Girls Day in Homburg: Immer weniger Firmen lassen schnuppern

Girls Day in Homburg : Immer weniger Firmen lassen schnuppern

Gerade mal drei Einrichtungen und Unternehmen nahmen am Girls Day in Homburg teil. Mädchen kamen aber trotzdem viele.

Es gab Zeiten, da war der Girls Day in Homburg eine wirklich nachgefragte Veranstaltung. Zahlreiche Unternehmen und Organisationen beteiligten sich gemeinsam an der Aufgabe, Mädchen eher untypische, weil männerdominierte, Berufsbilder nahe zu bringen. Warum nicht eine Lehre als Mechatronikerin oder ein Maschinenbau-Studium – eben mal was ganz anderes als die üblichen Klischee-Vorstellungen. Der Girls Day 2018 in Homburg allerdings war nur noch ein Schatten dessen, was einmal war, und man kann trefflich darüber spekulieren, ob es diese Veranstaltung im kommenden Jahr wieder geben wird. Denn: Mit dem Atelier für Mädchen und junge Frauen, Bosch und dem Homburger Universitätsklinikum (UKS) waren es nur drei Einrichtungen und Firmen, die am Donnerstag ihre Pforten öffneten.

Warum es nun in diesem Jahr so „mau“ aussah, lässt sich gegenwärtig nur schwer begründen. Die auf allen Ebenen gestarteten Versuche, Mädchen für alternative Berufsbilder zu begeistern, sind vielleicht in Homburg gescheitert, vielleicht interessieren sich Mädchen und junge Frauen einfach nicht für klassische Männerberufe. Möglichlichkeit zwei: Die Unternehmen, die sich hier in der Vergangenheit engagiert haben, konnten aus eben diesem Engagement keinen Nutzen ziehen, mussten aber einen hohen Aufwand für diesen Aktionstag betreiben. Welche Begründung es nun auch immer gibt, das wird die Stadtverwaltung als lokale Koordinierungsstelle des Girls Days in Homburg nun zu bewerten haben.

Immerhin: Für die drei teilnehmden Betriebe und Einrichtungen scheint sich das erneute Engagement zumindest zahlenmäßig gelohnt zu haben. So konnte Stefanie Hugo, die Frauenbeauftragte des Uniklinikums, „volles Haus“ vermelden, die 20 angebotenen Plätze waren alle besetzt. Angeboten wurden den Mädchen Einblicke in die Malerwerstatt, in den Bereich Buchdruck, in die KfZ-Werkstatt, bei Sanitär, Elektrik und in die Schreinerei. Aber auch Hugo machte klar, dass man sich schon überlegt habe, in diesem Jahr noch mal teilzunehmen, hätten 2017 doch gerade mal sieben oder acht Mädchen das Angebot genutzt. Dass es diesmal wieder deutlich besser aussehe, begründete Hugo auch damit, dass diesmal schon Mädchen aus der Klassenstufe sieben hätten teilnehmen können.

Nun ging es also gestern in den unterschiedlichen Werkstätten des UKS richtig rund. Aber wird mit solchen Aktionstagen das große Ziel, Frauen in männerdominierten Berufen zu etablieren, wirklich erreicht? Stefanie Hugo zeigte sich da zurückhaltend skeptisch. „Der Frauenanteil ist im Bereich Technik, auch bei uns, immer noch sehr gering.“ Immerhin schaffe man es aber, durch Angebote wie den Girls Day, das Unikrankenhaus abseits des rein Medizinischen auch als großen Ausbildungsbetrieb für gewerbliche Berufe nach außen hin zu vermitteln. „Es ist schon ein bisschen eine Werbung für unsere eigenen Werkstätten, für unseren großen Ausbildungsbetrieb.“

Unter den Mädchen, die sich von diesen vielen Möglichkeiten einen Eindruck verschaffen wollten, waren auch Greta und Claire vom Johanneum. Unter anderem an der Seite von Geselle Marco Raquet versuchten sich die beiden im Bereich Malerwerkstatt. „Wir wollten erleben, was die Jungs hier so machen“, so Greta ihren Ausflug in die Welt des Handwerks und der Technik. Und dieser Ausflug kam bei den beiden augenscheinlich ganz gut an, „ich könnte mir schon vorstellen, Ingenieurin zu werden“, gestand Claire ein.

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