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Klassenspiel in der Waldorfschule: Am Ende siegt Liebe über Gehorsam

Klassenspiel in der Waldorfschule : Am Ende siegt Liebe über Gehorsam

Die Bexbacher Waldorfschüler der achten Klasse führten am vergangenen Wochenende ihr Klassenspiel auf, gewählt wurde „Krabat“ nach Otfried Preußler. Die Schüler überzeugten mit starken schauspielerischen Leistungen.

Zum Waldorfabschluss, den die Schüler neben den staatlich anerkannten Abschlüssen machen, gehört auch das so genannte Klassenspiel: Sowohl in der achten als auch in der zwölften Klasse studieren die Schüler ein Theaterstück ein. In der letzten Woche fanden vier Aufführungen des Stücks „Krabat“ statt, das die achte Klasse der Bexbacher Waldorfschule mithilfe der Theaterpädagogin Kerstin Kiefer auf die Bühne brachte.

In dem Schauspiel nach dem Buch von Otfried Preußler geht es reichlich düster zu, davon zeugte auch der viele Nebel, der auf der Bühne eingesetzt wurde. Der Junge Krabat fängt in einer Mühle als Lehrbursche an. Schnell stellt sich heraus, dass der Müllermeister eigentlich ein schwarzer Magier ist, der die Burschen zu absolutem Gehorsam zwingt. Außerdem hat er einen Handel mit dem Teufel abgeschlossen, der ihn dazu verpflichtet, jedes Jahr einen Lehrling zu opfern, damit er selbst weiterleben kann.

Krabat braucht eine Weile, bis er das grausame Spiel durchschaut. Retten kann ihn nur die Liebe zu einem Mädchen aus dem nächsten Dorf. Sie allein kann den Bann brechen, indem sie ihren Liebsten Krabat bei einer Probe mit verbundenen Augen erkennt. Der böse Meister stirbt und die Liebe hat gewonnen.

Klassenlehrerin Gabriele de Cuveland hatte das Stück neben anderen zur Auswahl gestellt, die Klasse selbst habe sich klar dafür entschieden, wie Krabat-Darsteller Frederick Lux erzählte. Er wollte gerne die Hauptrolle übernehmen, da er das schon vorher in kleineren Waldorfschulaufführungen gemacht hatte.

Er war auch der einzige Hauptdarsteller, der in allen vier Aufführungen zum Einsatz kam.

Die anderen Hauptrollen wie die des Erzählers, des Meisters, Krabats Freund Tonda oder seiner Liebsten Kantorka waren alle doppelt besetzt worden.

In der Samstagabend-Vorstellung, die mit etwa 200 Zuschauern sehr gut besucht war, überzeugten neben Lux auch Jakob Meyer als Erzähler, Anna Schamma als Meister, Keesha Njo als Tonda und Marie Jost als Kantorka. Die Überraschung der Aufführung bestand aber vor allem darin, welch hohes schauspielerisches Niveau geboten wurde und wie gut Kostüme und Requisiten eingesetzt wurden — nach gerade mal vier Wochen Einübungszeit.

Da hat Kerstin Kiefer ein wahres Wunder bewirkt. Vielleicht spielte es eine Rolle, dass die in Mannheim lebende Schauspielerin früher selbst die Bexbacher Waldorfschule besucht hatte. Zum Casting sei sie zwei-, dreimal in den Unterricht gekommen, außerdem habe sie sich die einzelnen Schüler bei ihrer Vorstellung der Jahresarbeit betrachtet – „da sieht man ganz viel“. Ihre persönlichen Eindrücke habe sie dann mit jenen der Klassenlehrerin abgeglichen.

Wollte man an der Aufführung Kritik üben, dann höchstens am Stück selbst: Bisweilen suchte man da den roten Faden, außerdem gab es Längen wie eine endlos dauernde Zeremonie, bei der die Knechte der geheimen Bruderschaft des Meisters Gehorsam schwören mussten — jeder einzeln. Dafür verwendete die Inszenierung einige schöne Ideen wie etwa, als die Dorfmädchen singend und mit einer Kerze in der Hand von hinten durchs Publikum schritten.

Lehrerin de Cuveland war hinterher zufrieden: „Die haben das gut gemacht“, lobte sie. Zum Stück selbst sagte sie, dass es zwar ein bisschen düster, aber doch sehr gut für dieses Alter geeignet sei: „Es geht darum, dass man in etwas hineingerät – und wie man da wieder herauskommt.“