeschäft Müller und Baur, das seinen Stammsitz in Burbach hatte. In den 1970er Jahren befand sich in diesen Räumen eine Filiale des Haushaltswarengeschäfts Zimmer. Das Hauptgeschäft befand sich neben dem Lebensmittelgeschäft Breit (heute ist dort ein Spielcasino). Riegelsberg. Die Geschäfte in den Häusern rechts auf der alten Postkarte lassen sich Dank der Informationen von Erich Diesinger (80), sowie von Waltraud Wahlmann (84), Heinz Scherer (82), Lydia Ziegler und Edwin Werron rekonstruieren: Das erste Haus rechts war das Schuhhaus Alois Schäfer, es folgten das Haus "von Baumeister Hahn", die Polsterei Zöllner und schließlich "Blumen Bessey", noch weiter unten ein Restaurant. Waltraud Wahlmann: "In meiner Kindheit ging ich den Weg mit meinen Schulkameraden wenigstens einmal die Woche zu Fuß von dem höher gelegenen Ortsteil Pflugscheid (Schule) bis zur Kirche Ende der Kirchstraße." mr

Auf einen Blick

Gewinner: Unter den richtigen Einsendungen haben wir als Gewinner der alten Postkarte Hilde Elzer aus Riegelsberg ausgelost.

Wir gratulieren! red

So sieht die Ansicht heute aus. Hier gibt's Saarbahn-Gleise, schaut man auf der alten Karte genau hin, erkennt man dort links auf der Saarbrücker Straße die früheren Straßenbahn-Gleise. Foto: Becker & Bredel
So sieht die Ansicht heute aus. Hier gibt's Saarbahn-Gleise, schaut man auf der alten Karte genau hin, erkennt man dort links auf der Saarbrücker Straße die früheren Straßenbahn-Gleise. Foto: Becker & Bredel