„Die grüne Lunge“ hält ihn hier

„Die grüne Lunge“ hält ihn hier

Der Wald oder sein Garten sind für Konrad Weisgerber ein Rückzugs- und Erholungsgebiet. 1958 geboren, ist er der einzige seines Abiturjahrgangs, der in St. Ingbert geblieben ist. Heimat ist ihm wichtig, damit verbindet er auch das Bier seiner Jugend: Becker-Bier.

. Konrad Weisgerber ist ein überzeugter St. Ingberter. Viele kennen ihn. Entweder als Architekten, als Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins oder zur Fasenacht in der Bütt. Auch dort beschäftigte er sich schon als selbst ernannter Denkmalschützer mit dem Leibniz-Gymnasium, dem gefallenen Schornstein der Becker-Brauerei, dem Karlsbergsaal als wechselnder Studenten- "Bleibe" sowie dem Dauerbrenner Alte Baumwollspinnerei. Sein Interesse für die Belange der Stadt mit ihrem historischen Baubestand kommt nicht von ungefähr.

Geboren 1958, wuchs Konrad Weisgerber mitten in der Stadt auf. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter stammten aus dem Zentrum, das damals noch nicht verkehrsberuhigt war. Da war zum einen das von einem Großvater 1910 gebaute Haus mit Schlosserei in der Rickertstraße, in dessen Untergeschoss sich heute eine Boutique befindet, und zum zweiten die Dienstwohnung des Großvaters mütterlicherseits am Markt, in dessen Umfeld der kleine Konrad spielte. "Wenn ich beide Elternhäuser mit einer Linie verbinde, befindet sich genau in der Mitte der Zapphahn von der Schmidd", versucht sich Weisgerber zu verorten. Kindheit und Jugend verbrachte Konrad Weisgerber in einer von starkem Autoverkehr geprägten Gegend. Zum Spielen blieb ihm in unmittelbarer Nachbarschaft eigentlich nur der Schulhof der Wiesentalschule in einer Zeit, wo sich an Stelle des heutigen Rathauses noch der Schlachthof befand. Wald gab es "weit und breit" nicht.

Wohl auch deshalb bereut er, der eine hohe Affinität zur Natur hat, nicht den Schritt, 1998 in die Dr. Schultheß-Straße gezogen zu sein. Von dort hat er kurze Wege, um im Wald auf Pilz- und Grenzsteinsuche zu gehen. Sein Garten ist Ersatz, wenn die Zeit mal nicht für den Wald reicht. "Der Wald ist das Revier, in dem ich mich wohl fühle", sagt Weisgerber, "das ist wohl auch eines der Argumente, warum man sich als St. Ingberter hier so wohl fühlt." In diesem Zusammenhang verweist er auch auf die politische (St. Ingberter Waldstreit) sowie wirtschaftliche Bedeutung der "grünen Lunge " und auf deren Erholungsfaktor.

Immer wieder merkt er, dass Jüngere mit dem Wort "Heimat " nichts anfangen können. "Auch der Begriff Heimat- und Verkehrsverein, in dessen Satzung die Pflege der Heimatliebe verankert ist, stößt auf Skepsis. Das Wort Fremdenverkehr ist eingängiger, lässt sich einfacher erklären", findet der Ur-Dengmerter. Wenn man derzeit in den Medien die Flüchtlingsströme sehe, dann könne man ermessen, was es heißt, eine Heimat zu haben, findet er. Wahrscheinlich könne man erst dann wirklich nachfühlen, was Heimat bedeutet, wenn man sie verloren hat.

Konrad Weisgerber ist der einzige seiner Abiturklasse, der in St. Ingbert geblieben ist. Es zieht ihn nicht ins Preußische. Das hängt wohl auch mit dem bayrischen Feeling zusammen, denn St. Ingbert fühlt sich aus der Tradition heraus der Pfalz und Bayern zugehörig. "Ich fühle mich auch im Bliesgau wohl", so der überzeugte Saarpfälzer, "aber ich käme nie auf die Idee, beispielsweise nach Saarwellingen zu gehen."

Heimat sei für seine Generation Becker-Bier gewesen. Anderes Bier zu trinken, sei für ihn und seine Kameraden undenkbar gewesen. "Das ist eine Glaubensfrage", erzählt Weisgerber, "wir haben uns mit der Brauerei identifiziert, und als der Schornstein fiel, habe ich schon ein Tränchen verdrückt." Klar, denn er hat ein Herz und Faible für alte Bausubstanz, an der er als Architekt im Bereich Denkmalpflege beispielsweise am Zechenhaus des Rischbachstollens, der Möllerhalle der Alten Schmelz, am Alten Krankenhaus oder auch dem Alten Spital selbst mit Hand anlegte.