Förderschulen vor der Schließung?

Förderschulen vor der Schließung?

Eppelborn. Das Bildungsministerium rechnet damit, dass es im Zuge der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention zur Schließung von Förderschulen im Saarland kommt

Eppelborn. Das Bildungsministerium rechnet damit, dass es im Zuge der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention zur Schließung von Förderschulen im Saarland kommt. Der Inklusionsbeauftragte des Ministeriums, Stephan Lehberger, sagte auf einem Kongress des Sozialministeriums in Eppelborn, man wolle künftig "möglichst alle Kinder" mit dem entsprechenden Alter in Klasse 1 der Grundschule aufnehmen. Schulkindergärten an Regelschulen gehörten bald der Vergangenheit an. Die Schüler sollten stattdessen nach einem individuellen Förderplan im Klassenverband der Grundschule unterrichtet werden. Ausnahmen davon gebe es dann nur noch in "äußerst schwierigen Fällen oder auf Wunsch der Erziehungsberechtigten". Dieser Plan werde schrittweise ab dem kommenden Schuljahr umgesetzt.Lehberger betonte, dass es bei einem deutlichen Rückgang der Zahl der Kinder an Förderschulen zur "Zusammenlegung" solcher Schulen kommen werde. Der Behindertenbeauftragte der Landesregierung, Wolfgang Gütlein, verneinte die Frage der SZ, ob er befürchte, dass die Schulwege dann zu lang werden könnten. Gütlein verwies darauf, dass diese Schüler ja dann in die Grundschule gehen könnten. Dann sei der Schulweg am kürzesten.

Man darf gespannt sein, ob die frühere Bildungs- und heutige Sozialministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) die Absichten des nun von Klaus Kessler (Grüne) geführten Bildungsministeriums in vollem Umfang mitträgt. Auf dem Kongress wies sie darauf hin, dass das Saarland bei der Behindertenförderung schon jetzt viel geleistet habe. Bei der Umsetzung der UN-Konvention gehe es um "geschärfte Sichtweisen" und eine "Fortentwicklung" der bisherigen Politik. Sie hob hervor, dass niemand "zur Inklusion verpflichtet" werden dürfe. Auch in Zukunft müsse die "Förderung in Sonderbereichen" für alle jene, die dies wollten, möglich sein.

Dietrich Engels vom Otto-Blume-Institut, der vom Sozialministerium mit den Arbeiten am Aktionsplan zur UN-Konvention beauftragt wurde, bestätigte Fortschritte des Saarlandes in dem Bestreben, Behinderte möglichst nicht in "Sondersystemen" wie Förderschulen zu belassen. Anders als bei der Bildung sei dabei aber "die Tendenz" im Erwerbssystem "nicht eindeutig". Zwar sei die Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter rückläufig, doch sei die Zahl der Beschäftigten von Behinderten-Werkstätten in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent gestiegen.

Behinderte Menschen können und sollen Anregungen und Wünsche zum Aktionsplan an das Sozialministerium senden - entweder per Post an das Referat D 1, Franz-Josef-Röder-Straße 23, 66119 Saarbrücken, oder per Mail unter aktionsplan@arbeit.saarland.de.

"In einer inklusiven Gesellschaft zu leben, heißt für Behinderte, selbstverständlich dazu zu gehören."

Dietrich Engels

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