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Feminismus
„Ich bin eher wütend, unfassbar wütend“

Petra Messinger
Petra Messinger FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken. Meike Krämer, Petra Messinger und Petra Stein wollen junge Frauen für den Feminismus begeistern. Von Isabell Nina Schirra

„Bei den Angeboten der FrauenGenderBibliothek oder beim FrauenThemenMonat wird entweder ein bürgerlicher oder ein klassischer 68er-Feminismus angesprochen. Aber ein neuer, moderner Feminismus wird kaum thematisiert.“ So sieht das zumindest Meike Krämer, junge Feministin aus Saarbrücken.


Petra Messinger, Frauenbeauftragte der Stadt, und Petra Stein von der FrauenGenderBibliothek wehren sich gegen diese Einschätzung, verweisen auf Veranstaltungen, die gezielt für junge Frauen gedacht sind, und betonen, dass man sich viele Gedanken um die Bedürfnisse junger Frauen macht.

Doch wie entstehen solch unterschiedliche Ansichten? Im SZ-Redaktionsgespräch trafen Petra Messinger, Petra Stein und Meike Krämer aufeinander, um gemeinsam über dieses Thema zu diskutieren.

„Feminismus war für mich damals die Welt“, erinnert sich Petra Messinger. Heute sei das oft anders, junge Frauen hielten sich für gleichberechtigt, dem Feminismus eile sein angestaubtes Image voraus. Es sei schwer, junge Frauen für das Thema Feminismus zu begeistern.

Meike Krämer stimmt diesen Beobachtungen zu, verweist aber darauf, dass gerade solche Bewegungen wie der Hashtag #metoo   tolle Anknüpfungspunkte sind, um junge Mädchen anzulocken. Daher bewertet sie solche Veranstaltungen wie die Lesung der „Missy Magazin“-Autorin Sonja Eismann auch extrem positiv.



Außerhalb solcher Veranstaltungen wüssten junge Frauen jedoch oft nicht wohin mit sich, ein aktives studentisches Umfeld oder Freiräume wie früher gebe es heute einfach nicht mehr, da sind sich alle einig.

Petra Stein fragt sich allerdings, warum so wenige junge Frauen den Weg zum Frauentreff „FeminisTISCH“ finden. Krämer gibt den Tipp, niedrigschwelligere Themen zu behandeln. So erleichtere man  Mädchen ohne feministischen Background den Einstieg.

Zudem hätten junge Menschen heute andere Ansprüche, wünschten sich mehr Kreativität, Spontanität. Junger Feminismus sei eher aktionsorientiert. Für regelmäßige Einsätze finde man neben Studium und Job kaum noch Zeit.

„Die jungen Frauen sollen sich aber auch bitte mal selbst darum kümmern“, schaltet sich Petra Messinger ein. Dabei gebe es junge organisierte Gruppen, diese stünden jedoch alle unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, beklagt Krämer. Deren Proteste würden dann kriminalisiert. Und auch solchen Aktionen wie der Menschenkette gegen Gewalt möchte sich Krämer nicht anschließen, sie will nicht mit „Liebe auf Hass reagieren“. Sie sagt: „Ich bin eher wütend, unfassbar wütend.“

So weit die Bestandsaufnahme. Klar ist: Es besteht noch Redebedarf. Doch wie kann es weitergehen? Unter dem Titel „Let‘s talk about feminism“ haben Krämer und andere junge Frauen ihren eigenen Stammtisch gegründet.

Ein geschützter Raum, um sich auszutauschen, fehlt allerdings. Petra Stein will die FrauenGenderBibliothek als Ort für feste Treffen anbieten. „Vielleicht lassen sich auch gemeinsam Aktionen aushecken“, hofft sie. Der absolute Traum von Krämer wäre eine Diskussionsrunde zum Thema Feminismus und Islam. An einer Realisation wollen alle gemeinsam arbeiten.

In Zukunft wollen beide Seiten Hemmschwellen abbauen und sich mit mehr Offenheit begegnen. „Wenn ich eins gelernt habe in dieser Arbeit, dann ist es, dass nichts über Offenheit geht“, sagt Messinger abschließend.

Frauen bei einem Flashmob zur Aktion „One Billion Rising“auf dem St. Johanner Markt am Valentinstag.
Frauen bei einem Flashmob zur Aktion „One Billion Rising“auf dem St. Johanner Markt am Valentinstag. FOTO: Oliver Dietze
Petra Stein
Petra Stein FOTO: Robby Lorenz
Meike Krämer
Meike Krämer FOTO: Robby Lorenz