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Netflix: Kann die Vampir-Action „Day Shift“ mit Jamie Foxx überzeugen?​

Streaming : „Day Shift“ auf Netflix: Kann die Vampir-Action mit Jamie Foxx überzeugen?

Netflix schickt Jamie Foxx in „Day Shift“ in den Kampf gegen Vampire. Die Action-Horror-Komödie „Day Shift“ ist allerdings weder besonders witzig noch gruselig.

So kann Gentrifizierung auch aussehen: In Los Angeles nisten sich immer mehr Vampire in Immobilien ein, ganze Viertel drohen, Blutsauger-Quartiere zu werden. Zumindest die Stadtverwaltung weiß das und schickt deshalb im Geheimen Vampirjäger los. Das ist der Plot der Netflix-Produktion „Day Shift“, die der Streaming-Dienst wohl gerne zur Reihe ausbauen will, geht man vom Ende mit Potenzial für Fortsetzungen aus. Die sollten dann aber nicht so durchschnittlich sein wie diese leidlich unterhaltsame Kreuzung aus Buddy-Komödie und Horrorfilm, die dabei weder allzu witzig noch besonders gruselig ist.

Netflix: „Day Shift“ mit Jamie Foxx in der Hauptrolle

Jamie Foxx, Oscarpreisträger 2005 für die Titelrolle der Ray-Charles-Biografie „Ray“, spielt Bud Jablonski, einen Vampirjäger, der sich als Poolreiniger tarnt. Das Geschäft läuft mäßig, denn einst flog er wegen zu wenig Disziplin aus der Vampirjäger-Gewerkschaft und arbeitet jetzt inoffiziell, bei schlechterer Bezahlung.

 Seth (Dave Franco) und ein besonders dehnbarer Blutsauger.
Seth (Dave Franco) und ein besonders dehnbarer Blutsauger. Foto: Netflix

Das Privatleben ist kein Trost, denn seine von ihm getrennt lebende Frau will mit der gemeinsamen Tochter ins anscheinend günstigere Florida ziehen – es sei denn, Bud treibt in fünf Tagen die 10 000 Dollar Unterhalt für Schulgeld und Zahnspange der Tochter auf, die er ihr schuldet. Doch dafür muss Jablonski wieder in die Gewerkschaft; die aber stellt ihm als Aufpasser den jungen Seth (Dave Franco) an die Seite, einen exakt gescheitelten Anzugträger, der sich bestens in Verwaltungsvorschriften auskennt, aber noch nie einen Vampir aus der Nähe gesehen hat.

„Day Shift“ versucht die Buddy-Actionkomödien der 1980er nachzuahmen

Der Alpha-Mann und der bebrillte Sesselpupser müssen sich also erst einmal zusammenraufen, wie in vielen Actionkomödien der 1980er; zugleich muss die Figur Seth viele Fakten über alle Arten von Vampiren in Richtung Publikum herunterrattern, ohne dass die am Ende besonders wichtig sind.

Im Nacken sitzt dem Duo die Obervampirin (Karla Souza), deren blutsaugende Tochter Jablonski in der ersten Action-Szene getötet hat, die durchaus originell ist – eine große Schlägerei, in der allerlei Haushaltsgegenstände eingesetzt werden und sich das Knochengerüst der Vampire als grotesk dehnbar erweist.

„Day Shift“: platte Jokes, flache Charaktere

Inszeniert hat „Day Shift“ Debüt-Regisseur J.J. Perry, ein renommierter Stuntchoreografie-Veteran, jüngst aktiv bei den „John Wick“– und „The Fast and the Furious“-Filmen; so überrascht es nicht, dass die Actionsequenzen hier die (relativen) Höhepunkte sind – in den Dialogszenen tut sich der Film schwerer.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">Jamie Foxx and Dave Franco had way too much fun filming this Day Shift Co-Star Challenge. <a href="https://t.co/JflR0MZEmR">pic.twitter.com/JflR0MZEmR</a></p>&mdash; Netflix (@netflix) <a href="https://twitter.com/netflix/status/1559268694823428097?ref_src=twsrc%5Etfw">August 15, 2022</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Das Komödiantische wirkt plakativ, wenn es etwa zum Running Gag wird, dass sich der junge Kollege bei Feindberührung einnässt oder übergibt; die Szenen innerhalb der Kleinfamilie haben etwas von einer TV-Seifenoper; man spürt, dass das Inszenieren von Schauspielerinnen und Schauspielern nicht Perrys Stärke oder Interessensgebiet ist.

Netflix-Film „Day Shift“ kann lediglich mit Action punkten

Mehr Engagement zeigt Perry da bei einer großen, rasant choreografierten Actionszene zur Halbzeit des Films in einem Haus, das sich als Vampirnest erweist – aus allerlei Zimmern, Fluren und Schränken tun sich da Blutsauger auf. Dagegen fällt dann das bestenfalls mittelgroße Finale ab.

Überraschend ist, wie wenig Grusel der Film dem Vampir-Mythos abgewinnt. Die Blutsauger der unteren Hierarchie-Ebene sind lediglich anonymes Kanonenfutter für Jablonskis Schrotflinte in einigen immer gleichen Baller-Szenen, während die böse Ober-Vampirin eine ziemlich blutarme Figur abgibt – dass sie tagsüber, mit Sonnenschutz, als Immobilien-Unternehmerin arbeitet, ist noch ein netter Gag; wirklicher Schrecken geht nicht aus von ihr, und – Spoiler-Alarm – ihr Ableben ist ziemlich unspektakulär.

 Oliver Masucci als Klaus, die rechte Hand der Ober-Vampirin.
Oliver Masucci als Klaus, die rechte Hand der Ober-Vampirin. Foto: Netflix

Ihr gut gekleideter Helfershelfer, gespielt vom deutschen Mimen Oliver Masucci (Fassbinder in Oskar Roehlers „Enfant Terrible“), hat weder viel zu tun noch zu sagen.

Da vergibt der Film viel Potenzial, auch wollen Komödie und Brutalität, Familien-Gefühligkeit und Härte selten zusammenpassen, da wirkt der Film mitunter etwas zynisch.

Fazit: „Day Shift“ ist beim Streaming gut aufgehoben – bei manchen Szenen zwischen der regelmäßigen Action würde man im Kino wohl etwas ungeduldig auf die Uhr schauen; zuhause kann man sich in der Küche immer mal wieder Knabberzeug holen und wird in dieser Zeit den Film nicht anhalten wollen.

Day Shift“ ist jetzt bei Netflix zu sehen.