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Was Schaustücke in Alkohol erzählen

Was Schaustücke in Alkohol erzählen

Reden. Kaum ist der Eisvogel zum Vogel des Jahres 2009 in Deutschland gekürt worden, da hat Präparator Georg Schütz im Zentrum für Biodokumentation (ZfB) den bunten Gesellen mit den kurzen Beinen und dem langen spitzen Schnabel bereits im Schaukasten in Szene gesetzt, inmitten einer lebensechten Uferlandschaft. Zwar ein älteres Vogel-Exponat, aber für das Jubiläumsjahr geliftet

Reden. Kaum ist der Eisvogel zum Vogel des Jahres 2009 in Deutschland gekürt worden, da hat Präparator Georg Schütz im Zentrum für Biodokumentation (ZfB) den bunten Gesellen mit den kurzen Beinen und dem langen spitzen Schnabel bereits im Schaukasten in Szene gesetzt, inmitten einer lebensechten Uferlandschaft. Zwar ein älteres Vogel-Exponat, aber für das Jubiläumsjahr geliftet. Die Vitrine steht jetzt im Foyer des Zechenhauses. Beim Eisvogel beginnt dann auch der Rundgang mit ZfB-Leiter Dr. Andreas Bettinger (47) durch sein Reich: Auf etwa 3000 Quadratmeter für Sammlungen mit Werkstatt, für Büros, für Ausstellungs- und Veranstaltungsräume hat sich das ZfB als Mieter im renovierten ehemaligen Zechenhaus eingerichtet, zuvor war das ZfB vorübergehend bereits in einer Halle auf dem Gelände untergebracht. Ein 20-köpfiges Team - mehrheitlich Biologen, dazu Computerexperten, Präparator, Techniker - arbeitet hier. Der Eisvogel ist dabei eines von an die zwei Millionen Einzel-Sammelstücken. Lange hat man nach einem Standort für die naturkundlichen Sammlungen im Saarland gesucht. 2002 dann erhielt Bettinger - promovierter Agrarwissenschaftler mit Schwerpunkt Geobotanik und angewandter Vegetationskunde und inzwischen in Diensten des Umweltministeriums - den Auftrag, ein Dokumentationszentrum in Reden aufzubauen. Auch eine politische Entscheidung für den Umwelt-Biologie-Standort Reden. "Wir hätten die Sammlungen auch saarländisches Naturkundemuseum nennen können", sagt Bettinger. "Aber das wäre ein Anachronismus gewesen. Wir wollen hier mehr machen als Museumsbetrieb. Ein modernes Dokumentationszentrum." Eine Schau- und Lehrsammlung für die Öffentlichkeit. Ein außerschulischer Bildungsort. Eine lebendige Forschungsstätte zur Arten- und Lebensraumvielfalt - tagesaktuelles Stichwort Biodiversität. "Gezielte Arbeit mit den Sammlungen", betont Bettinger. Das ZfB sieht sich als Einrichtung zur Biodiversitätsforschung etabliert, verweist auf Teilnahme an bundesweiten Untersuchungen und Forschungsvorhaben. Gerade hat das ZfB 270 000 Euro Fördermittel für das Forschungsprojekt Pflanzenverbreitung im Klimawandel vom Bundesamt für Naturschutz erhalten (die SZ berichtete). "Wir sind antizyklisch", sagt Bettinger. "Andernorts schließen solche Einrichtungen, wir bauen intensiv auf." Im Magazin warten noch Riesenbestände auf ihre EDV-Erfassung. Bettinger: "Da dürften wir die nächsten 50 Jahre beschäftigt sein. Ein neugieriger Blick in die Werkstatt - Arbeitsplatz von Präparator Georg Schütz -, dann ein vorsichtiger Blick in die Nass-Sammlung. Hier lagern in Gläsern jede Menge tierische und pflanzliche Schaustücke in Alkohol. Bettinger fällt es leicht, Nutzwert für heute herzustellen: "Da haben wir zum Beispiel eine Belegsammlung zu Flora und Fauna aus der Saar, wie sie vor Jahrzehnten vorgefunden wurde. Wenn man heute sammelt, sieht man im Vergleich, was verschwunden ist, was neu ist, was sich verändert hat." Schwerpunkt in der zoologischen Sammlung sind die Schmetterlinge. Und im Herbarium stehen noch Kartons mit jüngst eingetroffenen 28 000 Pilz-Belegexemplaren aus einer Privatsammlung. Sie warten noch aufs Ausgepackt- und Einsortiertwerden. Im ZfB geht die Arbeit nie aus, so viel ist sicher. > Lesen Sie in der nächsten Folge: Die Tourismus- und Kulturzentrale des Landkreises Neunkirchen und das gefühlte Abseits

 Als Vogel des Jahres bekam dieser Eisvogel vom Präparator im ZfB ein Lifting.
Als Vogel des Jahres bekam dieser Eisvogel vom Präparator im ZfB ein Lifting.

Auf einen BlickName: Zentrum für Biodokumentation (ZfB) des Saarlandes im Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA)Leiter: Dr. Andreas BettingerSammlungen: Im ZfB befinden sich die naturkundlichen Sammlungen des Saarlandes: die Zoologische Sammlungen, die Geowissenschaftlichen Sammlungen, das Geologische Museum der Deutschen Steinkohle AG, das Herbarium.Aufgaben: Artenerfassung, Monitoring, Rote Listen. Arten- und Biotopschutzprogramme. Betreuung von Naturschutzgroßprojekten und Forschungsvorhaben. Umweltbildung im Bereich Biodiversität (Ausstellungen, museumspädagogische Konzepte), Betreuung und Fortschreibung des naturwissenschaftlichen Landessammlungen.Kontakt: Telefon (0681) 501-34 52. Mail: info@biodokumentation.saarland.deÖffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von neun bis 16 Uhr, Freitag von neun bis zwölf Uhr. Und nach Vereinbarung. Internet: www.saarland.de/biodokumentation. htm