In Rentrisch regiert der Rotstift

„Wir leiden wenigstens nicht alleine“, stellte das Rentrischer Ortsratsmitglied Nadine Müller fest. Damit beschrieb sie nach der Beratung zum Haushaltsentwurf ziemlich treffend die Stimmung, die in den Stadtteilen wegen des städtischen Sparzwangs herrscht.

Die Diskussionen zum Entwurf des Doppelhaushaltes 2013/14 sind geführt, alle St. Ingberter Ortsräte wissen jetzt ungefähr, mit welchen Investitionen in ihren Stadtteilen in den kommenden beiden Jahren zu rechnen ist - oder vielmehr, was nicht umgesetzt wird. Denn die Liste der gestrichenen Projekte ist allerorts deutlich länger als die der bewilligten Maßnahmen.

Das gilt auch für Rentrisch, wobei Ortsvorsteher Dieter Schörkl und sein Team in einem besonderen Dilemma stecken: Rentrisch bekommt zu viel zum Sterben, aber zu wenig zum Leben. 35 000 Euro stehen nämlich für einen Rundweg durch die Rentrischer Talaue zur Verfügung - Geld, mit dem der Ort nicht weit kommt. "50 000 Euro hätten es sein müssen", erklärt Schörkl. Diese Summe hatte Gerd Lang, der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Abfallwirtschaft, auch bei der Kämmerei beantragt. Schörkl hofft nun auf den Finanzausschuss, der heute zusammenkommt. Kaum Hoffnung besteht hinsichtlich der weiteren Projekte im Ort. Gestrichen sind sowohl die Mittel für das Fundament eines Zunftbaumes, für Ortsschilder und Infotafeln. "Wir können nichts bewegen, können nicht handeln - wir brauchen gar nichts zu planen", stellte Nadine Müller (CDU) fest und erhielt dafür Zustimmung ihres enttäuschten Ortsvorstehers.

Hinter dem Umbau der Grundschule zu einer Kindertagesstätte steht ein ganz anderes Fragezeichen. Wie Alex Beck (Gebäude und Liegenschaften) erklärte, hat die Stadt noch keinen Förderbescheid erhalten. Erst für das Jahr 2015 ist mit einem Zuschuss in Höhe von 1,18 Millionen Euro zu rechnen. Die Rentrischer Volksseele kocht: Frank Roth (SPD) fragte sich, ob extra mit den Zuschüssen gewartet werde, bis es irgendwann heißt, dass sich eine Kita für Rentrisch gar nicht mehr lohne. Helga Roth (SPD) kündigt für die Zukunft eine andere Gangart an: "Wir haben schon nur das Nötigste auf unsere Prioritätenliste geschrieben, damit sie genehmigt wird. Dafür werden wir jetzt bestraft. In Zukunft gibt's von uns eine ellenlange Liste, damit wir wenigstens etwas bekommen." Das wollte Bruno Rebmann, der Haushaltsbeauftragte der Kämmerei, so nicht stehen lassen. "Wir mussten Investitionen in Höhe von vier Millionen Euro streichen. Deshalb muss Ihnen doch klar sein, dass wir irgendwo den Rotstift ansetzen müssen." Trotzdem: Auch Rentrisch sagte geschlossen "Nein" zum Haushaltsentwurf.