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Warnstreik am Uniklinikum in Homburg: „Patient todkrank – Arzt todmüde“

Rund 100 Ärzte in Homburg folgen Aufruf von Marburger Bund : Warnstreik am Uniklinikum: „Patient todkrank – Arzt todmüde“

„Patient todkrank– Arzt todmüde: Das darf nicht sein.“ Mit solchen warnenden Plakaten und Transparenten sind am Dienstag an der Universitätsklinik des Saarlandes (UKS) in Homburg rund 100 angestellte Ärzte in einen mehrstündigen Warnstreik getreten.

Um die Mittagszeit versammelten sie sich entsprechend einem Aufruf der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) zu einer Kundgebung auf der Wiese vor dem neuen UKS-Gebäude der Inneren Medizin. Sie protestierten gegen Überlastung durch immer mehr Überstunden und Nachtarbeit, fehlendes Personal, überbordende Bürokratie und zunehmenden Zeitdruck. Obwohl es während des Warnstreiks weniger Visiten am Krankenbett, einige Verschiebungen nicht dringlicher medizinischer Eingriffe und längere Wartezeiten als sonst üblich am Klinikum gab, war die Patientenversorgung nach übereinstimmenden Angaben von Marburger Bund und Klinikleitung – auch über eine spezielle Notfallvereinbarung – gewährleistet.

Einige Ärzte des Uni-Klinikums waren am Dienstag auch zu einer gleichzeitigen bundesweiten Protestversammlung nach Hannover gefahren, wo die dritte Runde der Tarifverhandlungen zwischen Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) stattfand. Der Marburger Bund forderte dabei für die oftmals von 60-Stunden-Wochen und einem halben Dutzend Bereitschaftsdiensten pro Monat geplagten angestellten Ärzte eine exakte Arbeitszeiterfassung sowie eine Begrenzung auf maximal zwei Wochenenddienste pro Monat. Verlangt werden ferner klare Höchstgrenzen für Bereitschaftsdienste, mehr Urlaub für Nachtarbeit und sechs Prozent mehr Gehalt.

„Es geht den Klinikärzten vor allem um Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, aber auch mehr Entgelt“, betonte die Sprecherin des Marburger Bundes im Saarland, Mirofora Aptidou, auf der von einem Trillerpfeifenkonzert begleiteten Protestkundgebung. Sie verwies auf eine Mitgliederbefragung („MB-Monitor 2020“), wonach sich inzwischen bereits mehr als die Hälfte der angestellten Ärzte an Unikliniken häufig überlastet fühlen – mit oft negativen Auswirkungen bis hin zum Burnout und Beeinträchtigungen des Privat- und Familienlebens. In nahezu allen kommunalen Krankenhäusern im Saarland gebe es inzwischen eine automatisierte Arbeitszeiterfassung für Ärzte – nur nicht am landeseigenen UKS, so Aptidou. Das führe mit dazu, dass immer weniger Ärzte in die Uniklinik wollten und Stellen unbesetzt blieben. Der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKS, Professor Wolfgang Reith, unterstützte in einer Stellungnahme „die Ärzte bei ihrem Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen“.